Fünf Fenster zum Rhein – Dem Rhein auf der Spur

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit diesem Stück Rhein. Mit seinen Ufern und Brücken, den Menschen, den Bauten, seiner Geschichte und dem Wasser, das alles miteinander verbindet. Und ich werde wohl noch eine Weile damit beschäftigt sein. Was es hier am, im, auf, über und um den Rhein zu entdecken gibt, beschreibe ich in «uferlos.». Neue Beobachtungen stehen neben Texten, die in den vergangenen Jahren entstanden sind und die ich weiterführe, ergänze und korrigiere.
«uferlos.» ist das fortlaufende Protokoll dieser Annäherung. Es geht um Stadt und Geschichte, um Menschen und Bauten – und manchmal um einen Blick, der am Wasser hängen bleibt.
Fünf Fenster zum Fluss
Um den Rhein zu verstehen, muss man nicht nass werden. Fünf Adressen, die jede Baslerin und jeder Basler mit Flussanschluss im Lesezeichen haben sollte.
Der Rhein hat es gut. Er fliesst einfach, und alle anderen schreiben über ihn. Chronisten, Geometer, Ingenieure, Hafenleute und ein paar hartnäckige Private haben in den letzten Jahrhunderten mehr Material angehäuft, als in einen Wickelfisch passt.
Erstaunlich viel davon liegt frei im Netz. Hier sind fünf Seiten, auf denen ich mich regelmässig verliere. Mit Absicht.
1. altbasel.ch – ein Stadtgedächtnis in Handarbeit
Hinter altbasel.ch steht Roger Jean Rebmann. Das merkt man, und das ist ein Kompliment. Die Seite bietet eine historische Zeittafel, einen Schlagwortkatalog und Dossiers zu Bauwerken, Friedhöfen, Zünften und vielen anderen Basler Themen.
Wer wissen will, wie Fischer und Schiffleute in der Stadt organisiert waren, kann bei den Zünften anfangen. Rebmann schreibt mit Haltung. In seinen «Zvieriglossen» nimmt er auch jene aufs Korn, die dem guten alten Basel nachtrauern – jenem Basel also, in dem der Birsig als offene Kloake durch die Stadt floss. Und wer eine Frage zum alten Basel hat, findet auch dafür eine eigene Abteilung.
Zur Seite:
altbasel.ch
2. Basler Stadtbuch – das Gedächtnis mit Suchfeld
1879 erschien das erste Basler Jahrbuch, die Basler Chronik wird seit 1882 geführt. Heute stellt die Christoph Merian Stiftung sämtliche 136 gedruckten Ausgaben online zur Verfügung: mehr als 43’000 Druckseiten sowie rund 33’500 Einträge der Chronik.
Man tippe «Hochwasser», «Fähre» oder «Rheinschwimmen» ins Suchfeld und stelle fest: Diese Stadt hat nie aufgehört, über ihren Fluss zu reden. Die Chronik lässt sich bis auf einzelne Tage durchsuchen. Ideal für alle, die wissen möchten, was am Rheinknie los war, während sie selbst im Stau am Gotthard standen.
Zur Seite:
baslerstadtbuch.ch
3. Basler Bauten – Basel vor dem grossen Umbau
Die Macher dieser Seite nehmen den Löffelplan von 1862 als Ausgangspunkt und stellen den damaligen Bauten eine einfache Frage: Was ist aus ihnen geworden?
Grün markiert sind Bauten und Anlagen, die die grossen Veränderungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts weitgehend überlebt haben, rot jene, die verschwunden sind. Dazu gibt es Angaben dazu, wann und weshalb sie weichen mussten.
Für Flussmenschen lohnen sich besonders die Bereiche zu Brücken, Stadtbefestigungen und Gewässern. Historische Stadtpläne reichen vom Merianplan bis zum Löffelplan. Man spaziert durch eine Stadt, die es so nicht mehr gibt, und merkt bald, wie viel von Basel mit seinem Wasser zu tun hatte.
Zur Seite:
basler-bauten.ch
4. Geoportal Basel-Stadt – die Zeitmaschine vom Vermessungsamt
Das nüchternste Portal dieser Liste liefert vielleicht das spektakulärste Erlebnis.
Unter «Historische Karten» stellt der Kanton georeferenzierte Pläne bereit. Dazu gehören unter anderem der auf Samuel Ryhiners Karte von 1784 beruhende Ryhinerplan von 1786, der Löffelplan von 1862 und verschiedene Übersichts-, Kataster- und Stadtpläne des 19. und 20. Jahrhunderts.
Die historischen Karten lassen sich mit der heutigen Stadt vergleichen. Plötzlich beginnt das Rheinufer zu wandern. Strassen verschwinden, Grundstücke verändern sich, alte Siedlungsstrukturen tauchen wieder auf.
Dass ausgerechnet das Grundbuch- und Vermessungsamt eines der besten Reisebüros in die Basler Vergangenheit betreibt, gehört zu den schönen Pointen des Kantons.
Zu den historischen Karten:
Geoportal Basel-Stadt / MapBS
5. Schweizerische Rheinhäfen – wo die Schweiz ans Meer grenzt
Am 2. Juni 1904 erreichte der Dampfschlepper «Johann Knipscheer IX» mit dem Schleppkahn «Christina» Basel. An Bord waren 300 Tonnen Kohle für das Gaswerk St. Johann. Die Fahrt gilt als Beginn der modernen Grossschifffahrt nach Basel.
Was damals noch als Wagnis galt, wurde zur Grundlage der heutigen Schweizerischen Rheinhäfen mit ihren Anlagen in Basel-Kleinhüningen, Birsfelden und Muttenz-Au.
Auf der Website lässt sich verfolgen, wie die Rheinschifffahrt funktioniert, was in den Häfen umgeschlagen wird und welche Rolle der Rhein bis heute für die Versorgung der Schweiz spielt.
Pflichtlektüre für alle, die beim Rheinschwimmen schon einmal von einem Frachter überholt wurden und sich fragten, woher der eigentlich kommt.
Zur Seite:
Port of Switzerland – Schweizerische Rheinhäfen
Fünf Adressen, ein Fluss.
Wer sie alle durchklickt, verpasst womöglich einen Abend am Wasser. Ich empfehle deshalb die Reihenfolge: zuerst lesen, dann hinunter ans Ufer.
Der Rhein wartet. Das tut er schon eine ganze Weile.



