Rainer Luginbühl

Rainer Luginbühl

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KI im Unternehmen bedeutet heute weit mehr, als Texte mit ChatGPT schreiben zu lassen. Sie kann recherchieren, Dokumente analysieren, Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenführen, Prozesse strukturieren und wiederkehrende Aufgaben unterstützen oder teilweise automatisieren.

Die erste Fassung dieser Seite war vor allem eine Sammlung von Prompts. Das war damals sinnvoll. Inzwischen hat sich die Frage verschoben: Welche Aufgaben eignen sich für KI, welche Daten braucht sie dafür, wie wird das Ergebnis geprüft – und wo bleibt der Mensch verantwortlich?

Diese Seite ist deshalb neu geordnet. Sie führt von den ersten sinnvollen Anwendungen über Strategie, Marketing und Organisation bis zu Risiko, Personal und KI-Richtlinien. Die ausführlichen Beiträge und Prompts bleiben verlinkt.

Stand: August 2026. KI-Werkzeuge verändern sich schnell. Entscheidend sind deshalb weniger einzelne Produktfunktionen als saubere Arbeitsabläufe, gute Quellen und klare Verantwortung.

Schnellstart: Wo kann KI in meinem Unternehmen helfen?

Wer einfach anfangen möchte, braucht keinen 40-zeiligen Mega-Prompt. Dieser Einstieg reicht:

Ich arbeite als [Funktion] in einem Unternehmen aus der Branche [Branche]. Unsere wichtigsten Aufgaben sind [Aufgaben].

Stelle mir zuerst fünf gezielte Fragen zu meinen Arbeitsabläufen, Problemen, Datenquellen und Zielen.

Zeige mir danach fünf konkrete Einsatzmöglichkeiten für KI. Bewerte jede nach Nutzen, Aufwand und Risiko. Nenne zusätzlich, welche Informationen die KI benötigt und welche Ergebnisse zwingend von einem Menschen geprüft werden sollten.

Schlage anschliessend einen realistischen Pilotversuch für die nächsten 30 Tage vor.

Der entscheidende Unterschied steckt in einem Satz: Die KI soll zuerst fragen. Wer ihr zu wenig Kontext gibt, bekommt oft beeindruckend formulierte Allgemeinplätze zurück.

Was KI im Unternehmen heute leisten kann

  • Recherche: Informationen suchen, vergleichen, zusammenfassen und Quellen auswerten.
  • Dokumentenanalyse: Berichte, Protokolle, Verträge, Tabellen oder umfangreiche Unterlagen strukturieren und untersuchen.
  • Strategie: Szenarien entwickeln, Annahmen prüfen, Gegenargumente formulieren und Entscheidungsgrundlagen erstellen.
  • Kommunikation: Texte entwerfen, überarbeiten, kürzen, übersetzen und für unterschiedliche Zielgruppen anpassen.
  • Daten: Tabellen analysieren, Muster erkennen, Berechnungen durchführen und Ergebnisse visualisieren.
  • Interne Wissensarbeit: Informationen aus verbundenen Dokumenten, Datenquellen und Apps zusammenführen.
  • Arbeitsabläufe: wiederkehrende Aufgaben standardisieren und mit agentischen Systemen teilweise automatisieren.

Damit wird KI zunehmend zu einer Arbeitsumgebung. Ein guter Prompt bleibt wichtig. Noch wichtiger werden Kontext, Quellen, Zugriffsmöglichkeiten, Regeln und Qualitätskontrolle.

1. Strategie und Geschäftsmodell

KI eignet sich gut, um Gedanken zu strukturieren, Szenarien gegeneinanderzustellen und Annahmen sichtbar zu machen. Die strategische Entscheidung bleibt beim Unternehmen.

Ein besserer Businessplan-Prompt

Hilf mir, einen Geschäftsplan für die kommenden sechs Monate zu entwickeln.

Mein Unternehmen: [Unternehmen]
Produkt oder Dienstleistung: [Angebot]
Markt: [Markt]
Zielgruppe: [Zielgruppe]

Beginne mit den Fragen, die du für eine seriöse Planung noch klären musst. Erstelle danach Ziele, Massnahmen, Ressourcenbedarf, Budgetrahmen, Risiken und messbare Erfolgskriterien.

Trenne bekannte Fakten von Annahmen. Kennzeichne Punkte, für die zusätzliche Markt- oder Finanzdaten erforderlich sind.

2. Marketing, Kommunikation und Kunden

Hier liegt weiterhin eines der grössten Einsatzfelder: Zielgruppen analysieren, Ideen entwickeln, Varianten erstellen, Texte verbessern und Kampagnen strukturieren. Gerade hier produziert KI allerdings mit bemerkenswerter Effizienz bemerkenswert viel Durchschnitt. Auswahl und Redaktion bleiben entscheidend.

3. Organisation und Arbeitsabläufe

Spannend wird KI dort, wo sie nicht bloss einzelne Texte erzeugt, sondern einen bestehenden Prozess untersucht: Wo entstehen Wartezeiten? Welche Informationen werden mehrfach erfasst? Welche Routinearbeiten lassen sich standardisieren? Wo braucht es weiterhin Erfahrung oder Entscheidungskompetenz?

Prompt für eine Prozessanalyse

Analysiere folgenden Arbeitsablauf: [Prozess beschreiben].

Stelle zuerst Rückfragen, bis du Ablauf, Beteiligte, Systeme, Eingaben und gewünschtes Ergebnis verstanden hast.

Identifiziere danach Engpässe, Doppelarbeit, unnötige Übergaben und Routinetätigkeiten. Unterscheide zwischen:

  • Aufgaben, die Menschen erledigen sollten,
  • Aufgaben, bei denen KI unterstützen kann,
  • Aufgaben, die sich weitgehend automatisieren lassen.

Schlage einen verbesserten Ablauf vor und nenne Risiken sowie notwendige Kontrollpunkte.

4. Finanzen, Technologie und Risiken

Je näher KI an Geld, personenbezogene Daten, Verträge, Sicherheit oder operative Entscheidungen kommt, desto wichtiger werden überprüfbare Quellen und klare Zuständigkeiten. Ein plausibel klingendes Ergebnis ist noch keine belastbare Entscheidungsgrundlage.

5. Menschen, Führung und Personal

KI verändert Aufgabenprofile. Damit werden Personalentwicklung und Weiterbildung wichtiger. Wer KI produktiv einsetzen soll, braucht Fachwissen, Urteilskraft und die Fähigkeit, Ergebnisse zu prüfen. Bedienkompetenz allein reicht nicht.

6. Datenschutz, Verantwortung und KI-Richtlinien

Spätestens wenn Mitarbeitende KI regelmässig einsetzen, braucht ein Unternehmen Regeln. Welche Informationen dürfen eingegeben werden? Welche Systeme sind zugelassen? Welche Ergebnisse müssen überprüft werden? Wie werden KI-generierte Inhalte gekennzeichnet? Wer trägt die Verantwortung?

Für ChatGPT Business und Enterprise gilt aktuell, dass Geschäftsdaten standardmässig nicht zum Training der Modelle verwendet werden. Das ersetzt keine eigene Datenschutz-, Sicherheits- oder Compliance-Prüfung. Entscheidend sind der verwendete Tarif, die angeschlossenen Datenquellen, Berechtigungen und die internen Vorgaben des Unternehmens.

7. Strategische Methoden mit KI nutzen

SWOT, Porter, Ansoff, Szenarioplanung, Design Thinking oder Kanban sind keine KI-Methoden. KI kann jedoch helfen, die passende Methode auszuwählen, Informationen zu strukturieren und blinde Flecken aufzudecken.

Statt für jede Methode einen eigenen Prompt zu speichern, lässt sich die Auswahl gleich der KI übertragen:

Ich möchte folgendes Problem untersuchen oder folgende Entscheidung treffen: [Problem].

Prüfe, welche etablierte Analyse- oder Entscheidungsmethode dafür geeignet ist. Berücksichtige unter anderem SWOT, Porters Five Forces, Ansoff-Matrix, BCG-Matrix, Szenarioplanung, Design Thinking, Double Diamond, Eisenhower-Matrix, Kanban, Critical Path, Kraftfeldanalyse und andere passende Methoden.

Wähle höchstens zwei Methoden und begründe die Wahl. Stelle mir danach die Informationen ab, die du für eine seriöse Anwendung benötigst. Führe die Analyse erst anschliessend durch.

Zeige zum Schluss Grenzen der Methode, unsichere Annahmen und mögliche Gegenargumente.

Die zehn Fragen, die vor jeder Strategie stehen

  1. Wo wollen wir in drei Jahren stehen?
  2. Welche Marktchancen und Bedürfnisse sind dafür relevant?
  3. Welche Zielgruppen können wir tatsächlich gut bedienen?
  4. Warum sind wir besser geeignet als andere Anbieter?
  5. Welche konkreten Massnahmen erhöhen unsere Erfolgschancen?
  6. Welche Risiken müssen wir reduzieren?
  7. Unter welchen Umständen würden wir unsere Strategie überdenken?
  8. Welche Ablenkungen und Nebenprojekte sollten wir vermeiden?
  9. Welche Ressourcen, Kompetenzen und Unterstützung benötigen wir?
  10. Woran erkennen wir messbar, dass wir vorankommen?

Auch daraus lässt sich ein brauchbarer KI-Dialog machen: ChatGPT stellt die Fragen einzeln, hakt bei unklaren Antworten nach und fasst erst am Ende die Strategie zusammen. Das ist meist ergiebiger, als sich sofort einen fertigen «Strategieplan» ausgeben zu lassen.

Prompts: weniger sammeln, besser bauen

Eine riesige Bibliothek mit hundert fertigen Prompts sieht eindrucksvoll aus und altert schnell. In der Praxis sind einige Grundprinzipien nützlicher:

  • Kontext: Was muss die KI über Aufgabe, Unternehmen und Situation wissen?
  • Ziel: Was genau soll am Ende vorliegen?
  • Quellen: Auf welche Informationen darf oder soll sie sich stützen?
  • Rückfragen: Welche Informationen fehlen noch?
  • Kriterien: Woran erkennt man ein gutes Ergebnis?
  • Format: Wie soll die Antwort strukturiert sein?
  • Prüfung: Welche Annahmen, Unsicherheiten und Quellen müssen sichtbar werden?

Wer tiefer einsteigen möchte:

Vom Werkzeug zum Arbeitsprozess

Die interessante Frage lautet 2026 kaum noch: «Was kann ich ChatGPT fragen?»

Interessanter ist: Welche Arbeit möchte ich besser machen?

Danach folgen die entscheidenden Fragen fast von selbst: Welche Informationen braucht die KI? Welche Quellen sind verlässlich? Was lässt sich standardisieren? Was muss ein Mensch entscheiden? Und wie überprüfen wir, ob das Ergebnis tatsächlich besser ist?

Genau dort beginnt der produktive Einsatz von KI im Unternehmen.