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Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

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Meisterklasse der Literaturrecherche: Ein strukturierter Ansatz zur Forschungssynthese

Meisterklasse der Literaturrecherche: Ein strukturierter Ansatz zur Forschungssynthese

KI & Wissenschaft · Praxis

Die KI findet viel. Eine Recherche braucht mehr.

Eine Literaturrecherche wird durch eine klare Frage, dokumentierte Suchwege und überprüfte Quellen belastbar. KI kann diese Arbeit beschleunigen. Die methodischen Entscheidungen bleiben bei der forschenden Person.

Illustration einer digital unterstützten Literaturrecherche

Eine plausible Quellenliste ist noch keine Literaturrecherche

Wer eine KI nach den wichtigsten Studien zu einem Thema fragt, erhält oft eine überzeugend klingende Übersicht. Darin können einschlägige Arbeiten stehen. Manchmal stehen dort auch Quellen aus dem Paralleluniversum: passender Titel, glaubwürdiges Journal, erfundene Studie.

Darum beginnt eine seriöse Recherche mit dem Verfahren. Die Fragestellung wird eingegrenzt. Datenbanken, Suchbegriffe, Zeitraum sowie Ein- und Ausschlusskriterien werden festgelegt. Danach folgen Sichtung, Qualitätsprüfung, Datenerfassung und Synthese. Jeder Schritt muss nachvollziehbar bleiben.

KI ist ein guter Rechercheassistent. Als selbst ernannte Quelle hat sie einen Hang zur Bibliografie aus dem Nebel.

Was sich verändert hat

Neben klassischen Datenbanken stehen heute spezialisierte Recherchewerkzeuge zur Verfügung. Sie suchen semantisch, zeigen Zitationsnetze, unterstützen das Screening oder extrahieren Angaben aus Studien. Das spart Zeit und hilft beim Entdecken verwandter Begriffe.

Die Werkzeuge haben unterschiedliche Bestände und blinde Flecken. Medizinische Fragen gehören etwa in PubMed und weitere Fachdatenbanken. Für kultur- oder sozialwissenschaftliche Themen können Google Scholar, JSTOR, Bibliothekskataloge und fachspezifische Archive wichtiger sein. Eine anspruchsvolle Recherche kombiniert mehrere Zugänge und dokumentiert, wo gesucht wurde.

Begriffsklärung: Eine «systematische Literaturübersicht» folgt einem vorab festgelegten und dokumentierten Verfahren. Ein Chatbot kann dieses Verfahren vorbereiten und unterstützen. Ein einzelner Prompt ersetzt weder die Datenbanksuche noch das Screening, die Qualitätsbewertung und die fachliche Kontrolle.

Drei Formen, drei Ansprüche

01

Narrative Übersicht

Ordnet wichtige Positionen und Debatten. Auswahl und Gewichtung werden begründet, erheben aber keinen Anspruch auf vollständige Erfassung.

02

Scoping Review

Kartiert ein Forschungsfeld, Begriffe, Methoden und Lücken. Geeignet für breite oder noch wenig geordnete Themen.

03

Systematic Review

Beantwortet eine präzise Frage mit protokollierter Suche, definierten Auswahlkriterien und nachvollziehbarer Bewertung.

Der Rechercheprozess in sieben Schritten

  1. Frage und Zweck klären: Soll das Feld erkundet, eine konkrete Wirkung geprüft oder eine Debatte eingeordnet werden?
  2. Umfang festlegen: Zeitraum, Sprachen, Fachgebiet, Publikationstypen, geografischer Raum sowie Ein- und Ausschlusskriterien bestimmen.
  3. Begriffe entwickeln: Hauptbegriffe, Synonyme, englische Varianten, Ober- und Unterbegriffe sowie kontrolliertes Vokabular sammeln.
  4. Suchstrategie bauen: Suchbegriffe mit AND, OR, Anführungszeichen und passenden Datenbankfeldern kombinieren. Jede Datenbank verlangt eine angepasste Syntax.
  5. Suche dokumentieren: Datenbank, Suchdatum, vollständige Suchzeile, Filter und Zahl der Treffer festhalten. So bleibt der Weg reproduzierbar.
  6. Treffer prüfen: Titel und Abstracts sichten, Volltexte nach festgelegten Kriterien beurteilen und Ausschlüsse begründen.
  7. Ergebnisse synthetisieren: Methoden, Befunde, Grenzen, Widersprüche und Forschungslücken vergleichbar darstellen. Die Stärke eines Ergebnisses hängt von der Qualität der zugrunde liegenden Studien ab.

Eine sinnvolle Arbeitsteilung

Die KI unterstützt

  • Fragestellungen schärfen
  • Synonyme und Suchbegriffe entwickeln
  • Suchstrings für Datenbanken entwerfen
  • Screening- und Extraktionstabellen vorbereiten
  • bereitgestellte Studien vergleichen
  • Widersprüche und Beleglücken markieren

Der Mensch entscheidet

  • welche Frage beantwortet werden soll
  • welche Datenbanken und Kriterien angemessen sind
  • welche Studien ein- oder ausgeschlossen werden
  • wie zuverlässig Methoden und Resultate sind
  • welche Interpretation die Befunde tragen
  • welche Regeln für KI-Nutzung und Offenlegung gelten

Vier Prüfungen für jede Quelle

PrüfungFrageZu kontrollieren
ExistenzGibt es die Quelle wirklich?Titel, Autorenschaft, Jahr, Journal und DOI oder PMID im Originaldatensatz prüfen.
PassungBeantwortet sie meine Frage?Population, Gegenstand, Methode, Zeitraum und untersuchte Wirkung vergleichen.
QualitätWie belastbar ist die Studie?Design, Stichprobe, Messverfahren, Ausfälle, Verzerrungen und Einschränkungen beurteilen.
AussageTrägt die Quelle meinen Satz?Originaltext lesen. Zusammenhang, Ursache und Interpretation sauber trennen.

Prompt: Recherche planen, Quellen prüfen, Ergebnisse ordnen

Der Prompt arbeitet absichtlich schrittweise. Er verlangt überprüfbare bibliografische Angaben und verbietet erfundene Quellen.

ROLLE
Du bist mein methodischer Assistent für wissenschaftliche Literaturrecherche. Du hilfst mir, eine nachvollziehbare Suchstrategie, ein Prüfverfahren und eine strukturierte Synthese zu entwickeln. Du formulierst präzise und trennst gesicherte Angaben, Interpretationen und offene Fragen.

ARBEITSMODUS
1. Stelle immer nur eine Frage und warte auf meine Antwort.
2. Beginne mit meiner Forschungsfrage, dem Fachgebiet und dem Zweck der Übersicht.
3. Kläre danach, ob ich eine narrative Übersicht, einen Scoping Review oder einen Systematic Review anstrebe.
4. Erfinde keine Quellen, Titel, Autorennamen, Zeitschriften, DOI, PMID oder Zitate.
5. Verwende nur Quellen, deren Datensatz oder Volltext ich bereitstelle oder die du tatsächlich öffnen und überprüfen kannst.
6. Wenn du keinen verlässlichen Zugriff auf eine Quelle hast, markiere sie als «NICHT VERIFIZIERT» und verwende sie nicht als Beleg.
7. Weise mich auf Widersprüche, methodische Schwächen und fehlende Angaben hin.
8. Beachte die Vorgaben meiner Hochschule, Institution oder Zielzeitschrift zur Nutzung und Offenlegung von KI.

FRAGEN
Kläre mit mir nacheinander:
- Forschungsfrage und Erkenntnisziel
- Fachgebiet und geeigneter Fragerahmen
- Zielgruppe und Verwendungszweck
- Zeitraum, Sprachen und geografischer Raum
- gewünschte Publikations- und Studientypen
- Ein- und Ausschlusskriterien
- verfügbare Datenbanken und Zugänge
- gewünschter Zitierstil und Umfang

SUCHSTRATEGIE
Erstelle nach meinen Antworten:
1. eine präzise Arbeitsfrage;
2. eine Begriffsmatrix mit Hauptbegriffen, Synonymen, englischen Varianten, Ober- und Unterbegriffen sowie geeignetem kontrolliertem Vokabular;
3. begründete Vorschläge für passende Fachdatenbanken;
4. für jede Datenbank einen eigenen Suchstring mit korrekter Boolescher Logik;
5. ein Suchprotokoll mit Datenbank, Datum, Suchstring, Filtern und Trefferzahl;
6. klare Ein- und Ausschlusskriterien für Titel-, Abstract- und Volltextprüfung.

QUELLENPRÜFUNG
Prüfe jede verwendete Quelle auf:
- vollständigen Titel;
- Autorenschaft;
- Publikationsjahr;
- Journal oder Herausgeber;
- DOI, PMID oder stabile URL;
- untersuchte Fragestellung;
- Studiendesign und Stichprobe;
- zentrale Ergebnisse;
- Einschränkungen;
- Relevanz für meine Forschungsfrage.

Übernimm keine Behauptung allein aus einer KI-Zusammenfassung. Verlange den Originaltext oder einen verlässlichen bibliografischen Datensatz, wenn eine Aussage entscheidend ist.

AUSGABE
Erstelle am Ende:
A. Forschungsfrage und abgegrenzten Untersuchungsrahmen
B. Begriffsmatrix
C. Datenbank- und Suchplan
D. vollständige Suchstrings
E. Ein- und Ausschlusskriterien
F. Vorlage für das Screening
G. Extraktionstabelle mit Quelle | Methode | Stichprobe | Befund | Einschränkung | Relevanz
H. thematische Synthese mit Übereinstimmungen, Widersprüchen und Forschungslücken
I. Liste aller nicht verifizierten oder fehlenden Angaben
J. dokumentierten Rechercheweg zur späteren Aktualisierung

QUALITÄTSKONTROLLE
Prüfe vor der Schlussfassung:
- Ist die Forschungsfrage eng genug?
- Decken die Suchbegriffe wichtige Synonyme und Gegenbegriffe ab?
- Passt die Suchsyntax zur jeweiligen Datenbank?
- Lassen sich alle Quellen eindeutig nachweisen?
- Trägt jede Quelle tatsächlich die ihr zugeschriebene Aussage?
- Sind Auswahlentscheidungen und Ausschlüsse nachvollziehbar?
- Werden Einzelstudien nicht als allgemeiner Konsens dargestellt?

Zeige mir zuerst die offenen Punkte und Verbesserungsvorschläge. Frage danach, ob du die endgültige Fassung erstellen sollst.
Illustration zur Prüfung und Ordnung wissenschaftlicher Quellen

Was am Ende vorliegen sollte

Eine gute Recherche liefert mehr als einen Text. Sie hinterlässt einen Suchplan, ein Protokoll, nachvollziehbare Auswahlentscheidungen, eine geprüfte Quellenliste und eine Übersicht der verbleibenden Unsicherheiten. Dadurch kann eine andere Person den Weg kontrollieren oder die Suche später aktualisieren.

Genau dabei ist KI nützlich: Sie hält den Prozess zusammen und macht Lücken sichtbar. Lesen, prüfen und urteilen muss weiterhin jemand, der das Fach und die Frage versteht.

Die Maschine kann schneller suchen. Wissenschaft beginnt dort, wo jemand begründet, warum ein Treffer zählt.