Roche Türme 1 und 2 und auch 3?

Bau 2 prägt seit 2022 die Basler Skyline, das pRED Innovation Center ist in Betrieb und Bau 12 entsteht. Der dritte Roche-Turm dagegen bleibt eine Möglichkeit – und ein Streitfall.
Als ich diesen Beitrag 2019 begonnen habe, wuchs Bau 2 gerade aus dem Boden. Damals liessen Visualisierungen erst erahnen, wie stark der neue Turm das Basler Stadtbild verändern würde. Inzwischen steht er längst. Gleichzeitig hat Roche sein Forschungsareal erneuert, ein weiteres Grossprojekt begonnen und Pläne für das Südareal vorgelegt. Zeit für eine grundlegende Aktualisierung.

Bau 2: Aus der Baustelle wurde ein Wahrzeichen
Am 2. September 2022 eröffnete Roche den von Herzog & de Meuron entworfenen Bau 2. Mit 205 Metern und 50 Etagen löste er den 178 Meter hohen Bau 1 als höchstes Hochhaus der Schweiz ab. Roche investierte rund 550 Millionen Franken in das Gebäude.
Die beiden Türme bilden heute ein weithin sichtbares Paar. Bau 2 übernimmt die treppenartige Grundform seines Vorgängers, wirkt durch seinen schmaleren Baukörper jedoch steiler und leichter. Je nach Blickwinkel verschmelzen beide Hochhäuser beinahe zu einer einzigen Silhouette – oder treten wie zwei ungleich grosse Geschwister auseinander.
Bau 2 in Kürze
205 Meter hoch
50 Etagen
Eröffnung im September 2022
Investition von rund 550 Millionen Franken
Architektur: Herzog & de Meuron
Die damalige Vision
Das folgende Video stammt aus der Planungs- und Bauzeit. Was damals noch als digitale Zukunftsvision präsentiert wurde, gehört heute zum Basler Alltag.
Das pRED Innovation Center: Forschung in der Vertikalen
Die Erneuerung des Roche-Areals beschränkt sich nicht auf Bürohochhäuser. Im September 2024 eröffnete das Unternehmen das neue pRED Innovation Center für die pharmazeutische Forschung und frühe Medikamentenentwicklung.

Das ebenfalls von Herzog & de Meuron entworfene Ensemble besteht aus vier miteinander verbundenen Gebäuden. Zwei niedrigere Bauten nehmen Büro- und Konferenzräume auf, während sich in den beiden höheren Gebäuden Labore und Forschungsinfrastruktur befinden. Insgesamt bietet das Zentrum Platz für bis zu 1’800 Mitarbeitende.
Bemerkenswert ist vor allem die vertikale Organisation der Forschung. Labore, technische Anlagen, Büros und Begegnungsräume wurden übereinandergestapelt und eng miteinander verbunden. Das pRED Center ist damit mehr als eine Erweiterung des Areals: Es ist ein Versuch, wissenschaftliche Zusammenarbeit architektonisch zu beschleunigen.
Bau 3: Möglichkeit statt beschlossenes Projekt
Im Herbst 2020 sorgte Roche mit der Vision eines dritten Hochhauses für Aufsehen. Bau 3 könnte bis zu 221 Meter hoch werden und damit Bau 2 nochmals überragen. Die damaligen Bilder lösten eine lebhafte Debatte aus: Für die einen wäre der Turm die konsequente Weiterentwicklung eines städtischen Campus, für die anderen eine weitere Überformung der Basler Silhouette.

Der Basler Grosse Rat stimmte dem Bebauungsplan für das Südareal im Oktober 2025 zu. Damit wurde die planungsrechtliche Möglichkeit für Bau 3 geschaffen. Gleichzeitig darf Roche den 1960 errichteten Bau 52 des Architekten Roland Rohn abbrechen. Gerade dieser geplante Verlust eines wichtigen Zeugnisses der Nachkriegsmoderne wurde von Architekturfachleuten heftig kritisiert.
Abgeschlossen ist das Verfahren trotzdem nicht. Anfang 2026 wurde gegen den Beschluss Rekurs erhoben. Einen Bauentscheid, einen Baubeginn oder einen Eröffnungstermin für Bau 3 gibt es nicht. Der Turm ist deshalb weiterhin eine langfristige Option und keine laufende Baustelle. Einen Überblick über die Auseinandersetzung bietet der Bericht von SRF.
Stand September 2026: Bau 3 befindet sich nicht im Bau. Der Bebauungsplan wurde politisch genehmigt, ist wegen des laufenden Rechtsverfahrens aber weiterhin umstritten. Auch Roche hat bisher keinen Realisierungstermin bekannt gegeben.
Die Kontroverse betrifft mehr als die Höhe eines neuen Turms. Es geht um den Umgang mit Bau 52, um die Gestaltung des Südareals, um einen geplanten Park und ein Besucherzentrum – und um die Frage, wie sich ein weitgehend geschlossenes Firmenareal zum Rhein und zum umliegenden Quartier öffnen soll. Eine Einordnung der architektonischen Debatte findet sich bei Architektur Basel.
Was tatsächlich gebaut wird: Bau 12
Während über Bau 3 weiterhin gestritten wird, läuft auf dem Nordareal ein anderes Grossprojekt. Am 29. Oktober 2025 legte Roche den Grundstein für Bau 12. Das neue Forschungs- und Entwicklungsgebäude soll Ende 2029 fertiggestellt werden.
- Investition: rund 500 Millionen Franken
- Höhe: rund 72 Meter
- Umfang: 15 Etagen und 32’200 Quadratmeter Gebäudefläche
- Kapazität: Arbeitsplätze für bis zu 450 Forschende
- Geplante Fertigstellung: Ende 2029
Bau 12 ist für die frühen Phasen der Medikamentenentwicklung vorgesehen. Flexible Laborbereiche und eine Pilotanlage sollen Forschung und frühe klinische Entwicklung enger miteinander verbinden. Auch dieses Gebäude wird von Herzog & de Meuron gestaltet. Seine Fassade orientiert sich am benachbarten Forschungsgebäude Bau 6.
Mehr als eine neue Skyline
Die Entwicklung des Roche-Areals erzählt von der langfristigen Verwandlung eines Industrie- und Verwaltungsstandorts in einen verdichteten Forschungs- und Bürocampus. Dabei verändert sich nicht nur die Silhouette Basels. Auch das Verhältnis zwischen dem Unternehmen, dem Wettsteinquartier und dem Rheinufer wird neu ausgehandelt.
Bau 1 und Bau 2 sind längst zu Orientierungspunkten geworden. Man sieht sie vom Münsterhügel, von den Brücken, vom Hafen und weit aus dem Umland. Das pRED Center hat die Forschung in neue Höhen geführt, Bau 12 setzt diese Entwicklung fort. Bau 3 dagegen zeigt, dass Stadtentwicklung nie allein eine Frage von Architektur und Investitionen ist. Sie betrifft Erinnerung, Öffentlichkeit, Nachbarschaft und die Vorstellung davon, wie Basel künftig aussehen soll.
Die Türme sind damit mehr als weithin sichtbare Zeichen eines Weltkonzerns. Sie sind Teil einer städtischen Debatte, die noch lange nicht abgeschlossen ist.
Aktuelle Informationen
- Aktuelle Meldungen zur Arealentwicklung von Roche
- Bau 2 bei Herzog & de Meuron
- pRED Center bei Herzog & de Meuron
- Informationen von Roche zu Bau 12
Weiterlesen auf ralu.ch
- Geschichte der Wettsteinbrücke – Basler Stadtentwicklung zwischen technischem Fortschritt, Architekturstreit und Rücksicht auf das Stadtbild.
- Das alte Basler Kinderspital am Rhein – wie sich ein traditionsreicher Ort im Wettsteinquartier vom Spitalareal zur Wohnadresse verwandelte.
- Die Basler Rheinhäfen – Industrie, Logistik und Stadtentwicklung an Basels Verbindung zum Meer.
- Das Dossier «uferlos. basel und der rhein.» – Geschichten über Bauten, Menschen und Veränderungen entlang der Basler Ufer.
Dieser Beitrag wurde im September 2026 grundlegend aktualisiert. Ältere Visualisierungen und Aufnahmen bleiben als Dokumente der damaligen Planungs- und Baugeschichte erhalten.



