Gasthof zum Goldenen Sternen

Unter alten Kastanienbäumen direkt an der Uferkante des Rheins speisen, während lautlos die St. Alban-Fähre an ihrem Drahtseil vorüberzieht: Der Gasthof zum Goldenen Sternen gilt als Inbegriff Basler Gemütlichkeit im idyllischen Dalbeloch. Doch das älteste Gasthaus der Stadt stand ursprünglich an einem völlig anderen Ort – und verdankt seine heutige Idylle am Wasser einer spektakulären Rettungsaktion der Denkmalpflege.

Das Tavernenrecht: «Dreierlei Wein und das Mahl»
Die Wurzeln des Gasthauses reichen tief ins Basler Mittelalter zurück: Bereits 1349 wurde das Anwesen erstmals urkundlich erwähnt, und für das Jahr 1412 ist verbrieft, dass eine Herberge namens «zem swartzen Sternen» Reisende beherbergte und verköstigte. Damit ist das Haus die älteste nachweisbare Gaststätte Basels.
Der «Sternen» war keineswegs eine gewöhnliche Schankstube, sondern gehörte zu den privilegierten dreizehn Basler Herrenwirtschaften. Nur diese ausgewählten Häuser besassen das volle Tavernenrecht: Sie durften nicht nur fremde Kaufleute und Gesandte über Nacht beherbergen, sondern den Gästen «dreierlei Wein und das Mahl» servieren. Ein exklusives Privileg in einer Stadt, die als Messe- und Handelsplatz streng über ihr Gastgewerbe wachte.
Im Zuge einer umfassenden Renovation im Jahr 1873 vollzog der Gasthof auch namentlich eine Wandlung: Aus dem düsteren «Schwarzen Sternen» wurde – dank des neuen, freundlichen Anstrichs – der «Goldene Sternen».
Ein Haus zieht um: Stein für Stein ins Dalbeloch
Fast sechshundert Jahre lang stand dieser Gasthof jedoch nicht am Fluss, sondern im dicht bebauten Stadtkern an der Aeschenvorstadt. In den 1960er-Jahren drohte dem historischen Juwel das scheinbar unausweichliche Ende: Die Basler Verkehrsplanung forderte eine drastische Strassenverbreiterung für das Automobil. Der Abriss des Gebäudes war bereits beschlossen.
Doch als die Arbeiter mit den Vorbereitungen begannen, geschah das Unerwartete: Unter dicken Putzschichten kamen kostbare spätgotische Wand- und Deckenmalereien sowie historische Holzdecken zum Vorschein. Ein Aufschrei ging durch die Stadt. Nach zähem Ringen beschloss der Grosse Rat eine in Basel bis dahin beispiellose Translozierung: Der «Goldene Sternen» sollte umziehen.
Stein für Stein, Balken für Balken wurde der Gasthof sorgfältig abgetragen, nummeriert und eingelagert. Rund einen Kilometer entfernt, im geschichtsträchtigen St. Alban-Tal – anstelle der baufälligen «Letzistube» –, bauten Fachleute das Gebäude zwischen 1973 und 1974 unter strenger Aufsicht der Denkmalpflege originalgetreu wieder auf. Es war eine städtebauliche Glanztat: Statt im Schuttcontainer zu landen, fand das älteste Gasthaus am Rheinufer seine wohl schönste Bestimmung.
Zwischen Fähre, Mühlen und Rheinstrom
Heute fügt sich der «Goldene Sternen» so harmonisch in die Kulisse des Dalbelochs ein, als hätte er nie woanders gestanden. Vor dem Haus legen Schiffe zu Rundfahrten nach Rheinfelden an, und nur wenige Schritte stromaufwärts gleitet die St. Alban-Fähre «Wild Maa» lautlos ans Ufer. Wer hier einkehrt, spürt die Verbindung aus jahrhundertealter Gastfreundschaft und der beruhigenden Weite des Rheins.
Weiterführende Links: St. Alban und Flussgeschichten
- Die Basler Fähren: Vom Wasser getragen – die St. Alban-Fähre «Wild Maa» direkt vor dem Goldenen Sternen.
- Die Basler Papiermühle & Gallician-Mühle – Handwerks- und Industriekultur am rauschenden St. Alban-Teich.
- Das Kneippbecken im Dalbeloch – verborgene Naturheilkunde im Schatten der mittelalterlichen Stadtmauer.
- Gasthof zum Goldenen Sternen – Öffnungszeiten, Menükarten und historische Gaststuben am St. Alban-Rheinweg.



