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Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

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Kneippbecken am Rhein

Kneippbecken am Rhein

Es plätschert leise im Schatten uralter Bäume und der mächtigen Stadtmauer im St. Alban-Tal. Während wenige Meter weiter der Rhein mächtig vorbeizieht, treten hier Eingeweihte barfuss ins eiskalte Quellwasser. Die Kneipp-Anlage am St. Alban-Teich ist ein verborgenes Basler Kleinod – und Zeuge einer fast vergessenen Pioniertat der städtischen Naturheilkunde.

Der «Wasserdoktor» aus Wörishofen und das Basler Dalbeloch

Sebastian Kneipp (1821–1897), der bayerische Priester und Hydrotherapeut, kurierte im 19. Jahrhundert seine eigene schwere Tuberkulose durch beherzte Tauchbäder in der winterlichen Donau. Aus dieser radikalen Selbsterfahrung entwickelte er seine weltberühmt gewordene Lehre der fünf Säulen: Wasseranwendungen, Heilkräuter, Bewegung, ausgewogene Ernährung und seelische Ordnung.

Was heute als moderner Wellnesstrend gilt, war im späten 19. Jahrhundert eine revolutionäre Volksgesundheitsbewegung für jedermann. Auch im industriell geprägten Basel stiess die Naturheilkunde früh auf fruchtbaren Boden: Bereits 1893 wurde der Kneipp-Verein Basel gegründet – als einer der ältesten Kneipp-Vereine der Schweiz überhaupt. Die Initianten suchten damals bewusst nach Orten mit fliessendem, klarem Wasser abseits des staubigen Stadtverkehrs.

Wo liess sich diese Philosophie schöner verwirklichen als im St. Alban-Tal? Im Schatten des mittelalterlichen Letziturms und der historischen Stadtmauer, direkt neben dem murmelnden St. Alban-Teich, entstand eine stimmungsvolle Wassertret- und Armbadeanlage. Gespiesen von frischem Quellwasser, ist sie bis heute öffentlich zugänglich – ein Ort der Entschleunigung mitten im Quartier.

https://www.youtube.com/watch?v=0h5yLuhpCrc
Die Kunst des Wassertretens: Wie Kneippen das Immunsystem und den Kreislauf stärkt.

Der Storch im Dalbeloch: Die Kunst des Wassertretens

Wer die kleine Anlage betritt, folgt festen, fast meditativen Regeln: Warmgelaufen geht es mit nackten Füssen ins Natursteinbecken. Anschliessend schreitet man im gemächlichen «Storchengang» durch das kühle Nass – bei jedem Schritt wird ein Bein vollständig aus dem Wasser gehoben, ehe die Zehen wieder eintauchen. Sobald der Kältereiz nach dreissig bis sechzig Sekunden spürbar wird, streift man das Wasser nur leicht mit den Händen ab und läuft sich wieder warm.

Ergänzt wird das Ritual durch das steinerne Armbecken: «Der Espresso des Naturheilkundlers», wie Kenner sagen, bringt den Kreislauf in Schwung, erfrischt den Geist und senkt den Blutdruck ganz ohne Koffein. Der Basler Kneipp-Verein pflegt diese Tradition seit über 130 Jahren mit Vorträgen, Kräuterkursen und Exkursionen – und hält damit ein Stück lebendige Stadtkultur wach, das weit über das reine Wassertreten hinausreicht.

Weiterführende Links: Stille Wasser und das Dalbeloch