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Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

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Café Spitz und Hotel Merian

Café Spitz und Hotel Merian

Am Kleinbasler Kopf der Mittleren Brücke steht ein Haus, in dem sich mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte überlagern: Rathaus und Richthaus, Gesellschaftshaus und Café, Hotel und Restaurant. Selbst die jüngste Geschichte des Merian verlief weniger geradlinig, als es 2023 noch aussah.

Vom Rathaus zum Richthaus

Die erste Basler Rheinbrücke entstand um 1225. Für die Entwicklung Kleinbasels war sie entscheidend: Rund um den rechtsrheinischen Brückenkopf wuchs die Siedlung, die später eigene Stadtrechte erhielt. An der Stelle des heutigen Café Spitz befand sich das Kleinbasler Rathaus. 1392 wurde Kleinbasel mit Grossbasel vereinigt; aus dem früheren Rathaus wurde danach das sogenannte Richthaus, der Sitz des Stadtgerichts.

Der Brückenkopf war damit schon lange vor dem heutigen Gebäude ein politisch und wirtschaftlich wichtiger Ort. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite entstand später ein weiteres markantes Haus: Das heutige Hotel Drei Könige wurde 1842 bis 1844 ebenfalls nach Plänen des Basler Architekten Amadeus Merian errichtet.

Mehr zur Geschichte der Brücke: Die Mittlere Brücke von Basel.

Das Café Spitz

Das mittelalterliche Richthaus wurde im 19. Jahrhundert abgebrochen. Zwischen 1838 und 1840 entstand an seiner Stelle nach Plänen von Amadeus Merian (1808–1889) das neue Gesellschaftshaus der drei Kleinbasler Ehrengesellschaften. Es war Merians erster Neubau als Architekt.

Der Name «Café Spitz» erinnert an das spitze Türmchen, das bereits das frühere Richthaus geprägt hatte. Das neue Gebäude erhielt wiederum einen kleinen Turm. Aus dem zunächst auch «Café National» genannten Haus wurde im Lauf des 19. Jahrhunderts endgültig das Café Spitz.

Café Spitz und Hotel Merian an der Mittleren Brücke in Basel
Café Spitz am Kleinbasler Brückenkopf. Foto: Wikipedia.

Bis heute ist das Haus eng mit den drei Ehrengesellschaften Kleinbasels verbunden. Der Merian-Saal und das Gebäude spielen insbesondere beim Vogel Gryff eine zentrale Rolle.

Brand, Umbau und Hotel

1969 wurde der Merianflügel durch einen Brand schwer beschädigt. Bei der anschliessenden Sanierung blieben die historischen Fassaden erhalten, während der Innenraum weitgehend neu aufgebaut wurde. 1972 wurde das restaurierte und erweiterte Ensemble wieder eröffnet. Der Hotelbetrieb am historischen Standort wurde fortan unter dem Namen Hotel Merian geführt.

Die Besitz- und Baurechtsverhältnisse sind komplizierter, als es ältere Darstellungen oft erscheinen lassen. Baurechtsgeberin sind die Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels. Die Christoph Merian Stiftung war während längerer Zeit in die Eigentums- und Baurechtsgeschichte des Hotels eingebunden; 2018 übernahm die ZFV-Unternehmungen das Hotel und das entsprechende Baurecht von der Stiftung.

Fast geschlossen – und dann doch nicht

Im August 2023 sah es zunächst nach einem Ende des Hotelbetriebs aus. Die ZFV-Unternehmungen kündigten an, das Hotel nach der Fasnacht 2024 zu schliessen. Eine umfassende Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes, der Gebäudetechnik und des Erdbebenschutzes sei für das Unternehmen wirtschaftlich nicht mehr vertretbar.

Dazu kam es jedoch nicht. Noch 2023 wurde eine Zwischenlösung gefunden. Ab Frühjahr 2024 übernahm die Hotelgruppe b_smart den Hotelbetrieb, während die Basler Rhyschänzli-Gruppe für die Gastronomie verantwortlich wurde. Aus der bisherigen Brasserie Café Spitz entstand das Restaurant Du Pont.

Neue Eigentümer und ein neuer Anlauf

Im Oktober 2025 fand die Suche nach einer langfristigen Lösung ein Ende. Die ZFV verkaufte das Hotel an Salome und Edwin Faeh, die in Basel bereits das Hotel Art House realisiert hatten. Die Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels begrüssten die lokal verankerte neue Trägerschaft. Das Gebäude soll weiterhin ihr Gesellschaftshaus und eine der Hochburgen des Vogel Gryff bleiben.

Im Frühjahr 2026 wurde das Hotel erneut modernisiert. Die Zimmer wurden erneuert, Lounge und Lobby neu gestaltet. Der Hotelbetrieb läuft weiter; auch das Restaurant Du Pont gehört weiterhin zum Ensemble an der Mittleren Brücke.

Damit ist ausgerechnet dieses traditionsreiche Haus ein schönes Beispiel dafür, wie wenig endgültig Stadtgeschichte ist. Rathaus, Gericht, Gesellschaftshaus, Café, Hotel – und immer wieder Umbau, Brand, Besitzerwechsel und Neubeginn. Nur der Platz am Rhein bleibt derselbe.

Quellen und weiterführende Informationen

Stand der Aktualisierung: Oktober 2026.