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Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

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#takefive Liste mit Listen über die Beatles

#takefive Liste mit Listen über die Beatles

Manchmal genügt ein einziger Tag, um zu verstehen, wie eingespielt die Beatles 1964 bereits waren. Am Sonntag, 1. März, gingen sie in die EMI Studios an der Abbey Road – und verliessen sie dreieinhalb Stunden später mit drei fertigen Songs.

Die Session dauerte von 10.00 bis 13.30 Uhr. Zuerst nahmen die Beatles «I’m Happy Just to Dance with You» auf, eine Lennon/McCartney-Komposition, die für George Harrison geschrieben worden war. Vier Takes wurden benötigt.

Danach folgte «I Call Your Name». John Lennon hatte das Stück bereits Jahre zuvor begonnen; Billy J. Kramer & The Dakotas hatten es 1963 sogar schon veröffentlicht. Die Beatles brauchten sieben Takes und ergänzten später unter anderem einen zweiten Lennon-Gesang und Ringo Starrs Cowbell.

Und dann «Long Tall Sally». Little Richards Rock’n’Roll-Klassiker gehörte seit Jahren zu ihrem Live-Repertoire. Entsprechend war die Sache schnell erledigt: Paul McCartney schrie sich durch den Song, George Martin spielte Klavier – und nach einem einzigen Take war die Aufnahme im Kasten.

Die ganze Session ist bei der Beatles Bible minutiös dokumentiert.

Grund genug für ein #takefive: fünf Wege, sich für eine Weile im Beatles-Kosmos zu verlieren.

1) Alle Songs – und plötzlich sind es sehr viele

Wer meint, die Beatles-Diskografie ungefähr zu kennen, sollte einmal eine vollständige Songliste durchgehen. Neben den regulären Album- und Singletracks tauchen dort BBC-Aufnahmen, frühe Stücke, unveröffentlichte Songs und Fremdkompositionen auf. Die Beatles Bible bietet eine alphabetische Liste mit Komponistenangaben und weiterführenden Seiten zu praktisch jedem Stück.

Die komplette A–Z-Liste der Beatles-Songs
https://www.beatlesbible.com/songs/

2) Wer steckt hinter den Songs?

Die Beatles schrieben keineswegs nur über erfundene Figuren. Oft stehen reale Menschen, Begegnungen oder Erinnerungen hinter den Songs – allerdings nicht immer so eindeutig, wie spätere Legenden behaupten.

  • «Hey Jude» begann als «Hey Jules»: Paul McCartney wollte John Lennons Sohn Julian während der Trennung seiner Eltern aufmuntern.
  • «Julia» gilt John Lennons früh verstorbener Mutter; zugleich enthält der Text Anspielungen auf Yoko Ono.
  • «Martha My Dear» trägt den Namen von McCartneys Old-English-Sheepdog Martha – der Song selbst handelt allerdings nicht schlicht vom Hund.
  • «Blackbird» verband McCartney später ausdrücklich mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und dem Kampf schwarzer Frauen um Gleichberechtigung.
  • «Lucy in the Sky with Diamonds» geht laut Lennon auf eine Zeichnung seines Sohnes Julian zurück, die dessen Schulfreundin Lucy zeigte.
  • «Dear Prudence» entstand für Prudence Farrow, die sich während des Indien-Aufenthalts der Beatles beim Meditieren weitgehend zurückgezogen hatte.
  • «Sexy Sadie» war ursprünglich eine deutlich direktere Abrechnung Lennons mit Maharishi Mahesh Yogi; der Name wurde erst später geändert.

Eine der besten Begleitungen durch das Gesamtwerk bleibt Ian MacDonalds «Revolution in the Head: The Beatles’ Records and the Sixties». MacDonald geht Aufnahme für Aufnahme durch und verbindet Musik, Studiotechnik, Biografie und Zeitgeschichte.

Revolution in the Head beim Verlag
https://www.chicagoreviewpress.com/revolution-in-the-head-products-9781556527333.php

3) Anna, Prudence, Mr. Kite und Dr. Robert

Noch schöner wird es, wenn man nur auf die Namen achtet. In Beatles-Songs bevölkern reale und erfundene Figuren eine erstaunliche Parallelwelt: Eleanor Rigby, Father McKenzie, Desmond und Molly Jones, Rocky Raccoon, Prudence Farrow, Mr. Kite, Sexy Sadie, Dr. Robert, Polythene Pam – bis hin zu Mao, Edgar Allan Poe und Harold Wilson.

Ein Fanprojekt hat versucht, diese Figuren vollständig zu sammeln und nach real, fiktiv und unklar zu sortieren. Nicht jede Zuordnung ist unumstritten, aber als Kaninchenloch funktioniert die Liste hervorragend.

Die Personen und Figuren in Beatles-Songs
https://beatles.fandom.com/wiki/List_of_characters_in_The_Beatles_songs

4) Fernsehen: Als Amerika zusah

Am 9. Februar 1964 traten die Beatles zum ersten Mal live in der Ed Sullivan Show auf. Rund 73 Millionen Menschen sollen zugesehen haben. Eine Woche später folgte der zweite Live-Auftritt, diesmal aus dem Deauville Hotel in Miami Beach. Sie spielten sechs Songs: «She Loves You», «This Boy», «All My Loving», «I Saw Her Standing There», «From Me To You» und «I Want To Hold Your Hand».

Die Beatles Bible rekonstruiert beide Abende mit Setlisten, Hintergründen und zeitgenössischem Material:

Und hier ein offizieller Ausschnitt aus dem Beatles-Archiv:

5) Dokumentarfilme: Und dann kam «Get Back»

Über die Beatles sind unzählige Dokumentarfilme entstanden. Einige davon hatte ich bereits früher in einer eigenen #takefive-Liste gesammelt:

5 Dokumentarfilme über die Beatles
https://www.ralu.ch/5x-dokumentarfilm-ueber-beatles/

Heute müsste ich diese Liste allerdings um einen übermächtigen Eintrag ergänzen: Peter Jacksons «The Beatles: Get Back». Aus fast 60 Stunden restauriertem Filmmaterial und mehr als 150 Stunden Tonaufnahmen entstand keine nostalgische Heldenverehrung, sondern etwas viel Interessanteres: Man sieht vier Menschen bei der Arbeit. Sie langweilen sich, streiten, albern herum, zweifeln – und schreiben zwischendurch einige der berühmtesten Songs der Popgeschichte.

Für mich ist «Get Back» deshalb wahrscheinlich das beste Beatles-Dokument überhaupt. Nicht weil es den Mythos vergrössert, sondern weil es ihn für beinahe acht Stunden beiseiteschiebt.

Und wer noch tiefer hineinwill: Mein ausführlicher «A Young Person’s Guide to The Beatles» führt weiter durch den Kosmos der Fab Four.