Hotelschiffe

Wenn Basel bei einem Grossanlass an seine Kapazitätsgrenzen stösst, wächst die Stadt für einige Tage auf den Rhein hinaus. Flusskreuzfahrtschiffe werden dann zu schwimmenden Hotels – mit Kabinen, Restaurant und einem Ausblick, den kein gewöhnliches Hotelzimmer bieten kann.
Die Baselworld ist Geschichte
Während Jahrzehnten war die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld der wichtigste Anlass für den Einsatz von Hotelschiffen in Basel. Die Messe brachte jeweils so viele Gäste ans Rheinknie, dass die Zimmer an Land nicht ausreichten. Ein stattliches Kontingent der europäischen Flusskreuzfahrtflotte legte deshalb an den Basler Rheinufern an.
Nach damaligen Angaben stellten die schwimmenden Hotels in Spitzenzeiten bis zu 900 Kabinen mit rund 1600 Betten bereit. Die letzte Baselworld fand allerdings 2019 statt. Spätere Ausgaben wurden abgesagt; die einstige Weltmesse ist heute Geschichte.




Hotelschiffe am Basler Rheinufer während der Zeit der Baselworld. Fotos: Archiv ralu.ch
Der ESC brachte die Hotelschiffe zurück
Mit dem Ende der Baselworld verschwand das Modell jedoch nicht. Beim Eurovision Song Contest 2025 griff Basel erneut darauf zurück. Für die Veranstaltungswoche reservierte Basel Tourismus ein Flusskreuzfahrtschiff mit rund 70 Kabinen. Es ergänzte das nahezu ausgebuchte Angebot an Hotels und Ferienwohnungen.
Der Bedarf war beträchtlich: Mehr als eine halbe Million Menschen besuchten die Veranstaltungen in der Stadt, die Basler Hotels waren nach der Veranstaltung zu rund 95 Prozent ausgelastet. Das Hotelschiff war damit zwar deutlich kleiner als die frühere schwimmende Hotelflotte der Baselworld, erfüllte aber denselben Zweck: Es schuf zusätzlichen Wohnraum genau für jene Tage, an denen Basel ihn benötigte. Mehr zur damaligen Unterkunftssituation beim ESC.
Wenn Basel an Land die Betten ausgehen, wächst die Stadt für einige Tage auf den Rhein hinaus.
Ein Hotelquartier auf Zeit
Ein Hotelschiff ist kein provisorisches Massenlager. Es handelt sich in der Regel um ein vollständig ausgestattetes Flusskreuzfahrtschiff mit Kabinen, Rezeption, Speisesaal, Aufenthaltsräumen und Besatzung. Während seines Einsatzes bleibt es an der Anlegestelle und funktioniert wie ein gewöhnliches Hotel – nur eben auf dem Wasser.
Die Schiffe vergrössern das Bettenangebot, ohne dass für einen einzelnen Grossanlass neue Gebäude errichtet werden müssen. Dafür benötigen sie geeignete Liegeplätze, Anschlüsse für Strom und Wasser, eine geregelte Ver- und Entsorgung sowie eine gute Verbindung zum öffentlichen Verkehr. Auch Wasserstand und Schifffahrtsbetrieb setzen dem Einsatz Grenzen.
Wo die Hotelschiffe anlegten
Während der grossen Baselworld-Jahre lagen die Schiffe unter anderem längs der Westquaistrasse in Kleinhüningen, am Elsässerrheinweg beim St. Johannspark, oberhalb der Johanniterbrücke und am St. Johanns-Rheinweg. Für einige Tage entstanden dort kleine, schwimmende Hotelquartiere.
Das veränderte auch das Bild des Flusses. Wo sonst einzelne Kreuzfahrtschiffe oder Frachter vorbeizogen, lagen plötzlich mehrere Schiffe hintereinander am Ufer. Ihre beleuchteten Fenster, die ein- und ausgehenden Gäste und die wartenden Reisebusse machten sichtbar, wie stark ein Grossanlass die ganze Stadt erfasst – bis hinaus auf den Rhein.
Ein vertrautes Bild mit neuer Bedeutung
Die Zeit der grossen Baselworld-Flotte ist vorbei. Der ESC hat jedoch gezeigt, dass Hotelschiffe weiterhin eine sinnvolle Ergänzung sein können, wenn internationale Veranstaltungen kurzfristig sehr viele Gäste nach Basel bringen.
Sie stehen für eine besondere Fähigkeit dieser Stadt: Basel nutzt den Rhein nicht nur als Verkehrsweg, Freizeitlandschaft und Kulisse. Wenn es nötig wird, dient der Fluss sogar als vorübergehendes Hotelquartier.
Weiterlesen auf ralu.ch
- Der Basler Rheinhafen – Verkehrsdrehscheibe, Arbeitsplatz und Tor der Schweiz zur Welt.
- Die Basler Personenschifffahrt – Geschichte, Flotte und Fahrten auf dem Rhein.
- Der Rhein als Festarena – wenn der Strom zur Bühne für grosse Veranstaltungen wird.
Beitrag im September 2026 aktualisiert.



