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Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

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PromptMastery

Meister der Fragen: Ihr Wegweiser zu erfolgreichem Prompt Mastery und Prompt Engineering

Früher habe ich Prompts gesammelt wie kleine Programme: möglichst genau formuliert, mit Rollen, Regeln und allerlei Tricks. Inzwischen sind die Modelle besser geworden. Damit hat sich auch das Prompting verändert. Die wichtigste Fähigkeit besteht weniger darin, magische Formulierungen zu kennen. Man muss wissen, was man eigentlich will.

Prompting ist einfacher geworden – und anspruchsvoller

Ein Prompt ist zunächst nur ein Arbeitsauftrag an ein KI-System. Er kann aus einem Satz bestehen, aus einem längeren Briefing, einem Bild, einer Datei oder einer ganzen Folge von Fragen und Antworten.

2024 kursierten zahllose Sammlungen mit angeblich besonders wirksamen Prompt-Formeln. Manche waren nützlich. Viele behandelten Sprachmodelle, als müsse man einen geheimen Code kennen, damit sie vernünftig arbeiten.

Bei neueren Modellen verliert diese Vorstellung an Bedeutung. Klare, natürliche und zielgerichtete Anweisungen reichen für viele Aufgaben erstaunlich weit. Auch die aktuellen Leitfäden von OpenAI, Anthropic und Google betonen vor allem Klarheit, Kontext, Beispiele, gewünschte Ergebnisse und schrittweise Verbesserung.

Ein langer Prompt ist kein guter Prompt. Ein klarer Auftrag ist ein guter Anfang.

Sechs Dinge, die ein guter Prompt klärt

1. Die Aufgabe

Was soll die KI konkret tun? Analysieren, vergleichen, recherchieren, kritisieren, formulieren, strukturieren oder Ideen entwickeln?

«Schreib etwas über KI» lässt fast alles offen. «Analysiere die drei wichtigsten Argumente dieses Textes und zeige mir die schwächste Stelle» gibt eine erkennbare Aufgabe.

2. Das Ziel

Wozu brauche ich das Ergebnis? Ein Text für Fachleute braucht etwas anderes als eine Einführung für Einsteiger. Eine interne Entscheidungsgrundlage folgt anderen Kriterien als ein LinkedIn-Post.

Das Ziel ist oft wichtiger als die genaue Formulierung des Auftrags.

3. Der Kontext

Eine KI kennt meine Situation nur so weit, wie sie im Gespräch oder im bereitgestellten Material vorhanden ist. Relevanter Kontext kann eine Zielgruppe, ein bestehender Entwurf, ein Projektstand, eine Quelle, eine Firmenregel oder eine frühere Entscheidung sein.

Dabei gilt: so viel Kontext wie nötig, so wenig Ballast wie möglich.

4. Die Kriterien

Woran erkenne ich eine gute Antwort? Soll sie faktenbasiert, knapp, verständlich, kontrovers, vollständig oder für eine bestimmte Zielgruppe geeignet sein?

Kriterien helfen stärker als vage Qualitätswörter. «Schreib einen hervorragenden Text» sagt wenig. «Maximal 500 Wörter, keine Wiederholungen, jede Tatsachenbehauptung muss überprüfbar sein» ist brauchbarer.

5. Die Form

Wenn das Ergebnis eine bestimmte Gestalt haben soll, lohnt es sich, sie zu nennen: Tabelle, fünf Stichpunkte, kurze Analyse, E-Mail, Gliederung, Pro-und-Contra-Liste oder drei deutlich unterschiedliche Varianten.

Ein Beispiel kann dabei mehr bewirken als eine halbe Seite Beschreibung.

6. Die Kontrolle

Bei Faktenfragen gehört bereits in den Auftrag, wie mit Unsicherheit umzugehen ist. Soll recherchiert werden? Welche Quellen sind erwünscht? Was soll geschehen, wenn etwas nicht überprüft werden kann?

Ein einfacher Zusatz kann viel verändern: «Wenn du etwas nicht belegen kannst, kennzeichne es als ungeprüft. Erfinde keine Quelle.»

Ein Grundmuster reicht oft

Für viele Aufgaben brauche ich keine ausgeklügelte Prompt-Architektur. Dieses Muster genügt:

Ich möchte [Ziel].

Deine Aufgabe ist [konkreter Auftrag].

Der relevante Kontext ist: [Kontext].

Arbeite mit folgendem Material: [Text, Daten, Quellen oder Dateien].

Wichtig sind mir diese Kriterien: [Kriterien].

Das Ergebnis soll folgende Form haben: [Format, Länge, Zielgruppe].

Wenn dir wesentliche Informationen fehlen, frage zuerst nach. Trenne Fakten von Interpretation und kennzeichne Unsicherheiten.

Die eckigen Klammern sind keine Pflichtfelder. Für eine einfache Aufgabe reichen zwei davon. Für eine komplexe Analyse können alle relevant sein.

Drei Beispiele: vom Befehl zum Arbeitsauftrag

Personal und Bewerbung

Schwach: «Erstelle eine Stellenanzeige für einen Projektmanager.»

Besser: «Wir suchen für ein Schweizer KMU eine Projektleiterin oder einen Projektleiter für ein fünfköpfiges digitales Team. Erstelle zuerst fünf Fragen, die du über Rolle, Verantwortung und gewünschtes Profil noch klären musst. Formuliere danach eine Stellenanzeige mit maximal 350 Wörtern. Vermeide Floskeln und Anforderungen, die sich aus der Funktion nicht begründen lassen.»

Marketing

Schwach: «Erstelle eine Social-Media-Strategie für unser Produkt.»

Besser: «Entwickle noch keine Strategie. Stelle mir zunächst nacheinander Fragen zu Produkt, Zielgruppe, bisheriger Reichweite, verfügbarem Aufwand und Geschäftsziel. Erstelle danach drei deutlich unterschiedliche Ansätze. Nenne bei jedem Ansatz auch die grösste Schwäche und eine Kennzahl, an der wir nach drei Monaten erkennen könnten, ob er funktioniert.»

Recherche

Schwach: «Was sind die Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt?»

Besser: «Untersuche, welche Auswirkungen generative KI seit 2024 auf Einstiegsaufgaben in Büroberufen hat. Konzentriere dich auf belastbare Studien und Unternehmensdaten aus Europa und den USA. Trenne beobachtete Veränderungen von Prognosen. Nenne zu jeder wichtigen Aussage die stärkste Quelle und zeige am Ende, welche Frage die vorhandenen Daten noch nicht beantworten.»

Was heute weniger bringt

  • Aufgeblasene Rollen: «Du bist der weltweit beste Marketingexperte mit 30 Jahren Erfahrung» fügt meistens weniger hinzu als konkrete Kriterien und guter Kontext.
  • Mega-Prompts ohne Grund: Mehr Anweisungen können helfen. Sie können sich aber auch widersprechen, Wichtiges verdecken und das Modell unnötig einengen.
  • Prompt-Zaubersprüche: Einzelne Wörter oder Formeln garantieren keine Qualität. Die Aufgabe und das Material sind wichtiger.
  • Alles in einem Durchgang: Recherche, Analyse, Gegenprüfung und Endfassung sind bei anspruchsvollen Aufgaben oft besser als mehrere Schritte organisiert.
  • Das erste Ergebnis akzeptieren: Eine plausible Antwort ist ein Arbeitsstand. Bei wichtigen Aufgaben folgt die Prüfung.

Prompting ist ein Dialog

Die grösste Veränderung gegenüber den ersten ChatGPT-Jahren ist für mich deshalb keine neue Prompt-Technik. Es ist die Arbeitsweise.

Ich muss den perfekten Prompt nicht mehr im ersten Versuch schreiben. Ich kann einen Arbeitsauftrag geben, die Antwort prüfen, widersprechen, Material ergänzen, eine Gegenposition verlangen und danach neu entscheiden.

Bei komplexeren Aufgaben sieht mein Ablauf häufig so aus:

  1. Problem und Ziel klären.
  2. Erste Analyse erstellen lassen.
  3. Schwachstellen und Gegenpositionen suchen.
  4. Fakten und Quellen kontrollieren.
  5. Erst dann die endgültige Fassung erstellen.

Der Prompt ist der Beginn der Arbeit. Nicht ihr Ersatz.

Wenn ich selbst nicht weiss, wie der Prompt aussehen soll

Dann lasse ich die KI beim Briefing helfen. Dieser Meta-Prompt funktioniert für sehr unterschiedliche Aufgaben:

Ich möchte KI für folgende Aufgabe einsetzen:

[Beschreibe dein Vorhaben in eigenen Worten.]

Hilf mir daraus einen guten Arbeitsauftrag zu entwickeln.

Stelle mir dazu nacheinander genau eine Frage. Frage nur nach Informationen, die das Ergebnis tatsächlich verbessern würden.

Kläre insbesondere Ziel, Kontext, vorhandenes Material, Zielgruppe, Qualitätskriterien, gewünschtes Ergebnis und notwendige Quellen oder Prüfungen.

Wenn du genügend Informationen hast, formuliere daraus einen kompakten Prompt. Erkläre danach in höchstens fünf Punkten, weshalb du ihn so aufgebaut hast.

Beginne mit der wichtigsten offenen Frage.

Prompt Mastery, neu verstanden

Der Begriff im Titel dieses Beitrags stammt aus einer Zeit, in der gutes Prompting beinahe als Spezialdisziplin erschien. Heute verstehe ich «Prompt Mastery» einfacher.

Es bedeutet, einer Maschine einen brauchbaren Arbeitsauftrag geben zu können. Dazu muss ich mein Ziel kennen, relevante Informationen auswählen, Qualität beurteilen und nachfragen können.

Das Interessante daran: Die wichtigste Kompetenz liegt damit wieder vor dem Prompt.

Wer besser fragen will, muss zuerst klarer denken.

Weiterlesen

Einfache Beispiele für praktische Dialoge mit KI:

Prompts für ChatGPT zum Einsteigen

Meine Beiträge zu Prompting, KI-Arbeitsweisen und Prompt-Entwicklung:

Alle Beiträge zum Thema Prompting

Ein ausführlicherer Leitfaden zur Entwicklung eigener Prompts:

Leitfaden für das Erstellen von Prompts

Quellen