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Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

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Basilisk Brunnen

Basel und seine Basilisk Brunnen

Basel hat sich ein Monster zum Wappenhalter gemacht. Es bewacht Brücken, speit Trinkwasser und soll einst in einem dunklen Brunnen am Gerberberglein gewohnt haben.

Der Basilisk gehört zu Basel wie der Rhein und der Bischofsstab. Man begegnet ihm an Fassaden, auf Münzen, an der Wettsteinbrücke und vor allem an den kleinen gusseisernen Brunnen, die über die Stadt verteilt stehen. Dort wirkt das Untier erstaunlich dienstbar: Es trägt das Basler Wappen und spendet Wasser.

Basler Basiliskenbrunnen mit Wappenschild und rundem Gusseisenbecken
Der Basiliskenbrunnen: Wappenhalter, Trinkwasserstelle und Stadtmöbel in einem.

Vom tödlichen Blick zum Basler Wappenhalter

Der Basilisk ist viel älter als seine Basler Karriere. In antiken und mittelalterlichen Überlieferungen gilt er als «König der Schlangen». Sein Name leitet sich vom griechischen Wort für «kleiner König» ab. Spätere Darstellungen machten aus ihm ein Mischwesen: Hahn, Schlange, Drache und Krone wurden zu einem Tier zusammengesetzt. Sein Blick sollte töten, sein Atem vergiften.

In Basel verlor das Untier einen Teil seiner Gefährlichkeit und erhielt eine öffentliche Aufgabe. Die früheste bekannte Darstellung als Halter des Basler Wappens stammt aus dem Jahr 1448. Die lautliche Nähe zwischen «Basel» und «Basilisk» begünstigte eine populäre Deutung, nach der die Stadt ihren Namen vom Fabelwesen erhalten habe. Sprachgeschichtlich trägt diese Erklärung nicht. Als Sage war sie erfolgreicher.

Fakt und Legende: Der Basilisk wurde im 15. Jahrhundert zum Basler Wappenhalter. Die Behauptung, Basel sei nach dem Untier benannt, gehört zur volkstümlichen Überlieferung. Der Stadtname ist bereits in römischer Zeit als «Basilia» belegt.

Ein Brunnen für die moderne Stadt

Der bekannte Basiliskenbrunnen entstand aus einem sehr praktischen Problem. Basel wuchs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über seine alten Mauern hinaus. Gleichzeitig wurde die Wasserversorgung ausgebaut. Das 1865/66 eingerichtete Leitungsnetz und das 1882 in Betrieb genommene Pumpwerk in den Langen Erlen brachten Wasser in immer mehr Häuser und Quartiere.

Die alten Brunnen mit ihren grossen Trögen hatten zuvor Haushalte und Tiere versorgt. Im dichter werdenden Verkehr standen sie zunehmend im Weg. Basel brauchte kleinere Trinkwasserstellen. Ein schlichtes Brunnenmodell von 1883 erfüllte seinen Zweck, überzeugte die Stadt jedoch gestalterisch kaum. Öffentliche Brunnen sollten weiterhin etwas darstellen.

1884 schrieb Basel deshalb einen Wettbewerb für einen neuen Trottoirbrunnen aus. Es gewann der Architekt Wilhelm Bubeck. Er leitete damals das Gewerbemuseum sowie die Zeichen- und Modellierschule. Erst 1886 wurde er Direktor der neu gegründeten Allgemeinen Gewerbeschule.

Bubeck verband Funktion und Stadtsymbol. Auf einer schlanken, urnenförmigen Säule sitzt ein bronzener Basilisk mit dem Basler Wappenschild. Aus seinem Schnabel fliesst Wasser in ein rundes, ornamentiertes Becken aus Gusseisen. Am Sockel befindet sich eine kleine muschelförmige Tränke für Hunde und andere Tiere.

Gegossen wurden die Brunnen in den Ludwig von Roll’schen Eisenwerken in der Klus bei Balsthal. Die ersten beiden Exemplare stellte die Stadt 1892 auf dem Marktplatz auf. Bubeck erlebte diesen Erfolg nicht mehr. Er starb am 14. Juni 1891 beim Eisenbahnunglück von Münchenstein.

  • 1865/66: Basel nimmt ein modernes Leitungsnetz mit Wasser aus Grellingen in Betrieb.
  • 1882: Das Pumpwerk Lange Erlen erweitert die Versorgung.
  • 1884: Wilhelm Bubeck gewinnt den Wettbewerb für den neuen Trottoirbrunnen.
  • 1892: Die ersten beiden Basiliskenbrunnen werden auf dem Marktplatz aufgestellt.
  • 2003: Eine dokumentierte Bestandsaufnahme zählt 28 Standorte im Kanton Basel-Stadt.

Basler Exportartikel

Wie viele Basiliskenbrunnen heute genau auf öffentlichem und privatem Grund stehen, hängt von Zählweise und Zeitpunkt ab. Die oft genannte Zahl von 28 bezeichnet einen dokumentierten Stand aus dem Frühjahr 2003. Sicher ist: Das Modell wurde über Jahrzehnte immer wieder aufgestellt, versetzt und verschenkt.

Basler Basilisken sprudeln deshalb auch ausserhalb der Stadt. Exemplare gelangten unter anderem nach Zürich, Anwil, Huningue, Neuenburg am Rhein, Wien und Schanghai. Das lokale Fabeltier wurde zu einem diplomatischen Stadtmöbel. Es reist besser als sein Ruf.

Basiliskendarstellung und Brunneninschrift am Gerberberglein in Basel
Am Gerberberglein führt die Spur vom Stadtwappen zurück zur Sage.

Der angebliche Wohnort: das Gerberloch

Der sagenhafte Wohnort des Basler Monsters liegt nicht unter einem der Bubeck-Brunnen. Er befindet sich beim älteren Gerberbrunnen am Gerberberglein, nahe der Gerbergasse 48. Der Brunnen liegt heute in einer Mauernische und lässt sich leicht übersehen. Seine Geschichte reicht weit ins Mittelalter zurück.

Eine urkundlich greifbare Nennung stammt aus dem Jahr 1290: Ein Haus lag damals an einem Ort, der als «ze Richtbrunnen» bezeichnet wurde. Der Name führte später zur Vermutung, beim Brunnen habe das Stift St. Leonhard Gericht gehalten. Belegt ist diese Gerichtsstätte bisher nicht.

Der zweite Name lässt sich besser erklären. Gegenüber lag das Zunfthaus der Gerber, und bereits im späten 13. Jahrhundert ist dort eine Gerberlaube nachweisbar. Die Handwerker brauchten viel Wasser, um Tierhäute zu reinigen und zu bearbeiten. Das Abwasser floss durch eine unterirdische Dole in den nahen Birsig. Der Lochbrunnen wurde deshalb zum Gerberloch und schliesslich zum Gerberbrunnen.

Detail am historischen Gerberbrunnen in Basel
Inschrift am Gerberbrunnen in Basel

Wie das Untier in den Brunnen kam

Die Legende ist seit 1476 schriftlich fassbar. Im sogenannten Roten Buch wird berichtet, es gebe Leute, die den Namen Basel von einem Basilisken ableiteten, der in diesem Brunnen getötet worden sei. Johannes Stumpff verbreitete die Geschichte 1547/48 in seiner Chronik weiter: Bei der Gründung der Stadt habe man im Gerberbrunnen einen Basilisken gefunden.

Damit hatte das Monster einen Wohnort. Historisch beweisen lässt er sich selbstverständlich nicht. Die Sage verbindet jedoch drei Dinge, die für das alte Basel tatsächlich wichtig waren: Wasser, Handwerk und städtische Identität.

Der Brunnen versorgte wahrscheinlich auch die benachbarte Badstube im Haus Gerbergasse 48. Sie ist seit dem späten 15. Jahrhundert belegt und trug den Namen «zum Neuen Bad». Eine 1993 untersuchte Brunnstube hinter der Nischenmauer zeigte am Türsturz die Jahreszahl 1638. Nach der Untersuchung wurde sie mit Sand aufgefüllt und ist heute nicht zugänglich.

Darstellung eines Basler Basilisken mit ausgebreiteten Flügeln
Vom tödlichen Fabelwesen zum dauerpräsenten Basler Wappenhalter.

Ein Brunnen, den das Quartier rettete

Mit dem modernen Leitungsnetz verloren die alten Quellbrunnen ihre Funktion. Ihr Wasser war kühl und klar, hygienisch jedoch oft problematisch. 1873 beschloss der Regierungsrat, den Gerberbrunnen im Zuge der Umgestaltung der Gerbergasse zuzuschütten.

Die Nachbarschaft wehrte sich. 87 Personen verlangten in einer Petition den Erhalt des Brunnens. Nach einem Gutachten wurde der Aufhebungsbeschluss 1876 widerrufen. Der Brunnen blieb und wurde 1878 leicht verändert.

Beim Umbau einer angrenzenden Liegenschaft musste er 1925 erneut weichen. Diesmal blieb die Brunnstätte erhalten: Der Brunnen wurde versetzt, 1927 neu gestaltet und an das Druckwassernetz angeschlossen. Das alte Quellwasser floss fortan direkt in die Kanalisation.

Der heutige Gerberbrunnen ist damit ein Denkmal für einen älteren Brunnen. Die Inschrift des Basler Juristen und Historikers Paul Siegfried hält dessen Geschichte fest:

In dieses Brunnens dunklem Grund
haust’ einst – die Sage tut’s uns kund –
der Basilisk, ein Untier wild.
Heut hält er Basels Wappenschild.
Drauf ward hier ein Gericht gehegt,
auch Tanz und Minnesang gepflegt.
Vom Zunfthaus, das beim Quell dann stand,
ward Gerberbrunnen er genannt.
Nachdem versiegt er manches Jahr,
strömt heut’ er wieder voll und klar.
Kein Drach’ mehr sinnt in ihm auf Mord,
doch lebt ein andrer Drache fort.
O Basel, mach von ihm dich frei:
Der Zwietracht tritt den Kopf entzwei!

Basilisk als Basler Stadtzeichen

Der Basilisk wohnt heute also an zwei Orten. Sichtbar sitzt er auf Brunnen, Brücken und Wappen. Unsichtbar haust er weiterhin im Gerberloch. Eine Stadt hält sich ihre Monster dort, wo sie Wasser geben.