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Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

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Fischergalgen am Rhein bei Basel

Sie stehen knapp über dem Wasser, halb Maschine, halb Hütte. Die Fischergalgen gehören zum Basler Rheinbild. Ihre Geschichte reicht weit zurück – allerdings nicht ganz so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Die kleinen Fischerhäuser sind heute vor allem Orte der Ruhe und der Geselligkeit. Ihr ursprünglicher Zweck war jedoch eindeutig: Mit ihrer Hilfe wurde gefischt. Eine kantonale Verordnung definiert den Fischergalgen bis heute als Stahlkonstruktion mit Ausleger, Netz und Plattform. Die Hütte dient dabei als Wetterschutz. Andere Nutzungen sind nach dem Wortlaut der Verordnung nicht vorgesehen.

Eine Maschine am Fluss

Das Prinzip ist einfach und wirkungsvoll. An einem langen Metallausleger hängt ein quadratisches Senknetz. Mit einer Winde wird es in den Rhein hinabgelassen und später wieder hochgezogen. Gerät ein Fisch ins Netz, muss der Fischer im richtigen Augenblick reagieren.

Nicht jeder Fischergalgen besitzt eine Hütte. Die offenen Anlagen werden im Basler Sprachgebrauch auch «Böggli» oder «Böckli» genannt. Die geschlossenen Häuschen schützen vor Wind und Wetter – und gewähren ihren Besitzern ein Stück Privatheit direkt am Fluss.

Fischergalgen mit Senknetz am Rhein

Geeignete Standorte finden sich dort, wo Strömung, Uferform und Wassertiefe das Fischen mit einem Senknetz erlauben. Deshalb stehen die Galgen nicht gleichmässig verteilt, sondern an bestimmten Abschnitten zwischen Basel und dem Hochrhein.

Vom Salmenwoog zum Fischergalgen

Die ältere Geschichte gehört streng genommen nicht den heutigen Fischerhäuschen, sondern ihren Vorläufern: den Salmenwaagen. Solche Hebevorrichtungen sind in Basel bereits für das Jahr 1333 dokumentiert. Sie dienten vor allem dem Fang von Lachsen, die damals zum Laichen rheinaufwärts zogen.

Der Ausdruck «Woog» bezeichnete eine tiefe oder ruhigere Stelle im Wasser. An solchen Plätzen wurden die grossen Netze abgesenkt. Die Basler Salmenwaagen waren Arbeitsgeräte und dienten dem Broterwerb. Mit den heutigen, oft liebevoll eingerichteten Fischerhäuschen hatten sie äusserlich noch wenig gemeinsam.

Der Basler Historiker Eugen A. Meier beschreibt in seinem Buch z’Basel an mym Rhy – Von Fähren und Fischergalgen den Übergang zur modernen Form. Demnach entstand am Unteren Rheinweg 58 im Jahr 1889 eine Anlage, die bereits wesentliche Merkmale des heutigen Fischergalgens besass.

Das ist eine wichtige Unterscheidung: Die Fangtechnik besitzt eine Geschichte von fast sieben Jahrhunderten. Die heute vertraute Verbindung aus Galgen, Plattform und Hütte ist deutlich jünger. Im Jahr 1942 regelte der Kanton Basel-Stadt den Bau solcher Anlagen erstmals genauer.

Fischergalgen am Basler Rheinufer

Der grosse Fisch blieb aus

Als sich die moderne Form der Fischergalgen verbreitete, veränderte sich der Rhein bereits grundlegend. Kraftwerke, Flussverbauungen und die Verschmutzung des Wassers setzten den wandernden Fischarten zu. Besonders der Lachs, der einst in grossen Mengen den Rhein hinaufzog, verschwand fast vollständig.

Damit verloren die Fischergalgen ihre wirtschaftliche Bedeutung. Aus Arbeitsplätzen wurden Rückzugsorte. Die Fischer blieben dem Rhein verbunden, doch der Fang war nun eher Leidenschaft als Lebensgrundlage.

Einen persönlichen Einblick vermittelt das Porträt von Anton Hofer, in Basel besser bekannt als «Forellen-Toni». Der leidenschaftliche Fischer engagiert sich seit Jahren für den Rhein und seine Fischbestände. «Petri Heil» hat ihn an seinem Basler Bach besucht.

Der Rhein gewinnt immer

Wie verletzlich die kleinen Bauten sind, zeigte das Hochwasser im Sommer 2021. Der Rhein unterspülte Teile des Ufers an der Grenzacherstrasse. Fundamente verloren ihren Halt; zwei Fischergalgen wurden zerstört, ein weiterer galt als gefährdet.

Die Situation zwang die Behörden, den betroffenen Uferabschnitt vorübergehend zu sperren. Das Ereignis erinnerte daran, dass die scheinbar idyllischen Häuschen unmittelbar in einem starken und unberechenbaren Fluss stehen. Die «bz» berichtete über die Schäden.

Hochwasserschäden bei den Fischergalgen in Basel
Das Hochwasser unterspülte das Rheinufer. Foto: Polizei Basel-Stadt
Beschädigter Fischergalgen nach dem Hochwasser
Einer der beschädigten Fischergalgen. Foto: Dimitri Hofer/BZ

Elf Galgen und der Streit von 2022

Im November 2022 wurde aus der Idylle eine politische Frage. Wegen der geplanten Sanierung der Solitude-Promenade prüfte der Kanton, ob elf Fischergalgen am Kleinbasler Ufer entfernt werden sollten. Insgesamt gab es damals 55 solcher Anlagen im Kanton.

Die zuständigen Fachstellen argumentierten, die Bauten seien für den Hochwasserschutz problematisch und hätten ihre ursprüngliche Funktion teilweise verloren. Eigentümer, Fischer und der Basler Heimatschutz hielten dagegen: Die Galgen seien ein unverwechselbarer Teil des Stadtbilds und eine bis heute gelebte Tradition.

Zeitungsbericht über die Basler Fischergalgen
Bericht zur Zukunft der Fischergalgen

«Die Fischergalgen abzureissen, wäre, als würde man die Fasnacht abschaffen.»

So fasste der Basler Heimatschutz seinen Widerstand in der Berichterstattung der «Basler Zeitung» zusammen.

Auch überregional stiess der Konflikt auf Interesse. SRF fragte, ob das Basler Kulturgut vor dem Aus stehe. Im Januar 2023 griff auch der Südwestrundfunk die Geschichte auf.

Medienbericht über den Erhalt der Fischerhäuschen
Berichterstattung über die Basler Fischergalgen

Vom gefährdeten Bauwerk zur lebendigen Tradition

Im August 2023 wurde die Galgenfischerei in das schweizerische Inventar der lebendigen Traditionen aufgenommen. Zuständig sind die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Aargau. Damit wird nicht nur eine Bauform gewürdigt, sondern das Wissen um das Senknetz, den Rhein und das gemeinsame Fischen.

Ende 2024 entschied der Kanton den Wettbewerb für die Neugestaltung der Solitude-Promenade. Der Siegerentwurf «MULTITUDE» setzt auf eine behutsame Weiterentwicklung und soll das vertraute Gesamtbild des Rheinufers bewahren. Das Vor- und Bauprojekt wird jedoch noch ausgearbeitet; der Baubeginn ist nach heutigem Stand frühestens für 2029 vorgesehen.

Eine endgültige Bestandesgarantie für jedes einzelne Häuschen lässt sich daraus noch nicht ableiten. Sicher ist aber: Die 2022 diskutierte Entfernung der elf Galgen kann nicht mehr als beschlossene Sache dargestellt werden. Aus dem drohenden Abriss ist eine Planungs- und Schutzaufgabe geworden.

Der Kanton Basel-Stadt informiert über das Siegerprojekt und den aktuellen Planungsstand.

Fischergalgen Nummer 55

Dass die Tradition nicht nur bewahrt, sondern auch weitergebaut wird, zeigt der Vereinsgalgen am Elsässerrheinweg. Der Verein Basler Galgenfischer begann 2019 mit dem Projekt; 2021 wurde der Neubau fertiggestellt. Das Basler Architekturbüro in situ führt ihn als «Fischergalgen Nr. 55».

Der Bau dient dem Verein als Treffpunkt und beherbergt ein kleines Museum. Dort lässt sich nachvollziehen, wie aus einer mittelalterlichen Fangtechnik ein Stück lebendiger Basler Stadtkultur geworden ist.

Fischergalgen Nummer 55 am Elsässerrheinweg
Fischergalgen Nr. 55 am Elsässerrheinweg. Foto: Marianne Schäfer
Standort des Fischergalgens Nummer 55
Der Fischergalgen steht in der Bildmitte. Foto: Marianne Schäfer
Neubau des Vereinsgalgens am Elsässerrheinweg
Der Neubau am Elsässerrheinweg. Foto: in situ

Eine Basler Eigenart lebt weiter

Der Verein Basler Galgenfischer wurde 1920 gegründet. Er vertritt die Interessen der Galgenfischer, pflegt die Tradition und vermittelt das Wissen über diese besondere Form der Fischerei.

Die Häuschen erzählen von Arbeit und Freizeit, vom Verschwinden des Lachses, von Hochwasser, Baurecht und Heimatgefühl. Sie zeigen auch, wie eng Basel mit seinem Fluss verbunden ist. Basel besitzt grössere Wahrzeichen. Kaum eines steht dem Rhein näher.


Der Beitrag wurde im September 2026 historisch überprüft, überarbeitet und um den aktuellen Planungsstand ergänzt.