Die Basler Rheinhäfen (Auhafen, Birsfelden, Kleinhüningen)

Der Ryyhaafe
Doo fahre Schlepper Koole aane –
Wie uff de Schiine d Yysebaane –
Und Waare wiider aabe.Gseesch, wie die Grääne doo und deert,
wo me d Motoore suure heert,
in d Laadig sich vergraabe!Das wuuseled, das däbbeled,
das dribbeled, das dräbbelet,
das isch e flyssig Lääbe,
stolz fliesst der Ryy em Norde zue:«mir gfallt s, jetz haan i z schaffe, z due,
und frai mit draa dernääbe!»
Gustav Küry hörte 1957 das Dröhnen der Motoren, das Klappern der Kräne und den Takt eines Hafens, der die Schweiz mit den Weltmeeren verband. Der Pulsschlag ist geblieben – doch die Landkarte hat sich grundlegend gewandelt: Aus ehemals vier getrennten Hafenanlagen wurden drei moderne Standorte, die heute unter dem gemeinsamen Dach der Schweizerischen Rheinhäfen geführt werden.
Der einzige Weg der Schweiz zum Meer
Die Schweizerischen Rheinhäfen verbinden das Binnenland Schweiz mit dem europäischen Wasserstrassennetz und den grossen Welthäfen an der Nordsee wie Rotterdam und Antwerpen. Rund zehn Prozent aller Schweizer Importgüter erreichen das Land auf dem Wasserweg über Basel, um hier effizient auf Bahn und Strasse umgeschlagen zu werden. In der Gegenrichtung gelangen Schweizer Exportgüter über dieselbe Wasserstrasse zu den Weltmärkten.
Die völkerrechtliche Grundlage bildet die Revidierte Rheinschifffahrtsakte (Mannheimer Akte) von 1868. Sie garantiert die freie Schifffahrt auf dem Rhein von Basel bis zum offenen Meer ohne diskriminierende Abgaben. Für ein Land ohne Meeresküste ist dieser Vertrag bis heute das wirtschaftliche Lebenselixier und ein Garant der nationalen Versorgungssicherheit.


Kräne, Silos und Container im Hafen Kleinhüningen. Aufnahmen aus dem Archiv von ralu.ch.
Von vier Anlagen zu drei Hafenstandorten
Die Entstehung der modernen Hafenbecken begann kurz nach der Jahrhundertwende. Der Hafen St. Johann wurde zwischen 1906 und 1911 als erster städtischer Umschlagplatz angelegt. Nach fast hundert Betriebsjahren begann ab 2010 sein städtebaulicher Rückbau: Auf dem einstigen Hafengelände expandierte der Novartis Campus, während gleichzeitig eine durchgehende, öffentliche Uferpromenade am Grossbasler Rheinufer für die Bevölkerung entstand.
Parallel dazu schlossen sich die beiden Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft zusammen: Seit 2008 treten die traditionsreichen Anlagen als gemeinsame, öffentlich-rechtliche Anstalt «Schweizerische Rheinhäfen» (Port of Switzerland) auf. Heute teilen sich drei operative Standorte die Aufgaben:
Basel-Kleinhüningen
Der urbane Stadthafen mit den Hafenbecken I und II bildet den trimodalen Dreh- und Angelpunkt für Container, Getreide, Agrargüter und Baustoffe.
Hafen Birsfelden
Spezialisiert auf die strategische Landesversorgung: Umschlag und Lagerung von Mineralölprodukten, flüssigen Energieträgern und schweren Schüttgütern.
Auhafen Muttenz
Das Zentrum für Chemie- und Treibstofflogistik: Neben Mineralöl und Rohstoffen werden hier vor allem Agrargüter und Spezialflüssigkeiten gelagert.
Strukturwandel im Spiegel der Zahlen
Wasserstände, internationale Konjunkturzyklen und geopolitische Krisen spiegeln sich unmittelbar in den Hafenbilanzen wider. Mit einem Jahresumschlag von rund 5 Millionen Tonnen sichern die Häfen die Schweizer Grundversorgung. Während der klassische Import fossiler Energieträger (Heizöl und Diesel) infolge der Energiewende tendenziell abnimmt, behauptet sich der Containerverkehr als tragende Zukunftssäule:
Besonders die Verknüpfung von Schiff und Schiene gewinnt an Dynamik: Um den Weitertransport ins Schweizer Mittelland umweltfreundlich abzuwickeln, verzeichnen die Terminals bei den bahnseitigen Containerbewegungen kräftige Zuwachsraten.

Gateway Basel Nord und Hafenbecken 3
Das mit Abstand bedeutendste Zukunftsprojekt der Schweizer Logistik nimmt auf dem Areal des ehemaligen badischen Rangierbahnhofs Gestalt an: das trimodale Gross-Terminal Gateway Basel Nord (GBN). In der ersten Baustufe verbindet die Anlage Schiene und Strasse, um den kombinierten Güterverkehr effizient zu bündeln. In einem zweiten Schritt soll das neu zu bauende Hafenbecken 3 das Terminal direkt mit dem Rhein verbinden.
Nachdem das Basler Stimmvolk der kantonalen Mitfinanzierung des Hafenbeckens 3 an der Urne zugestimmt hatte und auch die rechtlichen Weichen auf Bundesebene für die erste Bauetappe gestellt wurden, rückt die Realisierung näher. Das trimodale Megaprojekt soll langfristig hunderttausende Lastwagenfahrten von den Schweizer Strassen auf Schiff und Bahn verlagern.
Der strategische Hebel: Der Hafen Kleinhüningen schrumpft nicht planlos. Durch die Konzentration auf das Gateway Basel Nord werden Logistikfunktionen modernisiert und gebündelt – wodurch gleichzeitig wertvolle Flächen direkt an der Uferkante für die Basler Stadtentwicklung frei werden.
Hafenstadt oder Stadtquartier? Das Ringen um Klybeck- und Westquai
Am Klybeckquai und am Westquai treffen gegensätzliche Visionen aufeinander: Die Hafenwirtschaft benötigt gesicherte Flächen für die Landesversorgung und den Warenumschlag. Auf der anderen Seite fordert die Basler Stadtgesellschaft mehr Freiräume, bezahlbaren Wohnraum und einen freien Zugang zum Fluss.
Der Planungsvorschlag des Kantons Basel-Stadt trägt beiden Seiten Rechnung: Am Klybeckquai soll in den kommenden Jahrzehnten ein neues Stadtquartier heranwachsen – mit einem weitläufigen Quartierpark direkt am Wasser, gemeinnützigem Wohnraum und Raum für die etablierten, lebendigen Zwischennutzungen. Der Westquai hingegen soll schrittweise und bedarfsgerecht entwickelt werden. Aus der Industriehafen-Kulisse wächst so Stück für Stück ein urbanes Stück Basel am Wasser heran.
«Heimathafen Basel»
Die Historikerin und Ethnologin Barbara Lüem hat dieses maritime Kapitel der Schweiz in ihrem Standardwerk «Heimathafen Basel» (Christoph Merian Verlag) eindrücklich dokumentiert. Sie erzählt von den Pionieren der Rheinschifffahrt wie Rudolf Gelpke, von Schweizer Hochseereedereien und vom harten Alltag der Hafenarbeiter.
Ihr Werk beweist: Der Basler Hafen ist weit mehr als eine Ansammlung von Lagerhallen, Gleisen und Statistiken. Er ist ein Identifikationsort, das offene Tor zur Welt und lebendige Stadtgeschichte. Gustav Kürys Kräne greifen heute nach Containern statt nach Kohlebrocken – doch das emsige Treiben am Rheinknie ist lebendig wie eh und je.
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- Dossier uferlos: Basel und der Rhein – alle Beiträge zu Bauten, Häfen und Flussgeschichten.
Weiterführende offizielle Quellen
- Schweizerische Rheinhäfen (Port of Switzerland) – offizielle Hafenübersicht und Umschlagsterminals.
- Gateway Basel Nord – Projektstand, Pläne und Termine des bimodalen und trimodalen KV-Terminals.
- Kanton Basel-Stadt: Arealentwicklung Klybeckquai und Westquai – städtebaulicher Planungsvorschlag und Mitwirkungsberichte.
- Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) – Geschichte und Tragweite der Mannheimer Akte.



