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Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

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Die Basler Rheinhäfen (Auhafen, Birsfelden, Kleinhüningen)

©Patrik Walde

Der Ryyhaafe

Doo fahre Schlepper Koole aane –
Wie uff de Schiine d Yysebaane –
Und Waare wiider aabe.

Gseesch, wie die Grääne doo und deert,
wo me d Motoore suure heert,
in d Laadig sich vergraabe!

Das wuuseled, das däbbeled,
das dribbeled, das dräbbelet,
das isch e flyssig Lääbe,
stolz fliesst der Ryy em Norde zue:

«mir gfallt s, jetz haan i z schaffe, z due,
und frai mit draa dernääbe!»

Gustav Küry (1904–1961), 1957

Gustav Küry hörte 1957 das Dröhnen der Motoren, das Klappern der Kräne und den Takt eines Hafens, der die Schweiz mit der Welt verband. Der Betrieb ist geblieben. Die Landkarte hat sich verändert: Aus vier Hafenanlagen wurden drei Standorte, die heute unter dem gemeinsamen Dach der Schweizerischen Rheinhäfen geführt werden.

Der einzige Weg der Schweiz zum Meer

Die Schweizerischen Rheinhäfen verbinden das Binnenland Schweiz mit dem europäischen Wasserstrassennetz und den grossen Seehäfen an der Nordsee. Güter erreichen Basel auf dem Rhein und werden dort auf Bahn und Strasse verteilt. In der Gegenrichtung gelangen Schweizer Exportwaren über dieselbe Route zu den internationalen Märkten.

Die rechtliche Grundlage bildet die Mannheimer Akte von 1868. Sie garantiert die freie Schifffahrt auf dem Rhein von Basel bis zum offenen Meer. Für einen Staat ohne eigene Küste ist dieser Satz mehr als Vertragsprosa. Er ist ein Stück wirtschaftliche Geografie.

Kräne, Silos und Container im Hafen Kleinhüningen. Aufnahmen aus dem Archiv von ralu.ch.

Von vier Anlagen zu drei Hafenstandorten

Die modernen Basler Hafenanlagen entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Hafen St. Johann wurde zwischen 1906 und 1911 gebaut und später erweitert. Ab Juli 2010 begann sein Rückbau. Ein Teil des Geländes wurde für die Erweiterung des Novartis Campus genutzt; zugleich entstand eine öffentliche Rheinuferverbindung.

Bereits 2007 hatte das Baselbieter Stimmvolk der Zusammenlegung der kantonalen Hafenorganisationen zugestimmt. Seit 2008 treten die früher getrennten Betriebe als öffentlich-rechtliche Anstalt «Schweizerische Rheinhäfen» auf. Träger sind die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft.

Heute bestehen drei operative Hafenstandorte:

Basel-Kleinhüningen

Der Basler Stadthafen mit den Hafenbecken I und II ist der wichtigste Standort für Container, Agrarprodukte und verschiedene Trockengüter.

Hafen Birsfelden

Der Standort ist auf den Umschlag und die Lagerung von Energieprodukten, Flüssiggütern und Trockengütern ausgerichtet.

Auhafen Muttenz

Im Auhafen werden vor allem Mineralölprodukte, Agrargüter, Rohstoffe und weitere Massengüter umgeschlagen und gelagert.

4,7 Millionen Tonnen im Jahr 2025

Die alten Zahlen dieses Beitrags sind überholt. 2025 wurden in den Schweizerischen Rheinhäfen insgesamt 4,7 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Das waren 11,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Hauptgrund war der deutlich geringere Import von Mineralöl- und Energieprodukten.

Beim Containerverkehr zeigte die Kurve in die andere Richtung. Der wasserseitige Umschlag stieg 2025 um 12,6 Prozent auf 112’620 Standardcontainer, gemessen in TEU. Auf der Bahn wurden 50’197 TEU umgeschlagen, 51,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

4,7 Mio. t gesamter Güterumschlag 2025
112’620 TEU wasserseitiger Containerumschlag
50’197 TEU Containerumschlag auf der Bahn

Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr. Wasserstände, Energiepreise, Ernten und die internationale Konjunktur wirken sich unmittelbar auf den Hafenbetrieb aus. Die Bedeutung der Anlagen lässt sich deshalb schwer an einem einzelnen Jahreswert festmachen. Entscheidend ist ihre Funktion als Verbindung zwischen Schiff, Bahn und Strasse.

Hafenkran beim Umschlag von Altholz im Basler Rheinhafen
Ein Hafenkran beim Umschlag von Altholz.

Gateway Basel Nord und Hafenbecken 3

Die nächste grosse Veränderung ist geplant. Auf dem Gelände des ehemaligen badischen Rangierbahnhofs soll das Terminal Gateway Basel Nord entstehen. In einer ersten Phase verbindet es Bahn und Strasse. Später soll das Hafenbecken 3 den direkten Anschluss an den Rhein schaffen.

Die Basler Stimmbevölkerung genehmigte 2020 die kantonale Beteiligung am Hafenbecken 3. Im Juni 2026 wurde auch die Finanzierungsverfügung des Bundes für das Terminal rechtskräftig. Das Beschwerdeverfahren zur Plangenehmigung muss jedoch abgeschlossen werden. Die Projektgesellschaft plant die Inbetriebnahme der ersten Phase für 2029.

Der entscheidende Punkt: Der Hafen Kleinhüningen wird nicht einfach zurückgebaut. Seine Logistikfunktionen werden modernisiert, neu geordnet und teilweise verlagert. Gleichzeitig sollen einzelne Flächen am Rhein für Stadtentwicklung frei werden.

Hafenstadt oder Stadtquartier?

Am Klybeckquai und am Westquai treffen zwei Interessen aufeinander. Die Häfen benötigen Flächen für die Landesversorgung und den Güterverkehr. Die Stadt will neue Zugänge zum Rhein, Grünräume, Wohnungen und öffentliche Nutzungen schaffen.

Der 2025 vorgestellte Planungsvorschlag des Kantons sieht am Klybeckquai unter anderem preisgünstigen Wohnraum, quartierbezogene Nutzungen und einen grosszügigen Park vor. Der Westquai soll schrittweise entwickelt werden. Vieles befindet sich noch in der Planung. Aus dem Hafen wird also kein fertiges Stadtquartier nach Prospekt. Zuerst wird um Flächen, Funktionen und Prioritäten gerungen.

«Heimathafen Basel»

Barbara Lüem hat die Geschichte der Schweizer Rhein- und Hochseeschifffahrt in ihrem Buch «Heimathafen Basel» dokumentiert. Das 2003 im Christoph Merian Verlag erschienene Werk erzählt von Reedereien, Hafenarbeitern, Rheinschiffern und Rudolf Gelpke, einem der wichtigsten Wegbereiter der modernen Basler Rheinschifffahrt.

Das Buch erinnert daran, dass der Hafen mehr ist als Umschlagsstatistik und Infrastruktur. Er ist Arbeitsort, Verkehrssystem und ein Stück Basler Geschichte. Kürys Kräne graben sich heute in Container statt in Kohle. Zu tun haben sie weiterhin.


Weiterführende Informationen

Stand: September 2026. Umschlagszahlen und Projekttermine können sich verändern.