Tunnel unter dem Rhein

Während im Sommer Tausende Menschen im Strom treiben und Schiffe die Wasserstrasse kreuzen, bleibt eine andere Seite des Rheins unsichtbar: Unter dem Fluss verlaufen begehbare Leitungstunnel und Abwasserdüker. Sie verbinden die beiden Ufer und gehören zum verborgenen Nervensystem der Stadt.

Das Nervensystem der Stadt im Flussbett
Die beiden Rheinufer sind nicht nur durch Brücken und die vier historischen Fähren miteinander verbunden. Tief im Untergrund verlaufen auch technische Verbindungen für Wasser, Energie, Kommunikation und Abwasser. Einige dieser Röhren sind begehbar, andere bleiben selbst für Fachleute nur unter besonderen Bedingungen zugänglich.
Ein Düker ist eine Druckleitung, die ein Hindernis unterquert – etwa eine Strasse, eine Bahnlinie oder einen Fluss. Der Begriff hängt mit dem niederländischen Wort duiker, «Taucher», zusammen. In Basel erfüllen die Unterquerungen unterschiedliche Aufgaben.
1. Der Leitungstunnel der Nordtangente
Der grösste begehbare Rheinabschnitt entstand in den 1990er-Jahren im Zusammenhang mit dem Bau der Nordtangente. Der Tunnel ist rund 362 Meter lang; seine Schächte führen auf beiden Seiten des Flusses etwa 20 bis 25 Meter in die Tiefe. Er ist Teil eines grösseren Basler Netzes unterirdischer Leitungswege.
In solchen Tunneln verlaufen unter anderem Leitungen für Elektrizität, Trinkwasser, Gas, Fernwärme und Telekommunikation. Auch gasförmiger Sauerstoff und Stickstoff für die produzierende Industrie werden durch das unterirdische Netz geführt. Die Leitungen bleiben dadurch geschützt und können gewartet werden, ohne jedes Mal Strassen aufzureissen.
Dieser Video-Rundgang vermittelt einen Eindruck von der technischen Welt unter Basel:
2. Der Rheindüker im St. Johann
Eine zweite begehbare Röhre liegt zwischen Johanniter- und Dreirosenbrücke. Der rund 253 Meter lange Rheindüker der IWB führt Fernwärme-, Wasser-, Gas- und Stromleitungen von Ufer zu Ufer. Er verläuft ungefähr zwölf Meter unter dem Rheinboden.
Im Alltag bleibt der Zugang verschlossen. Bei einzelnen Führungen und während des Stadtraumfestivals Flâneur konnten Besucherinnen und Besucher die Röhre jedoch begehen. Mit Helm führte der Weg unter dem Fluss hindurch – eine seltene Begegnung mit jener Infrastruktur, die sonst vollständig im Hintergrund arbeitet.
3. Abwasserdüker bei Wettstein und Dreirosen
Zwei weitere Unterquerungen dienen dem Abwassertransport. Weil die Basler Abwasserreinigungsanlage in Kleinhüningen auf der Kleinbasler Seite liegt, muss auch Abwasser aus Grossbasel unter dem Rhein hindurchgeführt werden. Dafür sorgen die Düker bei der Wettstein- und der Dreirosenbrücke.
Diese Röhren sind keine Spazierwege. Für Kontrollen und Sanierungen müssen sie abschnittsweise ausser Betrieb genommen, geleert und gereinigt werden. Ablagerungen werden mit Spezialgeräten und Kanalrobotern entfernt. Die Arbeit bleibt unsichtbar, ist aber entscheidend für das Funktionieren der städtischen Abwasserentsorgung.






