Das Bernoullisilo. Der Siloturm im Hafen.


Bernoulli-Silo am Hafenbecken 1. Quelle: Wikipedia
Seit hundert Jahren steht das Bernoulli-Silo am Hafenbecken 1 in Kleinhüningen – und seit hundert Jahren tut es im Wesentlichen noch immer dasselbe.
Der Getreidespeicher wurde zwischen 1923 und 1926 vom Ingenieur Oskar Bosshardt und dem Architekten Hans Bernoulli (1876–1959) errichtet. 1926 nahm das Silo seinen Betrieb auf. Im Jahr 2026 feiert es damit sein hundertjähriges Bestehen.
Das Bemerkenswerte daran: Während viele historische Industriebauten längst umgenutzt oder stillgelegt wurden, erfüllt das Bernoulli-Silo seine ursprüngliche Aufgabe bis heute. Getreide wird über den Rhein angeliefert, gelagert und für den Weitertransport bereitgestellt. Betreiberin ist heute die Rhenus Port Logistics AG. Zum hundertsten Geburtstag im Oktober 2026 war das Silo nach Angaben des Unternehmens vollständig mit Getreide gefüllt.
Der monumentale Bau gehört zu den Wahrzeichen des Kleinhüninger Rheinhafens. Seine Konstruktion besteht aus Eisenbeton, was man ihm von aussen kaum ansieht: Aus Gründen der Isolation und der Gestaltung wurde sie mit Sichtbackstein verkleidet. Die Kantonale Denkmalpflege zählt das praktisch original erhaltene Gebäude zu den bedeutenden Zeugnissen der Basler Industrie- und Versorgungsgeschichte.
Das Silo fasst knapp 11’000 Tonnen Getreide. Jahrzehntelang galt der hoch aufragende Bau als erstes Hochhaus Basels. Mit seiner massiven Backsteinfassade, den Blendbögen und dem steilen Dach erinnert er eher an einen Speicher oder eine Kathedrale als an einen technischen Zweckbau. Bernoulli orientierte sich bei der Gestaltung unter anderem an grossen Lagerhäusern, wie man sie aus Hafenstädten wie Hamburg kannte.
Auf dem Maschinenhaus befindet sich eine Aussichtsterrasse. Von dort öffnet sich der Blick über Hafenbecken, Silos, Krane und Containeranlagen bis nach Deutschland und Frankreich. Es ist ein anderes Basel als jenes der Postkarten mit Münster und Altstadt: industriell, weit und unmittelbar mit dem Rhein und den europäischen Verkehrswegen verbunden.
2006 wurde das Silo für rund 1,3 Millionen Franken renoviert und modernisiert. Dabei wurden auch die sanierungsbedürftige Aussichtsterrasse und weitere Teile der Anlage instand gesetzt.
Lange gehörte die Terrasse zudem zur Basler Filmgeschichte. Seit Anfang der 1990er-Jahre zeigte das neue kino Basel dort im Sommer Filmklassiker, darunter Stummfilme mit Live-Musik. 2022 war damit Schluss: Rhenus stellte die Terrasse für das Silo-Open-Air nicht mehr zur Verfügung. Das neue kino verlagerte seine Sommeraufführungen rund 400 Meter flussabwärts auf die Dachterrasse des Restaurants Rostiger Anker.
Geblieben ist das Silo selbst. Schiffe, Krane, Transportwege und Technologien haben sich in einem Jahrhundert grundlegend verändert. Der rote Speicher steht noch immer am Hafenbecken – und lagert noch immer Getreide. Kaum ein anderes Gebäude im Basler Hafen verbindet Industriegeschichte und Gegenwart so unmittelbar.

Blick vom Bernoulli-Silo über den Basler Rheinhafen
Aktualisiert im Oktober 2026.
Weitere Informationen:
Rhenus: 100 Jahre Bernoulli-Silo ·
neues kino Basel



