Restaurant Spillmann am Rheinsprung

Es war doch bloss ein Restaurant. Pardon. Nicht ganz. Von der Terrasse am Rheinsprung fällt der Blick über den Rhein zum Grossbasel. Doch «Spillmann» war weit mehr als eine gute Adresse mit Aussicht. Der Name steht für ein Stück Basler Gesellschafts-, Mode- und Familiengeschichte – und diese Geschichte reicht bis zum heutigen Club de Bâle.

Ein Haus der Familie Spillmann
Die Geschichte beginnt mit Fred Spillmanns Vater Heinrich Spillmann, einem Basler Konditormeister. Für ihn entstand zwischen 1912 und 1914 das markante Wohn- und Geschäftshaus am Rheinsprung 1, unmittelbar beim Grossbasler Kopf der Mittleren Brücke. Im Erdgeschoss führte Heinrich Spillmann seine Confiserie mit Läckerli-Fabrikation; ein eingeschossiger Anbau auf der Rheinseite diente als Café.
Die Familie war zugleich mit der benachbarten Liegenschaft Rheinsprung 5 verbunden. Die beiden Häuser Rheinsprung 1 und 5 werden bis heute von der 1957 gegründeten Zum Rheinsprung AG verwaltet. Aus diesem Ensemble entwickelte sich über Jahrzehnte jener Ort, den Basel als Café und Restaurant Spillmann kannte.
Fred Spillmann: Haute Couture am Rheinsprung
Fred Spillmann wurde 1915 in Basel geboren. Nach Kursen an der Allgemeinen Gewerbeschule studierte er 1931 an der Kunstschule von Albert Reimann in Berlin. Ab 1932 arbeitete er in Paris zunächst beim Couture-Haus Philippe et Gaston und danach bei Elsa Schiaparelli. Nach Aufenthalten in Wien und Budapest kehrte er 1936 nach Basel zurück.
1937 eröffnete er mit Unterstützung seiner Eltern im Haus am Rheinsprung einen eigenen Couturesalon. Von 1949 bis zu seinem Tod 1986 führte er im Erdgeschoss eine Boutique – laut Historischem Lexikon der Schweiz die erste ihrer Art in Basel.
Spillmann entwarf elegante und bisweilen verwegene Kleider, dazu Hüte, Schuhe, Handtaschen und Theaterkostüme. Seine Kundschaft kam aus der Deutschschweiz und dem angrenzenden Ausland. Auch internationale Namen gehörten dazu; belegt ist etwa, dass er Grace Kelly einkleidete.
Berühmt waren jedoch nicht nur die Kleider. Die zweimal jährlich veranstalteten Modeschauen wurden zu gesellschaftlichen Ereignissen. Rund um Spillmanns Salon traf sich ein Teil jenes Basel, das später gern mit dem französischen Ausdruck «tout Bâle» beschrieben wurde. Spillmann selbst gehörte zur Inszenierung: extravagant gekleidet, eigenwillig, sichtbar und für das bürgerliche Basel oft ebenso faszinierend wie irritierend.
Die letzte Modeschau
Am 18. September 1986 starb Fred Spillmann im Alter von 71 Jahren – unmittelbar vor seiner 100. Modeschau. Sein langjähriger Lebenspartner André Louis Péguillet, genannt Péghy, brachte die Schau wenige Tage später dennoch über die Bühne.
Mit Spillmann verschwand nicht nur ein Couturier. Basel verlor eine jener Figuren, die einer Stadt Farbe geben, gerade weil sie sich schlecht einordnen lassen. Das Historische Museum Basel widmete seinem Werk 2003/04 eine grosse Ausstellung. Mehr als 40’000 Menschen besuchten sie.
Vom Café Spillmann zum Club de Bâle
Das Café und Restaurant Spillmann überlebte seinen berühmtesten Namensvertreter noch um Jahrzehnte. Die Familie Häberle führte den Gastronomiebetrieb lange weiter. 2013 wurde dessen Schliessung bekannt. Damals sorgte bereits ein neues Projekt für Gesprächsstoff: Aus dem traditionsreichen Lokal sollte ein exklusiver Mitgliederclub werden.
Das Vorhaben wurde zunächst mit beträchtlicher Skepsis begleitet. Medien berichteten über Absagen möglicher Mitglieder und stellten die Frage, ob Basel überhaupt einen solchen Club brauche. Im Oktober 2014 eröffnete der Club de Bâle am Rheinsprung 5 dennoch seine Türen.
Zwölf Jahre später ist die Frage beantwortet. Der Club besteht weiterhin. Er versteht sich als privater Business Club mit Gastronomie, Veranstaltungen und Räumen für Begegnungen und Gespräche. Inhaberin und Verwaltungsrätin ist Daniela Spillmann – Fred Spillmanns Nichte, selbst langjährige Modeunternehmerin.

Der Name ist geblieben
Das Restaurant Spillmann gibt es nicht mehr. Der Rheinsprung hat sich verändert, die Boutique ist verschwunden, und aus dem öffentlichen Restaurant wurde ein privater Club. Der Name Spillmann aber ist an diesem Stück Basel noch immer präsent.
Vielleicht passt das sogar zur Geschichte des Ortes. Seit mehr als hundert Jahren wurde hier verkauft, gegessen, Mode gemacht, ausgestellt, gefeiert und Gesellschaft gepflegt. Die Formen ändern sich. Die Terrasse über dem Rhein bleibt.
Quellen und weiterführende Informationen
- Historisches Lexikon der Schweiz: Fred Spillmann
- Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt: Inventar Rheinsprung 1
- SRF «Persönlich»: Daniela Spillmann
- Club de Bâle: heutige Nutzung am Rheinsprung 5
- Historisches Museum Basel: «Haute Couture in Basel – Fred Spillmann»
Stand der Aktualisierung: Oktober 2026.






