Mehr über sich selbst erfahren – mit ChatGPT-Prompts

Was weiss ChatGPT über Sie? Die Frage klingt einfach. Die Antwort verrät allerdings ebenso viel über die Arbeitsweise der KI wie über die Person vor dem Bildschirm.
Vor einiger Zeit habe ich über die individuellen Einstellungen von ChatGPT geschrieben. Damit lässt sich festlegen, was die KI berücksichtigen und wie sie antworten soll. Inzwischen geht die Personalisierung weiter: ChatGPT kann Informationen aus früheren Gesprächen, Dateien und verbundenen Anwendungen verwenden – abhängig von den Einstellungen und dem jeweiligen Konto.
Eine der aufschlussreichsten Fragen lautet weiterhin:
«Was weisst du über mich – und worauf stützt du deine Antwort?»
Der zweite Teil ist entscheidend. ChatGPT erstellt kein objektives Porträt. Das System setzt aus verfügbaren Informationen, sprachlichen Mustern und eigenen Schlussfolgerungen ein Bild zusammen. Dieses Bild kann treffend sein. Es kann ebenso Lücken, Vereinfachungen und falsche Annahmen enthalten.
Ein früheres Beispiel: So beschrieb mich ChatGPT nach vier Wochen intensiver Nutzung.

Was kann ChatGPT über Sie wissen?
Wenn die Memory-Funktion aktiviert ist, kann ChatGPT nützliche Informationen aus Gesprächen, Dateien und verbundenen Anwendungen für spätere Antworten berücksichtigen. Dazu gehören beispielsweise Interessen, bevorzugte Arbeitsweisen oder wiederkehrende Projekte.
In den Einstellungen unter «Personalisierung» und «Memory» lässt sich eine Zusammenfassung dieser Erinnerungen einsehen und bearbeiten. Diese Übersicht ist allerdings kein vollständiges Datenverzeichnis. Auch der aktuelle Chat, individuelle Anweisungen und weitere verfügbare Quellen können eine Antwort beeinflussen.
Eine Antwort auf «Was weisst du über mich?» zeigt deshalb vor allem, welches Bild ChatGPT im jeweiligen Moment konstruiert.
Einfache Prompts zum Ausprobieren
Diese Fragen liefern einen ersten Einblick:
- «Welche Informationen über mich berücksichtigst du bei deiner Antwort?»
- «Welche Annahmen hast du über mich? Kennzeichne deutlich, was du weisst und was du lediglich vermutest.»
- «Welche Themen kommen in unseren Gesprächen besonders häufig vor?»
- «Wie würdest du meinen Schreibstil beschreiben? Nenne konkrete sprachliche Merkmale.»
- «Welche deiner Aussagen über mich sind unsicher oder könnten falsch sein?»
Die letzte Frage ist besonders nützlich. Sie zwingt das System, die eigenen Aussagen wenigstens sprachlich nach ihrer Sicherheit zu unterscheiden.

Erweiterte Prompts für genauere Antworten
Persönliche Informationen und Präferenzen
- «Fasse die wichtigsten Informationen zusammen, die du über meine Interessen, meinen Hintergrund und meine bevorzugte Arbeitsweise verwendest. Trenne ausdrücklich zwischen gespeicherten Angaben, Beobachtungen und Vermutungen.»
Wiederkehrende Themen
- «Welche Themen haben wir besonders häufig behandelt? Nenne zu jedem Thema ein konkretes Beispiel. Falls dir die Grundlage für ein Beispiel fehlt, sage das offen.»
Lernen und Entwicklung
- «Bei welchen Themen hat sich meine Fragestellung oder Argumentation im Verlauf unserer Gespräche verändert? Nenne Beobachtungen und mögliche Gegenbeispiele.»
Die verführerische «Tiefenanalyse»
ChatGPT kann aus Gesprächen ein ausführliches Persönlichkeitsprofil formulieren. Das Ergebnis klingt häufig erstaunlich präzise. Sprachliche Sicherheit ist jedoch kein Beweis. Die KI erkennt weder das Unbewusste noch erstellt sie eine psychologische Diagnose. Sie formuliert Deutungen aus dem Material, das ihr zur Verfügung steht.
Wer solche Deutungen ausprobieren möchte, sollte den Auftrag deshalb enger und kritischer formulieren:
«Untersuche anhand der Informationen, die dir über mich zur Verfügung stehen, mögliche Muster in meiner Denk- und Arbeitsweise. Trenne deine Antwort in drei Bereiche: belegbare Beobachtungen, plausible Deutungen und reine Vermutungen. Nenne zu jeder Deutung mindestens eine alternative Erklärung oder ein mögliches Gegenbeispiel. Formuliere keine psychologische Diagnose und keine Vorhersage meiner persönlichen Entwicklung.»
Damit wird aus dem digitalen Orakel ein brauchbarer Gesprächspartner. Die Antwort bleibt eine Hypothese, die geprüft, ergänzt oder verworfen werden kann.
Memory prüfen und verwalten
Die aktuellen Einstellungen finden Sie in ChatGPT üblicherweise unter «Einstellungen», «Personalisierung» und «Memory». Bezeichnungen und verfügbare Funktionen können je nach Konto oder Arbeitsbereich leicht abweichen.
- Öffnen Sie die ChatGPT-Einstellungen.
- Wählen Sie «Personalisierung» und anschliessend «Memory».
- Prüfen Sie die Memory-Zusammenfassung und korrigieren oder entfernen Sie falsche Angaben.
- Fragen Sie ChatGPT direkt: «Welche Informationen erinnerst du über mich?»
- Schalten Sie die Funktion aus, wenn frühere Informationen nicht zur Personalisierung neuer Antworten verwendet werden sollen.
Wichtig: Das Ausschalten von Memory löscht frühere Chats und gespeicherte Quellen nicht automatisch. Wer eine Information vollständig entfernen will, muss auch die betreffenden Chats, archivierten Gespräche, Dateien und gegebenenfalls verbundene Anwendungen prüfen.
Die Einstellung «Das Modell für alle verbessern» befindet sich unter den Datenkontrollen. Sie regelt, ob Gespräche zur Verbesserung der Modelle verwendet werden dürfen. Diese Einstellung ist von der Personalisierung getrennt.
Für ein Gespräch ohne neue Erinnerungen eignet sich ein nicht personalisierter temporärer Chat. Solche Unterhaltungen erscheinen grundsätzlich nicht im Chatverlauf, erzeugen keine neuen Erinnerungen und werden nicht zur Verbesserung der Modelle verwendet. Aus Sicherheitsgründen kann eine Kopie vorübergehend gespeichert bleiben.
Was der Blick in den KI-Spiegel bringt
Die Fragen können sichtbar machen, welche Themen, Vorlieben und Arbeitsmuster ChatGPT aus Ihren Gesprächen ableitet. Interessant wird es dort, wo das System zwischen Beobachtung und Vermutung unterscheiden muss.
Selbsterkenntnis liefert die KI damit noch keine. Sie zeigt, welches sprachliche Modell sie von Ihnen gebaut hat. Auch ein schiefer Spiegel kann aufschlussreich sein – solange man ihn nicht mit einem Röntgengerät verwechselt.

Vier Prompts für die Praxis
| Prompt | Wozu? | Prüfregel |
|---|---|---|
| Welche Annahmen hast du über mich? | Vermutungen und mögliche blinde Flecken sichtbar machen | Belege, Unsicherheiten und Gegenbeispiele verlangen |
| Was haben wir in unseren Gesprächen offengelassen? | Offene Fragen und unerledigte Themen sammeln | Die Liste mit den tatsächlichen Projekten abgleichen |
| Wo widerspreche ich mir möglicherweise? | Spannungen in Argumenten oder Entscheidungen erkennen | Alternative Erklärungen verlangen |
| Worin bin ich nachweislich besonders gut? | Wiederkehrende Stärken und Arbeitsweisen benennen | Zu jeder Aussage ein konkretes Beispiel verlangen |
Mein ursprünglicher Text wurde durch diesen Newsletter der AINAUTEN angeregt.
Aktuelle Informationen: OpenAI: Memory FAQ, OpenAI: Data Controls, OpenAI: Temporary Chat und OpenAI: Wie verlässlich ist ChatGPT?
Aktualisiert im September 2026. ChatGPT wird laufend verändert; einzelne Bezeichnungen und Funktionen können sich erneut ändern.



