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Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

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Der 1. April und seine/keine Scherze

Der 1. April und seine/keine Scherze
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Es waren Aprilscherze mit einem kleinen Konstruktionsfehler: Sie fanden tatsächlich statt. Ich erinnere mich an eine Zeit, in der Radio Basilisk solche Aktionen mit bemerkenswertem Aufwand inszenierte – und ein Teil des Vergnügens darin bestand, dass das Publikum zunächst gerade deshalb nicht glaubte, was im Radio erzählt wurde.

«Das Basler Radio ist Spezialist in Sachen Scherze», heisst es im Inhaltsverzeichnis der Festschrift «Radio Basilisk 10 Joor – 1983–1993», die zum zehnjährigen Bestehen des Senders erschien.

Zumindest für die ersten Jahre von Radio Basilisk dürfte das gestimmt haben. Wobei der eigentliche Witz der Aprilscherze darin bestand, dass sie eben keine waren. Was am 1. April angekündigt wurde, geschah tatsächlich.

1984: Skirennen am Spalenberg

Legendär wurde das Skirennen vom 1. April 1984. Mitten im Frühling berichteten die Radioreporter, am Nachmittag werde am Spalenberg ein Skirennen stattfinden. Wer Basel kennt, konnte die Sache getrost als Aprilscherz abhaken. Es lag weit und breit kein Schnee.

Nur: Das Rennen fand statt.

Schnee wurde nach Basel geschafft und auf dem Spalenberg zu einer Piste präpariert. Und nicht irgendwelche Skifahrer standen am Start: Bernhard Russi und Andreas «Andy» Wenzel fuhren einen Schauslalom mitten durch die Altstadt.

Meine Erinnerung trügt mich also nicht. Auch der Ski-Club Basel führt das Rennen heute in seiner Vereinsgeschichte auf: Am 1. April 1984 habe man gemeinsam mit Radio Basilisk den Schauslalom mit Russi und Wenzel organisiert.

Die Geschichte hat sich erstaunlich gut gehalten. Als im November 2024 tatsächlich Schnee auf Basel fiel und einige Leute den Spalenberg wieder mit Ski und Snowboard hinunterfuhren, erinnerte Nau.ch ausdrücklich an Russis Fahrt von 1984. Vierzig Jahre später war aus dem Radiogag ein Stück Basler Stadtfolklore geworden.

1985: Die weisse Mittlere Brücke

Der 1. April 1985 brachte die nächste grössere Inszenierung: die «Weisse Mittlere Brücke».

Radio Basilisk meldete, die Mittlere Brücke sei schmutzig und zu einem Schandfleck geworden. Also werde sie weiss gestrichen.

Auch diesmal hätte man die Meldung bequem als Aprilscherz abtun können. Bis man zur Brücke ging.

Dort wurde tatsächlich gearbeitet. Eine Seite der Brücke, einschliesslich des Käppelijochs, erhielt einen weissen Anstrich. Verwendet wurde eine abwaschbare Farbe, die von der Basler Feuerwehr noch am selben Tag wieder entfernt wurde.

Die Aktion lieferte zuverlässig das, was Radioaktionen damals noch auslösen konnten: Leute kamen vorbei, Politiker empörten sich, Leserbriefe wurden geschrieben. Besonders gern fiel dabei das schöne schweizerische Wort «Sauglattismus» – für Humor, den man für etwas zu bemüht hielt.

Kurios war die Fortsetzung. Wenig später wurde die Mittlere Brücke tatsächlich umfassend renoviert. Ob Basilisk damit irgendetwas ausgelöst hatte oder bloss zufällig kurz vor den ohnehin geplanten Arbeiten gekommen war, lässt sich aus den heute zugänglichen Quellen nicht zuverlässig klären.

Eine Zeitung für einen Tag

Zu den Aktionen jener Jahre gehörten auch die «Neuen Basler Nachrichten»: eine richtige Tageszeitung für einen einzigen Tag.

Das war kein zusammenkopiertes Spassblatt. Redaktionsmitglieder produzierten eine aktuelle Zeitung, die morgens an den Kiosken auftauchte. Genau darin lag wieder der typische Basilisk-Witz: Die absurde Ankündigung wurde mit erheblichem Aufwand realisiert.

Heute wäre eine Radiostation, die für einen Aprilscherz gleich noch eine Tageszeitung produziert und verteilt, vermutlich Gegenstand einer Kostenanalyse. Damals gehörte der Aufwand zur Pointe.

Radio 24 übernimmt Basilisk. Vorerst nur am 1. April.

Ein anderes Mal hiess es, Radio Basilisk sei von Radio 24 übernommen worden. Zürcher Stimmen nahmen plötzlich in Basel das Telefon ab, Basler Radiomacher sendeten in Zürich und umgekehrt.

Das sorgte bei Teilen des Publikums für einen veritablen Schock. Auch dieser Scherz bekam später eine unerwartete Pointe.

Am 28. Mai 2002 wurde bekannt, dass die Zürcher Tamedia Radio Basilisk tatsächlich kaufte – für 23,75 Millionen Franken. Zum Konzern gehörte damals bereits Radio 24. OnlineReports berichtete noch am selben Tag über die Übernahme.

Was irgendwann als ziemlich unwahrscheinlicher Aprilscherz funktioniert hatte, war plötzlich Geschäftspolitik.

Ein junges Radio, das auffallen wollte

Vielleicht muss man diese Aktionen aus ihrer Zeit heraus verstehen. Radio Basilisk war erst am 1. November 1983 gestartet. Privatradio war neu, die Konkurrenz um Aufmerksamkeit gross und vieles noch nicht in Formate, Markenhandbücher und Marketingprozesse gegossen.

Beim 30-Jahr-Jubiläum 2013 erinnerte das Medienmagazin m&k an den Sendestart: Basilisk sendete zunächst aus der Rittergasse 33 und zog erst 1984 an den Fischmarkt. Zum Jubiläum wurden sogar die alten Jingles und Elemente des damaligen Programms wieder hervorgeholt.

Die Aprilscherze passen in diese frühe Phase. Sie waren Radio, Strassentheater und Öffentlichkeitsarbeit gleichzeitig. Vor allem aber funktionierten sie nach einem Prinzip, das mit jedem Jahr schwieriger zu wiederholen gewesen wäre: Das Publikum wusste, dass am 1. April gelogen wird. Basilisk erzählte deshalb die Wahrheit – und wurde gerade deswegen nicht geglaubt.

Falls jemand noch eigene Fotos vom Skirennen am Spalenberg, von der weissen Mittleren Brücke oder von den «Neuen Basler Nachrichten» besitzt: Ich würde sie weiterhin sehr gerne sehen.

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