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ralu.ch

Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

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Ich habe eine kleine Webanwendung gebaut. Ohne sie zu programmieren.

Ich habe eine kleine Webanwendung gebaut. Ohne sie zu programmieren.

Der neue KI-Kompass auf ralu.ch zeigt, was mit Sites in ChatGPT möglich wird – und weshalb die entscheidende Arbeit weiterhin beim Menschen liegt.

Am Anfang stand ein ziemlich gewöhnliches Problem:

Auf ralu.ch gibt es inzwischen zahlreiche Beiträge über künstliche Intelligenz. Über Schreiben, Recherchieren, Unterricht, Organisation, Unternehmen und Gesundheitswesen.

Das Angebot wuchs. Die Übersicht schrumpfte.

Wer wissen wollte, wo KI im eigenen Alltag sinnvoll eingesetzt werden könnte, fand Artikel, Prompts und Beispiele. Er musste allerdings zuerst wissen, wonach er suchte. Das ist ungefähr so hilfreich wie eine Bibliothek, die ihre Bücher nach der Farbe des Umschlags sortiert.

(Die Suche über das Suchfenster nach Stichworten funktioniert aber nach wie vor).

Also entstand die Idee eines KI-Kompasses.

Die Anwendung stellt fünf Fragen. Sie will wissen, wobei jemand Zeit verliert, welches Ergebnis entstehen soll, welche Rolle die KI übernehmen darf und wo das grösste Risiko liegt. Danach schlägt sie einen Einstieg vor.

Das Resultat besteht aus vier Teilen: einer konkreten Anwendung, einem direkt nutzbaren Prompt, einem Prüfschritt und einem passenden Beitrag auf ralu.ch. Und alles kostenlos als Service.

Die Antworten führen zu sechs Bereichen: Schreiben, Recherchieren, Lernen, Planen, Arbeit und Gesundheitsinformationen. Der Kompass diagnostiziert weder Menschen noch Unternehmen. Er zeigt lediglich eine Richtung. Deshalb heisst er Kompass und nicht Bundesamt für endgültige Antworten.

Gebaut im Gespräch

Entwickelt habe ich die Anwendung mit Sites in ChatGPT.

Das Wort «entwickelt» braucht hier eine kurze Erklärung. Ich habe keinen Programmcode geschrieben (ausser ein wenig HTML). Ich habe beschrieben, was die Anwendung tun soll. Wir haben die Fragen festgelegt, die möglichen Ergebnisse formuliert, Schwächen korrigiert, die Gestaltung angepasst und den Kompass schliesslich als eigene Website veröffentlicht.

Der Arbeitsprozess ähnelte weniger dem klassischen Programmieren als einem ausführlichen Redaktionsgespräch. Was ist das Ziel? Für wen ist die Anwendung gedacht? Welche Frage verändert das Ergebnis tatsächlich? Wo braucht es eine Warnung? Welcher Satz ist verständlich, welcher bloss technisch korrekt?

ChatGPT setzte diese Entscheidungen technisch um. Ich prüfte, verwarf, ergänzte und entschied.

Das klingt unspektakulär. Genau das ist spektakulär.

Noch vor kurzer Zeit hätte eine solche Idee mehrere Fachpersonen, ein Budget und wahrscheinlich eine Sitzung mit Mineralwasser und viel Kaffee benötigt. Heute kann jemand ohne Programmiererfahrung innerhalb eines Nachmittags einen funktionierenden Prototyp entwickeln.

Das bedeutet nicht, dass plötzlich jeder gute Anwendungen baut. Die technische Hürde sinkt. Die konzeptionelle bleibt stehen.

Eine Website kann auch Unsinn sehr zuverlässig ausliefern

Eine funktionierende Anwendung ist noch keine sinnvolle Anwendung. Sie kann falsche Fragen stellen, schiefe Empfehlungen geben und ihre Nutzer mit grosser Eleganz in die falsche Richtung schicken.


Experiment

Deshalb trägt der KI-Kompass das Label «Experiment».

Ich möchte herausfinden, ob seine Fragen verständlich sind, ob die Empfehlungen passen und ob die erzeugten Prompts im Alltag etwas taugen. Das lässt sich am Schreibtisch nur begrenzt entscheiden. Anwendungen zeigen ihre Schwächen gern erst dann, wenn echte Menschen auf sie losgelassen werden.

Dabei folgt der Kompass einer einfachen Haltung: KI darf ordnen, Varianten liefern, erklären und Rückfragen stellen. Sie übernimmt weder die Verantwortung noch das abschliessende Urteil.

  • Beim Recherchieren bedeutet das: Quellen öffnen und prüfen.
  • Beim Schreiben: den eigenen Ton verteidigen.
  • Beim Lernen: das Ergebnis selbst erklären können.
  • Bei medizinischen Themen: Beobachtungen ordnen, Diagnosen den Fachpersonen überlassen.

Die Maschine liefert Vorschläge. Denken bleibt eine menschliche Veranstaltung, trotz gelegentlicher Gegenbeweise.

Jetzt beginnt der interessante Teil

Der KI-Kompass ist öffentlich zugänglich und kann kostenlos ausprobiert werden. Die fünf Fragen dauern ungefähr zwei Minuten. Am Ende lässt sich der vorgeschlagene Prompt kopieren und in einem eigenen KI-Chat verwenden.

Mich interessieren besonders drei Rückmeldungen:

  • Passt die Empfehlung zu deinem Anliegen?
  • Ist der vorgeschlagene Prompt praktisch brauchbar?
  • Welche Frage oder Antwortmöglichkeit fehlt?

Hinweise, Kritik und Fehlermeldungen nehme ich gern unter
info@ralu.ch entgegen.

Lob wird aus Gründen der wissenschaftlichen Redlichkeit ebenfalls ausgewertet.


Den interaktiven KI-Kompass ausprobieren →

Vielleicht wird daraus eine zweite, bessere Version. Vielleicht zeigt das Experiment auch, wo die Grenzen solcher Werkzeuge liegen.

Beides wäre ein brauchbares Ergebnis.