Freizeithalle beim Dreirosenschulhaus

Unter dem gewaltigen Pfeilerbau der Dreirosenbrücke verbirgt sich ein urbanes Experiment der Gegensätze: In den Katakomben lockt die Freizeithalle als kostenloser Spiel- und Sporttreffpunkt für Kinder und Familien. Doch draussen auf der Dreirosenanlage prallte das sozialpädagogische Ideal jahrelang ungefiltert auf die Schattenseiten der Stadt: Offener Drogenhandel, Messergewalt und permanente Polizeieinsätze machten das Areal zu einem der meistdiskutierten Brennpunkte Basels.

Einzigartiger Freiraum in den Brückenkatakomben
Den Dreirosenpark mit dem Primarschulhaus gibt es schon lange. Nicht aber das für die Deutschschweiz einzigartige Projekt der Freizeithalle in den Katakomben unter der neuen Dreirosenbrücke. Hier kann man sich an Fitnessgeräten in Form bringen, durch den Seilgarten klettern, sich auf dem Trampolin verausgaben, sein Geschick beim Poolbillard oder Tischfussball unter Beweis stellen, die Reaktionsfähigkeit beim Speedhockey testen oder vor Spiegeln Tanzschritte einstudieren – entweder alleine oder in Gruppen.
Auch für Eltern mit ihren Kids ist die Freizeithalle optimal: Es gibt eine eigene Kleinkinderzone, in der sich die Jüngsten austoben können. Eine permanente Betreuung existiert allerdings nicht, weshalb Eltern selbst ein Auge auf den Nachwuchs haben müssen. Finanziert von öffentlichen und privaten Sponsoren, steht dieses Angebot der Bevölkerung zum Nulltarif offen. Wer sich beim Trainieren verausgabt hat, kann sich anschliessend im Bistro stärken.

Brennpunkt Dreirosenanlage: Drogen, Messer und Angst
Während drinnen geturnt und geklettert wird, spielte sich direkt vor den Toren jahrelang ein harter Kriminalitätsalltag ab. Die Dreirosenanlage – Drehscheibe zwischen Kleinbasler Wohnquartieren, Schulhaus, Autobahnanschluss und Rheinuferweg – entwickelte sich zu einem der heikelsten Drogen- und Gewalthotspots der Nordwestschweiz.
Rund um die Bänke, die Pavillons und auf den Treppen zum Rhein etablierte sich eine aggressive Drogenszene. Gehandelt wurden neben Cannabis zunehmend Kokain sowie psychoaktive Medikamente wie Benzodiazepine. Die Enthemmung durch Mischkonsum steigerte das Aggressionspotenzial massiv: Wiederholte Messerstechereien – teils am helllichten Tag gegenüber dem Schulhaus –, bewaffnete Raubüberfälle und Drohungen gehörten zeitweise zu den Meldungen der Staatsanwaltschaft. Anwohnende klagten über massive Belästigungen, und Jugendarbeitende mussten Mädchen nach Einbruch der Dunkelheit zu Tramstationen begleiten.
Polizeidruck, Videoüberwachung und die Grenzen der Verdrängung
Der Druck auf die Behörden wurde so gross, dass das Justiz- und Sicherheitsdepartement unter Regierungsrätin Stephanie Eymann zu rigorosen Mitteln griff: Die Kantonspolizei errichtete eine flächendeckende, mobile Videoüberwachung mit rund 16 Kameras über der Anlage, die das Geschehen rund um die Uhr aufzeichnete. Begleitet wurde dies von gross angelegten Schwerpunktaktionen mit Hunderten Personenkontrollen, Verhaftungen mutmasslicher Dealer und rigorosen Wegweisungen.
Die Dauerpräsenz zeigte Wirkung: Die schweren Gewaltdelikte auf der Anlage gingen spürbar zurück, und die Kameras konnten nach Beruhigung der Lage wieder abgebaut werden. Gelöst ist der Konflikt damit jedoch nicht: Wie bei vielen städtischen Brennpunkten verlagerten sich Teile des Handels und der Treffpunkte zeitweise in umliegende Strassenzüge wie die Horburgstrasse oder den Matthäuskirchplatz. Für die Freizeithalle und das Quartier bleibt die Herausforderung täglich spürbar: Den geschützten Raum für Kinder und Familien gegen die Verdrängungsmechanismen des Strassenlebens zu verteidigen.
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