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Rainer Luginbühl

KI, Wissenschaft und Kultur. Basel und der Rhein.

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uferlos – Basel und der Rhein

Man kann den Rhein in Basel überqueren, ohne ihn zu beachten: im Tram, im Zug, im Strom der Autos. Man kann aber auch auf einer Fähre Platz nehmen und dem Wasser die Arbeit überlassen. Dazwischen liegen Jahrhunderte Stadtgeschichte – und erstaunlich viele Vorstellungen davon, wie man ans andere Ufer gelangen könnte.

Diese Reise folgt dem Rhein vom Kraftwerk Birsfelden bis zur Dreiländerbrücke zwischen Huningue und Weil am Rhein. Sie führt über feste Brücken und zu den vier «fliegenden Brücken», unseren Fähren. Gegen Ende geht es zu verschwundenen Bauwerken, verworfenen Plänen und zwei besonders luftigen Rheinüberquerungen. Unterwegs öffnen sich immer wieder Türen ins Archiv von uferlos.

Panoramablick vom Basler Münster auf den Rhein mit Mittlerer Brücke und Wettsteinbrücke
Der Rhein als Mitte der Stadt: Panorama vom Münster aus, aufgenommen 2010. Foto: © Jörgens.Mi/Wikipedia · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Zur Orientierung: Die Reihenfolge folgt dem Fluss, nicht einer durchgehend ausgeschilderten Wanderroute. Gemeint sind die Rheinübergänge auf diesem Abschnitt; Brücken über Birs, Wiese, Strassen oder Gleise gehören nicht dazu. Für eine Fahrt mit der Fähre bitte die aktuellen Betriebszeiten prüfen. Wasserstand, Wetter und Arbeiten an den Anlagen können Übergänge vorübergehend einschränken.

1. Kraftwerk Birsfelden: über den Rhein, mitten durch die Technik

Birsfelden ↔ Kleinbasel · Übergang zu Fuss über die Kraftwerks- und Schleusenanlage

Den Anfang macht ein Bauwerk, das in vielen Brückenlisten fehlt. Beim Kraftwerk Birsfelden lässt sich der Rhein über die Anlage mit ihrer Insel und den Schleusen überqueren. Wer hier unterwegs ist, erlebt den Fluss als Arbeitsort: Wasser wird gestaut, Schiffe überwinden den Höhenunterschied, Strom entsteht.

Die in den 1950er-Jahren errichtete Anlage trägt die Handschrift des Architekten Hans Hofmann. Besonders die verglaste Maschinenhalle zeigt, dass ein Kraftwerk auch Architektur sein kann. Der Übergang gehört zu einer sorgfältig gestalteten Flusslandschaft, nicht bloss zu einer Ansammlung technischer Einrichtungen.

Auch eine ältere Verbindung steckt in dieser Geschichte: Mit dem Kraftwerksbau verschwand 1954 die Birsfelder Fähre. Ihr Name «Ueli» tauchte Jahrzehnte später weiter rheinabwärts wieder auf.

Kraftwerk Birsfelden mit Wehrfeldern und Maschinenhalle im Rhein
Am Kraftwerk Birsfelden treffen Energiegewinnung, Schifffahrt und der Weg ans andere Ufer zusammen. Aufnahme von 2005. Foto: Roland Zumbühl/Picswiss · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

2. Die Eisenbahnbrücken: Basel im europäischen Schienennetz

Grossbasler Breite ↔ Kleinbasler Wettsteinquartier · Bahnverkehr und separater Fussgängersteg

Rheinabwärts folgt ein dichtes Nebeneinander von Verkehrswegen. Die erste Eisenbahnbrücke wurde 1873 eröffnet. Damit erhielt die Basler Verbindungsbahn ihren entscheidenden Rheinübergang zwischen den Bahnnetzen auf beiden Seiten des Flusses.

Das heutige Bild ist jünger: Auf den ursprünglichen Bau folgte 1962 eine neue Brücke; 2012 kam unmittelbar oberhalb eine zweite, zweigleisige Rheinbrücke hinzu. Wer von «der Eisenbahnbrücke» spricht, meint deshalb oft zwei Bauwerke aus unterschiedlichen Zeiten.

An der neueren Brücke hängt auf der flussaufwärts gelegenen Seite ein eigener Fussgängersteg. Er macht aus einer Eisenbahnanlage auch einen Weg für Menschen ohne Fahrkarte. Die Nähe der Züge und der freie Blick aufs Wasser geben diesem Übergang einen ganz anderen Charakter als den Brücken in der Altstadt.

3. Schwarzwaldbrücke: der grosse Verkehrsstrom

Breite ↔ Wettsteinquartier · Autobahn, Stadtverkehr, Fuss- und Veloverbindungen

Gleich neben den Eisenbahnbrücken liegt die Schwarzwaldbrücke. Seit 1973 trägt sie einen beträchtlichen Teil des Strassenverkehrs über den Rhein. Ihre Breite und ihre Zufahrten erzählen von einer Epoche, in der die leistungsfähige Autoverbindung zu den vorrangigen Aufgaben der Stadtplanung gehörte.

Für einen Spaziergang wirkt sie zunächst wenig einladend. Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf und unter das Bauwerk: Hier zeigt sich Basel als Verkehrsknoten, mit übereinandergeschichteten Wegen, Widerlagern und Uferdurchgängen. Die Schwarzwaldbrücke ersetzte die nahe gelegene St. Albanbrücke. Deren kurze Geschichte folgt weiter unten.

Schwarzwaldbrücke über den Rhein in Basel
Die Schwarzwaldbrücke gehört zur Verkehrsstadt Basel. Aufnahme von 2006. Foto: Wladyslaw Sojka · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

4. St. Alban-Fähre «Wild Maa»: der Fluss übernimmt

St. Alban-Tal ↔ Schaffhauserrheinweg · Zwischen Schwarzwald- und Wettsteinbrücke

Nach den grossen Verkehrsbrücken schrumpft der Übergang auf die Grösse eines Bootes. Die St. Alban-Fähre verbindet das Dalbeloch mit dem Kleinbasler Ufer. Auf der einen Seite liegen die alten Häuser und Gewerbekanäle des St. Alban-Tals, auf der anderen öffnet sich der Blick zur jüngeren Stadt.

Wie ihre drei Schwestern fährt die «Wild Maa» mit der Kraft der Strömung. Ein Seil hält die Fähre an einer Laufrolle, die sich entlang des quer über den Rhein gespannten Tragseils bewegt. Das schräg zur Strömung gestellte Boot wird dadurch zum gegenüberliegenden Ufer gedrückt. Den richtigen Winkel und das Anlegen besorgt der Fährmann oder die Fährfrau. Eine einfache Idee – mit viel Erfahrung in der Hand am Ruder.

5. Wettsteinbrücke: eine Brücke mit vielen Vorgeschichten

St. Alban-Graben ↔ Wettsteinplatz · Tram, Strassenverkehr, Fuss- und Veloverkehr

Die 1879 eröffnete Vorgängerin der heutigen Wettsteinbrücke war die zweite dauerhafte Strassenbrücke über den Rhein in Basel. Sie verband unterschiedlich hohe Ufer und erhielt eine auffällige Steigung: die «schiefe Brücke».

Der heutige Bau wurde 1995 eröffnet. Die alten Flusspfeiler blieben dabei erhalten. Am Grossbasler Brückenkopf erinnert ein mächtiger Basilisk an die frühere Brücke und ihre einst vier geflügelten Wächter.

Von hier schweift der Blick zum Münster, zur Pfalz und in den Rheinbogen. Wer die lange Reihe von Plänen und Auseinandersetzungen kennt, sieht allerdings mehr als eine schöne Aussicht: Die Wettsteinbrücke ist auch ein gebauter Entscheid darüber, welches Gesicht Basel seinem Fluss zeigen wollte.

Wettsteinbrücke vom Kleinbasler Rheinufer aus gesehen
Die heutige Wettsteinbrücke, aufgenommen vom Kleinbasler Ufer im Januar 2023. Foto: Valo139 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

6. Münsterfähre «Leu»: Basel auf Augenhöhe mit dem Wasser

Unterhalb der Pfalz ↔ Oberer Rheinweg · Zwischen Wettstein- und Mittlerer Brücke

Von der Pfalz sieht man auf die Fähre hinunter. Von der Fähre blickt man zum Münster hinauf. Allein dieser Perspektivwechsel lohnt die Überfahrt.

Die Geschichte der «Leu» führt zurück zur Harzgrabenfähre von 1854. Als 1877 die Arbeiten an der späteren Wettsteinbrücke begannen, wurde die Fährverbindung rheinabwärts an den Münsterhügel verlegt. Eine feste Brücke verdrängte die fliegende also nicht einfach: Sie verschob deren Platz in der Stadt.

Eine besonders schöne Nebenwirkung hatte das Fährgeschäft für die Kultur. Die Erträge zweier Fährverbindungen trugen zur Finanzierung der 1872 eröffneten Kunsthalle Basel bei. Wer damals übersetzte, half gewissermassen am Steinenberg mitzubauen.

Die Basler Münsterfähre Leu auf dem Rhein
Die Münsterfähre «Leu»: ein Rheinübergang ohne Brückenpfeiler. Aufnahme von 2006. Foto: Wladyslaw Sojka · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

7. Mittlere Brücke: die alte Verbindung im jüngeren Gewand

Schifflände ↔ Kleinbasler Rheingasse und Greifengasse · Tram, Fuss- und Veloverkehr

Die Mittlere Brücke sieht aus, als müsse sie schon immer hier gestanden haben. Am Ort stimmt das beinahe; beim Bauwerk nicht. Die heutige Steinbrücke wurde 1905 eröffnet. Ihre mittelalterliche Vorgängerin hatte während Jahrhunderten den Verkehr zwischen den beiden Ufern gebündelt.

Die Anfänge führen ins frühe 13. Jahrhundert und zu Bischof Heinrich von Thun, der den Brückenschlag vorantrieb. Bei einer vermeintlich ganz genauen Jahreszahl ist Vorsicht angebracht: Die Datierung wird in den Darstellungen unterschiedlich behandelt. Die Christoph Merian Stiftung nahm 2025 die erste urkundliche Erwähnung von 1225 zum Anlass für einen Rückblick auf 800 Jahre Brückengeschichte.

Die Brücke erleichterte Handel und Verkehr und prägte die Entwicklung Kleinbasels. Sie war aber auch ein Ort von Herrschaft und Rechtsprechung. Das Käppelijoch erinnert an diese weniger freundliche Seite der Stadtgeschichte. Die kleine Kapelle auf der heutigen Brücke ist eine Nachbildung des älteren Bauwerks.

Für uferlos ist dieser Übergang längst ein ganzes Bündel von Geschichten: vom Bischof über das Käppelijoch bis zur Helvetia, die am Kleinbasler Brückenkopf mit ihrem Koffer sitzt. Die einen müssen hinüber. Sie hat sich erst einmal hingesetzt.

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8. Klingentalfähre «Vogel Gryff»: hinüber zur Kaserne

Totentanz ↔ Klingental bei der Kaserne · Zwischen Mittlerer und Johanniterbrücke

Die Klingentalfähre verbindet zwei sehr unterschiedliche Uferbilder: die Grossbasler Häuserfront beim Totentanz und den offeneren Raum vor dem Klingental und der Kaserne. Die Verbindung besteht seit 1862.

Ihr Name gehört mitten in die Kleinbasler Tradition. Auf dem Boot wird daraus eine ganz alltägliche Verbindung zwischen Quartieren. Während an den Brücken die Stadt vorbeizieht, bleibt auf der Fähre Zeit für einen Blick zurück – und manchmal für ein Gespräch, das länger dauern dürfte als die Überfahrt.

9. Johanniterbrücke: die Brücke, die seitwärts rückte

St. Johann ↔ Kleinbasel · Bus, Strassenverkehr, Fuss- und Veloverkehr

Die erste Johanniterbrücke wurde 1882 eröffnet. Der heutige Bau stammt aus den Jahren 1965 bis 1967. Seine Entstehung enthält eine jener technischen Geschichten, die man ihm beim Darübergehen kaum ansieht.

Damit der Übergang während des Neubaus benutzbar blieb, entstanden die neuen Brückenteile seitlich der alten Brücke. Nach deren Abbruch wurden die Teile in ihre endgültige Lage verschoben. Eine Brücke wird normalerweise überquert. Diese wurde zunächst auch noch quer verschoben.

Ihre schlanke, sachliche Form setzt sich deutlich von der Mittleren Brücke ab. Der Weg über den Rhein führt hier aus dem engeren Altstadtbild hinaus in die Quartiere. Es lohnt sich zudem, nicht nur oben entlangzugehen: Auch der Raum unter der Johanniterbrücke ist auf ralu.ch zum Schauplatz einer eigenen Geschichte geworden.

Blick von der Mittleren Brücke rheinabwärts zur Johanniterbrücke
Die Johanniterbrücke, von der Mittleren Brücke aus gesehen. Aufnahme vom Mai 2022. Foto: Michielverbeek · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

10. St. Johann-Fähre «Ueli»: die Rückkehr eines Namens

St. Johanns-Park ↔ Unterer Rheinweg · Zwischen Johanniter- und Dreirosenbrücke

Die unterste der vier heutigen Basler Fähren verbindet den St. Johanns-Park mit dem Kleinbasler Rheinbord. Ihre Vorgängerin, die Schlachthoffähre, stellte nach der Eröffnung der Dreirosenbrücke 1934 den Betrieb ein. 1989 kehrte die Verbindung als St. Johann-Fähre zurück.

Den Namen «Ueli» übernahm sie von der früheren Birsfelder Fähre. So führt eine kleine Namensgeschichte vom Beginn dieser Reise fast bis an ihr Ende. Sie zeigt auch, dass eine zusätzliche Brücke eine Fähre zwar überflüssig erscheinen lassen kann – aber nicht für alle Zeiten.

11. Dreirosenbrücke: oben Stadt, unten Autobahn

St. Johann ↔ Matthäus und Klybeck · Doppelstockbrücke mit breitem Fussgängerbereich

Die erste Dreirosenbrücke wurde 1934 eröffnet. Der heutige Übergang entstand als Doppelstockanlage und war 2004 vollständig in Betrieb. Im unteren Geschoss verläuft die Autobahn; darüber bewegen sich Trams, der lokale Verkehr, Velos und Menschen zu Fuss.

Das Bauwerk besteht aus zwei nebeneinanderliegenden Brücken. Auf der oberen Ebene gibt es auch einen breiten Bereich zum Gehen und Verweilen. Wer hier am Geländer steht, befindet sich über einer internationalen Verkehrsachse und schaut zugleich auf ein Stück Basler Quartierleben.

Damit erzählt die Dreirosenbrücke eine andere Geschichte als die Schwarzwaldbrücke weiter oben: Der Transitverkehr wird auf einer eigenen Ebene geführt, während darüber auch Platz für den Aufenthalt am Fluss entsteht. Ganz verschwindet der Verkehr dadurch aus der Wahrnehmung natürlich nicht. Eine Brücke bleibt ein Ort, an dem sich die Ansprüche an die Stadt sehr konkret begegnen.

Dreirosenbrücke mit ihren übereinanderliegenden Verkehrsebenen
Die Dreirosenbrücke verteilt unterschiedliche Verkehrsarten auf zwei Geschosse. Aufnahme von 2018. Foto: PantaRhei · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

12. Dreiländerbrücke: zwei Ufer, zwei Länder, ein Dreiland

Huningue in Frankreich ↔ Weil am Rhein in Deutschland · Fuss- und Velobrücke

Nach der Dreirosenbrücke weitet sich der Blick in die Hafen- und Grenzlandschaft. Die letzte Station dieser Reise liegt bereits ausserhalb der Schweiz: Die Dreiländerbrücke verbindet Huningue mit Weil am Rhein. Ihr Name beschreibt die Region, nicht die Zahl der Staaten, deren Boden sie berührt.

Die 2007 eröffnete Fuss- und Velobrücke ist rund 248 Meter lang. Ihr Hauptbogen überspannt den Rhein ohne Stütze im Wasser. Entworfen wurde sie vom Architekten Dietmar Feichtinger in Zusammenarbeit mit den Ingenieuren von LAP. Der leicht wirkende Bogen setzt einen markanten Akzent in eine Umgebung, die lange von Häfen, Grenzen und Güterverkehr geprägt war.

Hier wird die grenzüberschreitende Region zu einer alltäglichen Erfahrung: Man geht zu Fuss von Frankreich nach Deutschland. Basel liegt in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Dreiländerbrücke ist deshalb ein passender Schlusspunkt – obwohl weiter rheinabwärts selbstverständlich weitere Brücken folgen.

Die beleuchtete Dreiländerbrücke zwischen Weil am Rhein und Huningue bei Nacht
Die Dreiländerbrücke bei Nacht: ein Übergang zwischen Deutschland und Frankreich, nahe der Schweizer Grenze. Aufnahme von 2011. Foto: Wladyslaw Sojka · Wikimedia Commons · CC BY 3.0

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Verschwunden, verworfen, ungewöhnlich: die anderen Rheinübergänge

Auf einer heutigen Karte sieht die Geschichte übersichtlich aus. Was nicht mehr steht oder nie gebaut wurde, fehlt. Gerade diese Übergänge erzählen aber viel über Basel: über Ängste, technische Hoffnungen, politische Entscheide – und die Lust, für eine Weile etwas ganz anderes zu versuchen.

Die Dufourbrücke: ein Übergang für den Ernstfall

Während des Neuenburgerhandels liess die Schweizer Armee 1857 bei Basel eine provisorische Pontonbrücke errichten. Sie lag in der Nähe der späteren Wettsteinbrücke und diente den militärischen Vorbereitungen angesichts eines drohenden Konflikts mit Preussen. Als sich die Krise entschärfte, wurde sie wieder abgebaut. Die nach General Guillaume Henri Dufour benannte Verbindung bestand nur wenige Monate.

Die St. Albanbrücke: nur 18 Jahre über dem Rhein

Von 1955 bis 1973 führte die St. Albanbrücke zwischen dem Breite- und dem Wettsteinquartier über den Rhein, nahe dem heutigen Museum Tinguely. Ihr vergleichsweise leichter Bau brachte ihr den Übernamen «Zitterbrücke» ein. Mit der Schwarzwaldbrücke endete ihre kurze Laufbahn. Wer nur die heutigen Übergänge kennt, ahnt kaum, dass hier einst eine andere Strassenbrücke stand.

Wettsteinbrücke: Basel hätte auch anders aussehen können

Schon 1843 lagen Pläne für eine Kettenbrücke beim Harzgraben vor. Später wurde auch eine zweistöckige Lösung für Strasse und Eisenbahn erwogen. Gebaut wurde schliesslich die geneigte Strassenbrücke von 1879; die Eisenbahn erhielt ihren eigenen Rheinübergang weiter oben.

Auch vor dem jüngsten Neubau stritt Basel über die Gestalt dieser Verbindung. Neben dem Projekt von Bischoff und Rüegg stand eine auffällige Alternative von Santiago Calatrava zur Diskussion. In der Abstimmung von 1990 setzte sich der Entwurf von Bischoff und Rüegg durch. Die heutige Brücke ist also auch das Ergebnis einer architektonischen und politischen Auswahl. Die verworfenen Entwürfe zeigen eine Stadt, die möglich gewesen wäre.

1992: mit der Gondel von der Pfalz ins Kleinbasel

Die Erinnerung täuscht nicht: Basel hatte tatsächlich für begrenzte Zeit eine Seilbahn über den Rhein. 1992 verband eine Gondelbahn die Gegend bei der Pfalz mit dem Kleinbasler Ufer. Anlass war das Jubiläum «600 Jahre Gross- und Kleinbasel zusammen», das an die Vereinigung von 1392 erinnerte.

Die Anlage blieb eine Attraktion auf Zeit. Gerade darin liegt ihr Reiz für die Stadtgeschichte: Für einen Sommer änderte sich die vertraute Vorstellung davon, wie man hier ans andere Ufer gelangt. Über der Fähre gab es plötzlich noch eine zweite, wesentlich luftigere Möglichkeit.

2018: ein Seil statt einer Brücke

Am 12. Mai 2018 überquerte der kanadische Hochseilartist Laurence Tremblay-Vu den Rhein auf einem gespannten Seil neben der Mittleren Brücke. Der Auftritt gehörte zum Umfeld des Zirkusfestivals Young Stage und machte den Fluss für einen Moment zur Bühne.

Eine Verkehrsverbindung war das selbstverständlich nicht. Aber in eine Geschichte der Rheinüberquerungen gehört dieser Gang unbedingt: Selten dürfte der Abstand zwischen den beiden Ufern so aufmerksam verfolgt worden sein.

Unter dem Rhein: Verbindungen, die man nicht sieht

Auch unter der Flusssohle werden die Ufer miteinander verbunden. In sogenannten Dükern führen Leitungen unter dem Rhein hindurch. Das sind technische Verbindungen für die Versorgung und Entsorgung der Stadt, keine frei zugänglichen Fussgängertunnel. Sie ergänzen das Bild um jene Infrastruktur, die im Alltag fast vollständig verborgen bleibt.

Weitere Fundstücke im Archiv sind das «Rhyschiffli» als fünfte Fähre und die Solarfähre Basel. Diese älteren Beiträge dokumentieren zusätzliche Ideen und Angebote. Sie sind keine Bestätigung eines heutigen regelmässigen Fährbetriebs.

Zwei Stimmen, die im uferlos-Archiv weiterleben

Zu diesem Thema gehören für mich zwei Autoren, die leider nicht mehr leben: Alois Bischof und Niggi Schöllkopf. Ihre Gastbeiträge bleiben Teil von uferlos. Sie bewahren Beobachtungen und Erfahrungen, die keine Brückenstatistik ersetzen kann.

Alois Bischof: «Tour des ponts»

Ein Ausflug auf dem Rhein wird zu einer Erkundung seiner Brücken und der Erinnerungen, die an ihnen hängen. Bischof verbindet persönliche Beobachtungen mit Stadtgeschichte und einem wachen Blick für das scheinbar Nebensächliche. Der ursprünglich 2004 in der Basler Zeitung erschienene Text ist im Archiv als zeitgenössischer Gastbeitrag erhalten.

Niggi Schöllkopf: «Die fliegenden Brücken zu Basel»

Schöllkopf erzählt von den Fähren aus der Nähe eines Menschen, der sich für sie eingesetzt hat. Sein Beitrag macht deutlich, wie viel persönliches Engagement hinter diesen scheinbar selbstverständlichen Rheinübergängen steckt. Auch dieser Text bleibt in seiner eigenen Stimme und in seinem historischen Zusammenhang lesbar.

Wer den Rhein mehrfach überquert, lernt jedes Mal eine etwas andere Stadt kennen. Vom Kraftwerksteg aus sieht Basel anders aus als von der Münsterfähre, unter der Dreirosenbrücke anders als auf dem Bogen zwischen Huningue und Weil. Diese Sammlung darf deshalb weiterwachsen: mit zusätzlichen Geschichten, Bildern, Erinnerungen und Korrekturen.

Weiterführende Links: planen, nachlesen, weiterschauen

Redaktionsstand: . Die verlinkten Archivbeiträge stammen aus unterschiedlichen Jahren. Angaben zu früheren Projekten und Angeboten sind historisch zu verstehen. Die Fotos werden unverändert und lediglich in angepasster Darstellungsgrösse gezeigt; Aufnahmejahr, Urheber, Bildquelle und Lizenz stehen jeweils beim Bild.

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