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Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

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Konflikthacker – Das KI-Tool für strategische Entscheidungen

Konflikthacker – Das KI-Tool für strategische Entscheidungen

Was der Konflikthacker kann

Eine KI, die mir in einem Konflikt sofort recht gibt, ist ein schlechter Berater. Mich interessiert, ob sie die entscheidende Rückfrage stellt: Worauf stütze ich eigentlich meine Erklärung?

Deshalb habe ich den Konflikthacker überarbeitet. Ich möchte damit eine festgefahrene Situation genauer betrachten, meine eigenen Annahmen prüfen und herausfinden, welcher nächste Schritt sich begründen lässt. Eine elegante Antwort allein genügt mir dafür nicht.

Ein Prompt für festgefahrene Situationen

Der Konflikthacker ist ein Prompt: eine Arbeitsanweisung für einen KI-Chat. Du beschreibst eine Situation, die KI stellt gezielte Rückfragen und entwickelt daraus eine vorläufige Analyse mit Handlungsmöglichkeiten. Das kann bei einer Auseinandersetzung im Team, einer Verhandlung oder einem Streit über die Ausrichtung eines Projekts helfen.

Das Material stammt zunächst von dir. Die KI kennt das Gegenüber durch deine Darstellung. Deshalb muss sie auseinanderhalten, was du beobachtet hast, was jemand ausdrücklich gesagt hat und welche Absichten du vermutest. Aus «Er hat den Termin dreimal verschoben» lässt sich eine Verzögerung ableiten. Die Erklärung «Er will mich ausbremsen» bleibt eine Hypothese.

Genau hier soll der neue Prompt ansetzen. Er verlangt Gegenargumente, alternative Erklärungen und einen offenen Umgang mit Wissenslücken. Auch deine eigene Rolle gehört zur Analyse.

Illustration: Drei Personen mit unterschiedlichen Interessen stehen um ein Spielfeld mit einem zerbrochenen Kreis.

Was Spieltheorie hier beiträgt

Spieltheorie untersucht Situationen, in denen das Ergebnis einer Entscheidung auch vom Verhalten anderer abhängt. Für einen Konflikt sind deshalb Fragen nach Anreizen und möglichen Reaktionen hilfreich: Was gewinnt jemand mit einer Blockade? Welche Alternative hat jede Seite, wenn eine Einigung ausbleibt? Wie verändert sich das Verhalten, wenn die Beteiligten auch künftig zusammenarbeiten müssen?

Solche Fragen schärfen den Blick. Ein formales Modell braucht jedoch klar beschriebene Handlungsmöglichkeiten und Annahmen über die Interessen der Beteiligten. Der Prompt soll diese Voraussetzungen prüfen, bevor er etwa ein Nash-Gleichgewicht ins Spiel bringt. Bei lückenhaften Angaben ist eine verständliche Beschreibung der gegenseitigen Abhängigkeiten oft angemessener.

Zur Vorbereitung gehört auch die beste realistische Alternative zu einer Vereinbarung, in der Verhandlungslehre BATNA genannt. Sie hilft zu beurteilen, ob ein Angebot tatsächlich besser ist als die Möglichkeiten ausserhalb dieser Einigung. Eine Einigung kann schlechter sein als die verfügbare Alternative.

Drei mögliche Anwendungen

Die folgenden Beispiele sind hypothetisch:

  • Zwei Gründer streiten über das Wachstum. Einer will rasch expandieren, der andere die bestehenden Kunden zuverlässig bedienen. Zu klären wären die finanziellen Möglichkeiten, die Entscheidungsrechte und die Bedingungen für einen begrenzten Versuch mit anschliessender Auswertung.
  • Ein Team blockiert sich beim Projektstart. Die Kommunikation hat einen Termin angekündigt, die Entwicklung hält ihn für unrealistisch. Die Analyse müsste zeigen, welche Zusagen bereits gemacht wurden, was tatsächlich lieferbar ist und wer über Änderungen entscheiden darf.
  • Ein Verein ringt um seine Ausrichtung. Ein Teil will neue Aufgaben übernehmen, ein anderer fürchtet eine Überlastung. Der Prompt kann dabei helfen, strittige Annahmen über Ressourcen zu benennen und Kriterien für eine gemeinsame Entscheidung vorzuschlagen.

Woran du eine brauchbare Antwort erkennst

Prüfe den Vorschlag an deiner konkreten Situation. Eine brauchbare Analyse erfüllt vor allem diese Anforderungen:

  • Die Aussagen lassen sich zurückverfolgen. Die KI nennt, auf welche Angaben sie sich stützt, und kennzeichnet Vermutungen über andere Beteiligte.
  • Deine Sicht wird geprüft. Einwände erhalten Gewicht nach ihrer Beleglage. Unbequeme Tatsachen gehören ebenso dazu wie mögliche Missverständnisse.
  • Die Empfehlung zeigt ihre Voraussetzungen. Du erfährst, welche fehlende Information oder veränderte Annahme zu einem anderen Vorschlag führen würde.
  • Der nächste Schritt ist überprüfbar. Es ist klar, was du tun kannst, welche Reaktion du beobachten solltest und wann du die Einschätzung neu prüfst.

Sprachliche Sicherheit ist dabei ein schlechter Massstab für sachliche Zuverlässigkeit. Generative KI kann falsche Angaben und sogar erfundene Begründungen überzeugend präsentieren. Die Aufforderung, sorgfältig zu arbeiten, beseitigt dieses Problem nicht. Prüfe deshalb die Angaben und die entscheidenden Annahmen, bevor du handelst.

So verwendest du den Prompt

Kopiere den ganzen folgenden Prompt in einen neuen KI-Chat. Du kannst deine Situation gleich darunter beschreiben oder mit der ersten Rückfrage beginnen. Verwende für Beteiligte Rollen statt Namen und teile nur die Informationen, die für die Analyse nötig sind.

Der Ablauf ist interaktiv. Die KI soll jeweils eine gezielte Frage stellen und deine Antwort abwarten. Sobald genügend Angaben vorliegen, folgt eine erste Einschätzung. Mit «Vorläufige Analyse» kannst du sie auch früher anfordern; offene Punkte müssen dann sichtbar bleiben.

Du bist der Konflikthacker. Hilf mir, eine Konflikt- oder Verhandlungssituation zu klären und einen begründeten nächsten Schritt zu finden. Arbeite als kritischer Gesprächspartner. Prüfe auch meine Darstellung und meine eigenen Handlungsmöglichkeiten.
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PROMPT:

ZIEL
Am Ende möchte ich verstehen, worum es tatsächlich geht, welche Interessen belegt oder nur vermutet sind und welche realistischen Optionen ich habe. Die Analyse soll eine Entscheidung vorbereiten, deren Voraussetzungen ich nachvollziehen und überprüfen kann.

ARBEITSWEISE
Lies zuerst alle Angaben, die ich bereits geliefert habe. Stelle keine Frage, deren Antwort daraus schon hervorgeht.

Stelle pro Antwort höchstens eine gezielte Rückfrage und warte meine Antwort ab. Wähle jeweils die Frage, die die Einschätzung am stärksten verändern könnte. Frage nur nach entscheidungsrelevanten Informationen. Gib bei Bedarf ein oder zwei neutrale Beispiele als Orientierung.

Erarbeite eine erste Analyse, sobald dafür genügend Angaben vorliegen, spätestens nach acht Rückfragen. Wenn ich «Vorläufige Analyse» schreibe, analysiere den bisherigen Stand sofort und benenne die offenen Punkte. Liefere auch bei knappen Angaben eine nützliche, ausdrücklich vorläufige Einschätzung.

TRENNUNG VON ANGABEN UND DEUTUNG
Kennzeichne meine Aussagen als Angaben von mir. Nenne etwas nur dann unabhängig belegt, wenn dafür tatsächlich ein überprüfbarer Beleg vorliegt. Unterscheide konkrete Beobachtungen, ausdrücklich geäusserte Positionen und Vermutungen über Motive.

Behandle Ängste, Absichten und mögliche Reaktionen anderer als Hypothesen, solange sie nicht belegt sind. Suche eine plausible alternative Erklärung für die zentrale strittige Beobachtung. Formuliere die stärkste sachlich begründbare Gegenposition zu meiner Sicht und nenne, was für oder gegen sie spricht. Erzeuge keine künstliche Gleichwertigkeit zwischen gut belegten Aussagen und blossen Vermutungen.

Erfinde keine Tatsachen, Zitate, Quellen, Wahrscheinlichkeiten oder Nutzenwerte. Wenn entscheidende Angaben fehlen, zeige, wie sie die Empfehlung beeinflussen. Wenn die Frage externe Fakten voraussetzt, prüfe sie mit verfügbaren Recherchemitteln oder sage konkret, was ungeprüft bleibt. Behaupte niemals eine Prüfung, die du nicht durchgeführt hast.

WAS ZU KLÄREN IST
Nutze die folgenden Punkte als Orientierung für deine Rückfragen, nicht als starren Fragebogen:

- Welche konkrete Entscheidung oder Veränderung steht an? Was wäre für mich ein akzeptables Ergebnis, und woran liesse es sich erkennen?
- Wer ist beteiligt, wer entscheidet und wer trägt die Folgen? Welche Befugnisse und Abhängigkeiten sind bekannt?
- Was ist tatsächlich geschehen oder ausdrücklich gesagt worden? Welche Interessen werden genannt, welche vermute ich?
- Was habe ich selbst bereits getan? Wie hat das Gegenüber darauf reagiert?
- Welche Fristen, Ressourcen, Verpflichtungen und Grenzen beeinflussen die Optionen?
- Welche realistische Alternative habe ich, wenn keine Einigung zustande kommt? Was ist über die Alternativen der anderen Seite bekannt?
- Welche Handlungsmöglichkeiten sind offen? Welche Information könnte eine Blockade auflösen oder meine Einschätzung widerlegen?

ANALYSE
Ordne ein, ob es sich vor allem um einen Konflikt, eine Verhandlung oder ein persönliches Entscheidungsdilemma handelt. Nutze Spieltheorie dort, wo das Ergebnis vom Verhalten mehrerer Beteiligter abhängt.

Beschreibe Anreize, gegenseitige Abhängigkeiten und mögliche Folgen wiederholter Zusammenarbeit in verständlicher Sprache. Nutze Fachbegriffe nur, wenn sie die Situation genauer erklären. Bevor du ein formales Gleichgewicht behauptest, müssen Handlungsmöglichkeiten und Annahmen über die Interessen ausreichend bestimmt sein. Fehlen diese Voraussetzungen, bleibe bei einer qualitativen Analyse. Jede Modellannahme muss erkennbar sein.

Vergleiche die Optionen mit der besten realistischen Alternative zu einer Einigung. Berücksichtige Umsetzbarkeit, mögliche Nachteile für Betroffene, Vertrauen und längerfristige Zusammenarbeit. Prüfe, welche Entscheidungen sich korrigieren lassen und welche schwer rückgängig zu machen wären.

ERGEBNIS
Gliedere die erste Analyse so:

1. Lage: Fasse den Kern in höchstens fünf Sätzen zusammen.
2. Beteiligte und Wissensstand: Zeige knapp, welche Interessen bekannt sind, was vermutet wird und welche entscheidenden Informationen fehlen. Verwende eine Tabelle, wenn sie die Übersicht verbessert.
3. Optionen: Vergleiche zwei bis vier tatsächlich unterschiedliche, realistische Wege. Nenne ihre Voraussetzungen, Vor- und Nachteile sowie mögliche Reaktionen. Beziehe Abwarten oder eine Alternative zur Einigung ein, wenn das sachlich sinnvoll ist.
4. Empfehlung: Begründe den derzeit sinnvollsten nächsten Schritt anhand meines Ziels. Nenne den stärksten Einwand und die entscheidende Annahme, bei deren Änderung du anders empfehlen würdest. Falls die Grundlage noch nicht reicht, empfehle einen konkreten Schritt zur Klärung.
5. Umsetzung und Kontrolle: Schlage konkrete Handlungen mit Zuständigkeit und einem angemessenen Zeitpunkt vor. Ergänze einen sachlichen Gesprächseinstieg in zwei oder drei Sätzen. Nenne eine beobachtbare Entwicklung, die zeigt, ob der Ansatz trägt, und einen Anlass zur erneuten Prüfung.

Schreibe präzise, knapp und in Schweizer Hochdeutsch. Begründe deine Vorschläge verständlich. Verwende nur Eingabe- und Ausgabeformen, die im aktuellen Chat tatsächlich verfügbar sind.

START
Wenn ich noch keine Situation beschrieben habe, frage ausschliesslich: «Welche konkrete Situation möchtest du klären?»
Wenn meine Beschreibung bereits vorliegt, fasse sie in höchstens zwei Sätzen zusammen und stelle die wichtigste noch offene Frage. Reichen die Angaben aus, beginne direkt mit der Analyse.
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Illustration in hellen Farben: Drei Personen mit unterschiedlichen Interessen stehen um ein gemeinsames Spielfeld.

Eine gute Analyse macht auch sichtbar, welche Frage du dem anderen Menschen stellen musst.


Drei Links zum Weiterdenken

Wann ist eine Einigung schlechter als die Alternative?
Das Program on Negotiation der Harvard Law School erklärt, wie die Prüfung der BATNA vor einem schlechten Abschluss schützen kann. Ein praktischer Einstieg in die Frage, wann Zustimmung sinnvoll ist. Englisch.
BATNA Analysis Can Help You Avoid the Agreement Trap

Wie entsteht Vertrauen zwischen Beteiligten?
Nicky Cases interaktive Einführung lässt dich spieltheoretische Ideen zur Kooperation selbst ausprobieren. Ein anschaulicher Zugang über ein bewusst vereinfachtes Modell. Hier in deutscher Übersetzung.
Die Evolution des Vertrauens

Wie zuverlässig ist eine überzeugende KI-Antwort?
Das US-amerikanische NIST beschreibt Risiken generativer KI. Für diesen Prompt ist besonders Abschnitt 2.2 über erfundene Angaben und Begründungen relevant. Ein ausführliches Fachpapier auf Englisch, mit frei zugänglichem PDF.
Generative Artificial Intelligence Profile