Basel rudert gegen den Strom

Seit fast 140 Jahren wird auf dem Rhein um Sekunden, Titel und die richtige Linie gekämpft. Eine kleine Geschichte des Basler Rudersports – von den ersten Regatten bis zum BaselHead.
Ich beschäftige mich seit einiger Zeit intensiver mit dem Rhein vor meiner Haustür. Dabei stosse ich immer wieder auf Dinge, die ich zwar kannte, aber nie wirklich angeschaut hatte.
Zum Beispiel Rudern.
Natürlich habe ich die schmalen Boote gesehen. Die Einer, Zweier und Vierer oberhalb von Birsfelden. Und den BaselHead, wenn die Achter einmal im Jahr mitten durch die Stadt schiessen. Aber dass Basel eine Rudertradition besitzt, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, war mir in dieser Konsequenz nicht bewusst.
Dabei beginnt die Geschichte ziemlich früh.
Seit 1884 auf dem Rhein
Der Basler Ruder-Club wurde 1884 gegründet und gehört damit zu den traditionsreichen Rudervereinen der Schweiz. Bereits zwei Jahre später war er an der Gründung des Schweizerischen Ruderverbandes beteiligt.
1887 organisierte der Club eine erste grössere Regatta auf dem Rhein. Anfang des 20. Jahrhunderts folgten internationale Rennen mit Vierern, Achtern und Skiffs.
Eine hübsche Basler Fussnote: 1888 fusionierte der Club mit der Rudergesellschaft «Rhenania» und übernahm deren Farben Blau und Rot. Über Mitglieder des Ruderclubs gelangten diese Farben später auch zum 1893 gegründeten FC Basel.
Rotblau war also auch eine Ruderfarbe.
Heute hat der Basler Ruder-Club seine Bootshäuser an der Rhyhalde oberhalb des Kraftwerks Birsfelden und in Kaiseraugst. Neben dem Breitensport betreibt er Nachwuchs- und Leistungssport.
Zum Leistungssport gehört allerdings auch eine Geschichte, die nicht ausgeblendet werden sollte. Bajour recherchierte über Vorwürfe von Druck auf jugendliche Leistungssportlerinnen im Basler Ruder-Club.
Die Recherche bei Bajour lesen.
Blauweiss und olympische Medaillen
Der zweite grosse Name im Basler Rudersport ist der Ruderclub Blauweiss Basel.
Seine Wurzeln reichen ins Jahr 1931 zurück. Damals entstand innerhalb des Wasserfahrvereins Rhenania St. Johann eine Rudersektion. 1944 wurde daraus der selbständige RC Blauweiss. Seit 1957 liegt sein Bootshaus auf der Kraftwerkinsel Birsfelden.
Der Club brachte zahlreiche Schweizer Meister hervor und auch Athleten, die an Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen teilnahmen.
Einer der bekanntesten war Peter Bolliger. Der Basler gewann zehn Schweizermeistertitel und holte 1968 mit dem Schweizer Vierer mit Steuermann bei den Olympischen Spielen in Mexiko Bronze.
Basel war im Rudern also weit mehr als ein hübsches Trainingsrevier.
Der Rhein bestimmt den Sport
Wer Rudern nur von Seen kennt, unterschätzt den Basler Rhein.
Strömung, Schifffahrt, Brücken und Kraftwerke setzen dem Sport klare Grenzen. Das eigentliche Trainingsgebiet liegt deshalb heute vor allem in den ruhigeren Stauhaltungen zwischen Birsfelden und Augst.
Und genau daraus entstand irgendwann die reizvolle Idee, den Rennsport wieder dorthin zurückzubringen, wo ihn auch die Stadt sieht.
Mitten nach Basel.
Der BaselHead
2010 fand der erste BaselHead statt. 27 Achter gingen damals an den Start.
Die Idee war einfach und ziemlich gut: Rudern sollte aus dem Trainingsrevier zurück in die öffentliche Wahrnehmung kommen.
Heute ist der BaselHead der auffälligste Ruderanlass der Region. Achter aus verschiedenen Ländern fahren durch die Basler Innenstadt. Die Hauptstrecke misst 6,4 Kilometer. Drei Brücken liegen auf dem Kurs, dazu kommt nach der Hälfte eine 180-Grad-Wende.
Das klingt schon auf Papier unangenehm.
Für die Steuerleute bedeutet es Strömung lesen, Brücken richtig anfahren, die Ideallinie finden und gleichzeitig dafür sorgen, dass acht Menschen hinter ihnen möglichst synchron an ihrer persönlichen Schmerzgrenze arbeiten.
Neben dem Langstreckenrennen gibt es einen Sprint über 350 Meter.
Der Anlass wird vom trinationalen Regattaverein getragen. Neben dem Basler Ruder-Club und Blauweiss sind Vereine aus Grenzach, Rheinfelden und Frankreich beteiligt. Für Basel ist das fast zwangsläufig: Der Rhein hält sich ohnehin nicht lange an Landesgrenzen.
Über den BaselHead habe ich bereits ausführlicher geschrieben:
BaselHead – Ruder-Regatta auf dem Rhein.
Rudern ist nicht Wasserfahren
Eine Unterscheidung ist in Basel wichtig.
Rudern und Wasserfahren sind zwei verschiedene Sportarten, auch wenn beide auf demselben Fluss stattfinden.
Beim klassischen Rudern sitzen die Sportler mit dem Rücken zur Fahrtrichtung in Skiffs, Doppelzweiern, Vierern oder Achtern.
Die Basler Wasserfahrer stehen dagegen im Weidling. Stromaufwärts bewegen sie das schwere Holzboot mit dem Stachel, beim Queren oder stromabwärts mit dem Ruder.
Auch diese Tradition ist alt. Der Rhein-Club Basel wurde 1883 gegründet und bezeichnet sich als ältesten Basler Wasserfahrverein.
Wer also auf dem Rhein einen Mann stehend mit einem langen Holzstachel kämpfen sieht, beobachtet keinen Ruderer, der etwas Wesentliches falsch verstanden hat.
Der Rhein als Sportplatz
Die Geschichte des Basler Ruderns erzählt auch etwas über die Stadt.
Der Rhein war Verkehrsweg, Grenze, Arbeitsort, Badeplatz und Energiequelle. Er war aber immer auch Sportplatz.
1887 fuhren hier die ersten grösseren dokumentierten Regatten. Später veränderten Kraftwerke und Schifffahrt das Revier. Der Trainingsbetrieb wanderte aus dem Zentrum.
Und dann kamen die Achter zurück.
Einmal im Jahr fahren sie wieder mitten durch Basel, unter den Brücken hindurch, gegen die Strömung und gegen die Uhr.
Der Rhein schaut zu.
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BaselHead – Ruder-Regatta auf dem Rhein
Achter, Strömung, Brücken und eine 180-Grad-Wende mitten in Basel.



