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Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

Suche

Von Info-Dschungel zu Trefferliste: Wie Sie ChatGPT als Ihren Recherche-Assistenten nutzen

ChatGPT kann bei der Recherche helfen: Fragen eingrenzen, Suchwege entwickeln, Dokumente auswerten und widersprüchliche Befunde ordnen. Entscheidend ist, worauf eine Antwort beruht und ob ihre Quellen die Aussagen tatsächlich tragen. Dieser Leitfaden zeigt das Vorgehen und liefert neun Prompts zum Kopieren.

Recherche gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Die passende Quelle finden, einer Spur folgen, eine scheinbar eindeutige Aussage überprüfen: Darin liegt ein wesentlicher Teil journalistischer Arbeit. KI ist für mich besonders dort nützlich, wo sie Material übersichtlicher macht und neue Fragen aufwirft.

Eine präzise Frage garantiert keine richtige Antwort. Auch eine überzeugend formulierte Auskunft mit Quellenangaben kann Fehler enthalten. OpenAI weist selbst darauf hin, dass Suchergebnisse und Quellenangaben falsch, veraltet oder unvollständig sein können.

Was ChatGPT bei der Recherche leisten kann

Für die Arbeit lohnt es sich, drei Situationen zu unterscheiden:

  • Ein Gespräch über ein Thema: Begriffe klären, eine Fragestellung entwickeln oder einen Suchplan entwerfen. Behandeln Sie Antworten ohne überprüfbare Belege zunächst als Ausgangspunkt für die weitere Recherche.
  • Die Arbeit mit bereitgestelltem Material: Einen Artikel zusammenfassen, mehrere Texte vergleichen oder eine Tabelle untersuchen. Lassen Sie jede wesentliche Aussage auf eine konkrete Stelle im Material zurückführen.
  • Die Recherche im Web: Die ChatGPT-Suche kann aktuelle Informationen abrufen und Quellen verlinken. Deep Research ist für umfangreichere Aufgaben gedacht, bei denen mehrere Quellen ausgewertet und zu einem dokumentierten Bericht zusammengeführt werden. Verfügbarkeit und Nutzungsumfang hängen vom jeweiligen Zugang ab.

Vor dem Start: Prüfen Sie, ob die benötigte Websuche oder Dateifunktion in Ihrem Chat verfügbar ist. Ein Arbeitsauftrag allein verschafft dem Modell keinen Zugriff auf einen gesperrten Artikel oder eine fehlende Datei. Lassen Sie offenlegen, welche Texte tatsächlich zugänglich waren und wo nur eine Zusammenfassung oder ein Suchausschnitt vorlag.

Recherche in fünf Schritten

  1. Die Frage eingrenzen. Legen Sie fest, was Sie wissen wollen, für welchen Zweck und in welchem Zeitraum. «Wie verändert Homeoffice die Zusammenarbeit neu zusammengestellter Teams?» ist ein brauchbarerer Ausgangspunkt als «Erzähl mir etwas über Homeoffice».
  2. Die passenden Quellen bestimmen. Suchen Sie je nach Frage nach Originalstudien, amtlichen Daten, Berichten, Fachliteratur oder dokumentierten Aussagen. Eine Unternehmensmitteilung belegt zunächst, was das Unternehmen erklärt. Für die unabhängige Bewertung braucht es weitere Belege.
  3. Material mit Fundstellen sammeln. Halten Sie zu wichtigen Aussagen Quelle, Datum und genaue Textstelle fest. Trennen Sie dabei Veröffentlichungsdatum und Zeitraum der erhobenen Daten.
  4. Die eigene Vermutung prüfen. Suchen Sie gezielt nach abweichenden Ergebnissen und anderen Erklärungen. Prüfen Sie, ob scheinbar widersprüchliche Studien überhaupt dieselbe Frage, Personengruppe oder Messgrösse untersuchen.
  5. Das Ergebnis begrenzen. Formulieren Sie, was sich belegen lässt, wie weit der Befund reicht und welche Fragen offenbleiben. Eine dokumentierte Lücke ist ein verwendbares Rechercheergebnis.

Bei einer systematischen wissenschaftlichen Literaturrecherche kommen verbindliche Such- und Auswahlregeln hinzu. Datenbanken, Suchbegriffe, Suchdatum und Auswahlentscheidungen müssen nachvollziehbar dokumentiert werden. Einen fachlichen Einstieg bietet Cochrane Deutschland, insbesondere für medizinische Fragestellungen.

Illustration zum Thema Recherche mit künstlicher Intelligenz

Neun Prompts für konkrete Rechercheaufgaben

Kopieren Sie jeweils den vollständigen Text aus dem eingerückten Kasten in Ihren Chat. Die Vorlagen kommen ohne Platzhalter aus: Fehlende Angaben werden im Gespräch erfragt. Bereits vorhandene Informationen sollen dabei berücksichtigt werden. Für Aufgaben mit Dokumenten können Sie die Unterlagen gleich beifügen.

Die Prompts formulieren Qualitätsanforderungen. Ob das Modell sie einhält, prüfen Sie am Ergebnis. Für die Suche nach aktuellen Quellen muss die Websuche tatsächlich verfügbar sein.

1. Aus einem Thema eine untersuchbare Frage machen

Hilfreich, wenn das Interesse feststeht, die Recherche aber noch zu breit angelegt ist.

Prompt zum Kopieren

Hilf mir, aus meinem Thema eine klare Recherchefrage zu entwickeln. Falls ich noch kein Thema genannt habe, frage zuerst: «Was möchtest du herausfinden?»

Kläre anschliessend nur die Angaben, die für die Eingrenzung entscheidend sind, etwa Zweck, Zeitraum oder untersuchte Personengruppe. Stelle pro Nachricht genau eine Frage und warte meine Antwort ab. Nutze bereits genannte Informationen.

Sobald genug bekannt ist, formuliere eine Hauptfrage und höchstens drei Unterfragen. Erkläre, welche Begriffe präzisiert werden müssen und welche Art von Belegen zur Beantwortung nötig wäre. Prüfe, ob die Frage eine bestimmte Antwort bereits voraussetzt, und schlage gegebenenfalls eine offenere Fassung vor.

2. Einen Suchplan entwickeln und Quellen finden

Für eine erste Orientierung mit überprüfbaren Fundstellen. Bei umfangreichen Aufgaben lässt sich dieser Auftrag auch in Deep Research verwenden.

Prompt zum Kopieren

Entwickle einen Rechercheplan für meine Frage. Falls die Frage noch fehlt, frage mich zuerst danach. Kläre weitere entscheidende Lücken einzeln; stelle jeweils nur eine Frage und warte meine Antwort ab.

Lege sinnvolle Suchbegriffe, bei Bedarf auch englische, geeignete Quellentypen und zeitliche Grenzen fest. Suche anschliessend im Web, sofern du darauf zugreifen kannst. Andernfalls liefere den Suchplan und kennzeichne, dass du noch keine Quellen geprüft hast.

Stelle bis zu fünf besonders relevante Quellen zusammen. Nenne jeweils Titel, Autor oder Institution, Datum, direkten Link, Beitrag zur Fragestellung und erkennbare Einschränkungen. Unterscheide vollständig eingesehene Texte von Abstracts und Suchausschnitten. Bevorzuge Originalquellen und geeignete Forschungsübersichten. Suche auch nach abweichenden Befunden. Erfinde keine Quellen und kennzeichne verbleibende Lücken.

3. Eine Forschungsarbeit nachvollziehbar zusammenfassen

Die Zusammenfassung braucht einen konkreten Text. Ein Titel allein reicht als Arbeitsgrundlage für die Auswertung einer Studie kaum aus.

Prompt zum Kopieren

Fasse die Forschungsarbeit zusammen, die ich dir bereitstelle. Falls der Text fehlt, bitte mich zuerst um die Datei oder den Text. Arbeite ausschliesslich mit dem zugänglichen Material. Wenn nur ein Abstract vorliegt, bezeichne das Ergebnis ausdrücklich als Zusammenfassung des Abstracts.

Gliedere die Auswertung in Forschungsfrage, Methode, untersuchte Daten oder Stichprobe, zentrale Ergebnisse und Grenzen. Nenne bei wichtigen Aussagen die Seite, Tabelle oder den Abschnitt. Übernimm Zahlen mit Einheit und Bezugsgrösse. Ergänze keine fehlenden Angaben.

Trenne die Ergebnisse von der Interpretation der Autorinnen und Autoren. Erkläre zum Schluss in drei Sätzen, was die Untersuchung zur Fragestellung beiträgt und welche Schlussfolgerungen durch sie nicht gedeckt sind.

4. Mehrere Quellen und widersprüchliche Befunde vergleichen

Besonders nützlich, wenn mehrere Texte auf den ersten Blick zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Prompt zum Kopieren

Vergleiche die Quellen, die ich dir gebe, im Hinblick auf meine Recherchefrage. Fordere zuerst das wichtigste fehlende Material oder die noch fehlende Frage an. Stelle nötige Rückfragen einzeln und warte jeweils meine Antwort ab.

Erstelle eine Tabelle mit Quelle, Fragestellung, Methode, Zeitraum, zentralem Befund und Einschränkungen. Ordne jede Aussage einer konkreten Fundstelle zu.

Untersuche, welche Ergebnisse übereinstimmen und wo echte Widersprüche bestehen. Prüfe unterschiedliche Definitionen, Stichproben, Messgrössen und mögliche gemeinsame Ursprungsquellen. Gewichte die Befunde nach ihrer Aussagekraft für meine Frage. Kennzeichne ungeklärte Unterschiede und formuliere eine vorsichtige Gesamteinordnung.

5. Überprüfbare Hypothesen entwickeln

Für die Planung einer Untersuchung. Eine Hypothese beschreibt eine prüfbare Annahme; ihre Bestätigung steht noch aus.

Prompt zum Kopieren

Hilf mir, überprüfbare Hypothesen für mein Vorhaben zu formulieren. Wenn mein Vorhaben noch unklar ist, beginne mit einer Frage dazu. Kläre danach einzeln, welche Daten oder Untersuchungsmöglichkeiten vorhanden sind.

Formuliere höchstens drei Hypothesen. Beschreibe für jede, welche Grössen untersucht werden, wie sie gemessen werden könnten und welches Ergebnis gegen die Hypothese sprechen würde. Nenne mögliche Störfaktoren und alternative Erklärungen.

Kennzeichne alle Hypothesen als Vorschläge. Erkläre, ob das geplante Vorgehen Zusammenhänge beschreiben oder auch Aussagen über Ursachen erlauben könnte und welche Voraussetzungen dafür nötig wären. Behaupte keine Forschungslücke ohne entsprechende Literaturprüfung.

6. Forschungsdaten ordnen und eine Auswertung vorbereiten

Für Tabellen und Datensammlungen. Stellen Sie nur Daten bereit, die Sie für diesen Zweck weitergeben dürfen; entfernen Sie unnötige personenbezogene Angaben.

Prompt zum Kopieren

Hilf mir, meinen Datensatz für eine Auswertung vorzubereiten. Falls die Datei oder die Fragestellung fehlt, fordere zuerst die wichtigste fehlende Grundlage an. Kläre offene Punkte mit jeweils einer Frage pro Nachricht.

Prüfe Spalten, Datentypen, Einheiten, fehlende Werte und mögliche Dubletten. Erstelle eine Übersicht der Datenqualität und schlage nachvollziehbare Bereinigungsschritte vor. Bewahre die Originaldaten; führe Änderungen nur in einer getrennten Fassung aus und dokumentiere sie. Ergänze fehlende Werte nur nach einer ausdrücklich vereinbarten Methode.

Empfiehl zur Frage passende Auswertungen und Darstellungen. Trenne tatsächlich berechnete Ergebnisse von vorgeschlagenen Analysen. Dokumentiere verwendete Rechenschritte oder Code. Wenn du die Berechnungen nicht ausführen kannst, sage das ausdrücklich.

7. Quellenangaben prüfen und formatieren

Für ein Literaturverzeichnis mit kontrollierbaren Angaben. Das passende Zitierformat legt die jeweilige Publikation oder Hochschule fest.

Prompt zum Kopieren

Hilf mir, meine Quellenangaben zu prüfen und einheitlich zu formatieren. Fordere zuerst die Quellen an, falls sie fehlen. Frage anschliessend nach dem verlangten Zitierstil, sofern ich ihn noch nicht genannt habe. Stelle immer nur eine Frage auf einmal.

Prüfe die verfügbaren Angaben zu Autorenschaft, Titel, Datum, Publikation und DOI oder URL. Nutze dafür die bereitgestellten Dokumente und, wenn verfügbar, die Originalseiten im Web. Kennzeichne Angaben, die du nicht überprüfen konntest.

Formatiere die belegten Angaben im gewünschten Stil. Liste fehlende Informationen separat auf und erfinde keine Ergänzungen. Unterscheide eine bibliografische Quellenangabe von einem wörtlichen Zitat; überprüfe wörtliche Zitate am zugänglichen Original.

8. Aus geprüftem Material eine Einleitung oder Schlussfolgerung schreiben

Wenn Recherche und Auswertung vorliegen, kann die KI beim Aufbau helfen. Der Text soll den vorhandenen Befunden entsprechen.

Prompt zum Kopieren

Unterstütze mich beim Schreiben auf Grundlage meines geprüften Materials. Falls noch unklar ist, welcher Text entstehen soll, frage zuerst danach. Kläre fehlende Anforderungen an Zielgruppe, Zweck oder Länge einzeln. Nutze die Angaben, die ich bereits gemacht habe.

Verwende ausschliesslich die bereitgestellten Befunde und Quellen. Kennzeichne Beleglücken separat. Eine Einleitung soll Fragestellung, Relevanz und belegten Forschungsstand erläutern. Eine Schlussfolgerung soll beantworten, was sich aus den Ergebnissen ableiten lässt, und deren Grenzen benennen.

Trenne Befunde, Interpretation und Empfehlungen. Formuliere verständlich und ohne unbelegte Zuspitzungen. Liefere zuerst den Text und danach höchstens drei konkrete Hinweise auf verbleibenden Prüfbedarf.

9. Einen fertigen Text kritisch redigieren

Für die letzte Überarbeitung vor der Verwendung oder Veröffentlichung.

Prompt zum Kopieren

Prüfe meinen Text auf Verständlichkeit, Aufbau, Logik und den Umgang mit Belegen. Falls er noch fehlt, bitte mich zuerst darum. Stelle weitere Rückfragen nur bei entscheidenden Unklarheiten, jeweils eine pro Nachricht.

Achte besonders auf Widersprüche, unklare Begriffe, Wiederholungen, unbelegte Verallgemeinerungen und Schlussfolgerungen, die über die Daten hinausgehen. Trenne sachlichen Prüfbedarf von stilistischen Vorschlägen. Beurteile Fakten nur so weit, wie dir überprüfbare Quellen vorliegen.

Nenne zuerst bis zu drei wesentliche Probleme, sofern du solche findest. Liefere danach eine überarbeitete Fassung, die Aussageabsicht und Ton bewahrt. Ergänze keine neuen Tatsachenbehauptungen. Führe offene Faktenfragen anschliessend separat auf.

Was Sie am Ergebnis selbst prüfen sollten

Öffnen Sie die Belege zu den entscheidenden Aussagen. Lesen Sie die betreffende Passage im Zusammenhang. Prüfen Sie, ob Zahl, Zeitraum, Personengruppe und Bedeutung mit der Zusammenfassung übereinstimmen. Ein Link zu einem passenden Thema genügt als Beleg noch nicht.

  • Quellenidentität: Gehört der Text tatsächlich zu den angegebenen Autorinnen, Autoren oder Institutionen?
  • Aussagekraft: Stützt die Quelle genau die verwendete Behauptung? Welche Einschränkungen nennt sie?
  • Aktualität: Wie alt sind Veröffentlichung und untersuchte Daten? Liegen Korrekturen oder neuere Erkenntnisse vor?
  • Unabhängigkeit: Beruhen mehrere Quellen auf eigener Arbeit oder wiederholen sie dieselbe Mitteilung?
  • Nachvollziehbarkeit: Können Sie später noch zeigen, woher eine Zahl, ein Zitat oder eine Schlussfolgerung stammt?

Bewahren Sie wichtige Originaldokumente, Fundstellen und Ihre Prüfnotizen auf. Beachten Sie bei wissenschaftlichen Arbeiten die Vorgaben Ihrer Institution zum KI-Einsatz und zu seiner Dokumentation.

Die entscheidende Frage lautet: Welcher Beleg trägt diesen Satz?

Inhaltlich überarbeitet und Links geprüft am 8. September 2026.