Die Basler Schifflände

Wo heute die Ausflugsschiffe der weissen Flotte anlegen und grüne Drämmli im Minutentakt Passagiere ausspucken, schlug über Jahrhunderte das maritime Herz Basels: Die Schifflände ist der älteste Hafen der Stadt. Hier landeten die Weidlinge der Fischer, hier löschten Schiffer schwere Lastkähne, und hier wachte das mächtige Rheintor über den Zugang zur Stadtmauer.

Vom Zunfthafen zum Verkehrsknotenpunkt
Lange bevor moderne Rheinhäfen in Kleinhüningen oder Birsfelden gebaut wurden, wickelte sich der gesamte Flussverkehr unmittelbar unterhalb der Rheinbrücke ab. Die 1354 gegründete Zunft zu Schiffsleuten hatte ihr Zunfthaus direkt am Ufer. Hier wurden Waren gelöscht, verzollt und in die Gassen des Grossbasels transportiert.
Überragt wurde die Szenerie vom alten Rheintor – einem wehrhaften Festungsturm der Basler Stadtmauer, den Bischof Heinrich von Thun wohl um 1225 zeitgleich mit der ersten Holzbrücke errichten liess. Doch mit dem Aufkommen moderner Fuhrwerke wurde das enge Tor zum Nadelöhr. Nach einer hitzigen Debatte im Grossen Rat fiel der Beschluss: Im Februar 1839 wurde das Rheintor geschleift, um Platz für den wachsenden Stadtverkehr zu schaffen.
Das Gesicht des Platzes wandelte sich rasant: Neben dem traditionsreichen «Hotel Les Trois Rois» und dem Brunnen «Knabe mit Fisch» etablierte sich die Schifflände als Schaltzentrale der Mobilität. Seit dem 6. Mai 1895 wird der Platz von den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) bedient und wuchs zu einem der wichtigsten Knotenpunkte des städtischen Tram- und Busnetzes heran.
Der Tauzieher an der Kaimauer
Wer an der Kante der Anlegestelle verweilt, blickt nicht nur auf die Strömung, sondern auch auf ein bemerkenswertes Stück Basler Kunstgeschichte im öffentlichen Raum. In der Basler Zeitung vom 26. Mai 2014 widmete Dominik Heitz diesem oft übersehenen Denkmal eine feine Betrachtung:
Seilziehen ist populär. Tauziehen weniger, denn hier geht es neben dem Ziehen auch darum, das Seil fachgerecht zu verknoten, um das Schiff in seiner Position zu halten. An der Anlegestelle Schifflände ist ein solcher Tauzieher in Stein gehauen. Der Bildhauer Max Uehlinger (1894–1981) hat das Relief im Auftrag des staatlichen Kunstkredits um 1927 herum geschaffen. Und ein wenig erinnert der kraftvolle Mann an die athletischen Figuren eines Auguste Rodin.
Die Meinungen zu dieser Steinmetzarbeit waren damals geteilt. «Es ist zu oft eine heikle Sache, an schon vorhandenen Bauten nachträglich künstlerischen Schmuck anzubringen», hiess es in der Neuen Zürcher Zeitung im März 1927 über den Entwurf. «Das gilt diesmal vor allem für das Relief an der Schifflände, das sich der Mauer kaum organisch und glücklich eingliedern wird.» Ganz anders wurde ein Jahr später in einem Artikel in der Arbeiter Zeitung vom 12. September 1928 über das ausgeführte Werk geschrieben. «Endlich hat der keineswegs populäre Kunstkredit ein Werk schaffen lassen, an dem auch jene ihre Freude haben werden, die nach der Meinung der Kunstsachverständigen – es können darunter solche sein, die mehr Kunstverständnis zeigen, als sie haben – ‹nichts› verstehen», hiess es da. «Wir fürchten aber doch, das Relief wird weniger Aufsehen erregen als die Amazone, die niemandem gefällt.»
Heute ist die Amazone von Carl Burckhardt, mehr oder weniger über dem Tauzieher stehend, eines der zahlreichen kleinen Wahrzeichen unserer Stadt. Ein grösseres stellt die markante aus Beton gebaute Antoniuskirche von Karl Moser dar. Für sie hat Max Uehlinger im Jahr 1927 die Kreuzwegstationen geschaffen.
Dominik Heitz, Basler Zeitung (26.05.2014)


Weiterführende Links: Kunst, Brücken und Schifffahrt
- Die Amazone von Carl Burckhardt – die stolze Wächterin am Grossbasler Brückenkopf direkt über dem Tauzieher.
- Die Mittlere Brücke von Basel – von Bischof Heinrich von Thun bis zum Brückenneubau von 1905.
- Die Birsigmündung an der Schifflände – wo der unterirdische Stadtfluss unter dem Hotel Les Trois Rois in den Rhein mündet.



